Deutsche Tageszeitung - Gehalts- und Beschäftigungsbenachteiligung von Frauen unverändert hoch

Gehalts- und Beschäftigungsbenachteiligung von Frauen unverändert hoch


Gehalts- und Beschäftigungsbenachteiligung von Frauen unverändert hoch
Gehalts- und Beschäftigungsbenachteiligung von Frauen unverändert hoch / Foto: © AFP/Archiv

Die Verdienstsituation von Frauen im Vergleich zu Männern hat sich in Deutschland zuletzt nicht mehr verbessert. Der vom Statistischen Bundesamt aus Unterschieden beim Stundenlohn, bei der Teilzeitarbeit und der Erwerbstätigkeit berechnete Indikator lag 2023 wie bereits im Vorjahr bei 39 Prozent, wie die Wiesbadener Statistikbehörde am Dienstag mitteilte. In der Folge sind Frauen etwa auch bei der Kreditvergabe oder bei der Rente im Nachteil.

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Der reine Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern, der sogenannte unbereinigte Gender Pay Gap, liegt seit 2020 nahezu unverändert bei 18 Prozent. Dies lässt sich zum Teil mit strukturellen Gründen erklären. So arbeiten Frauen häufiger in Branchen und Berufen, in denen schlechter bezahlt wird, und häufiger in Teilzeit oder Minijobs.

Die höhere Teilzeitquote bei Frauen führt außerdem dazu, dass sie insgesamt weniger Zeit für bezahlte Arbeit aufwenden. Im vergangenen Jahr gingen Männer im Schnitt 148 Stunden einer bezahlten Arbeit nach, Frauen nur 121 Stunden. Der sogenannte Gender Hours Gap lag so bei ebenfalls 18 Prozent.

Außerdem sind grundsätzlich weniger Frauen erwerbstätig als Männer. 2023 hatten 73 Prozent der Frauen eine bezahlte Arbeit und 80,5 Prozent der Männer. Daraus ergibt sich ein sogenannter Gender Employment Gap von neun Prozent.

Aus diesen drei Indikatoren berechnet das Statistische Bundesamt seinen Gesamtindikator für den Arbeitsmarkt. "Je höher der Gender Gap Arbeitsmarkt, desto stärker ist die Verdienstungleichheit auf dem Arbeitsmarkt ausgeprägt", erklärten die Statistiker.

In den vergangenen Jahren war die Ungleichheit in der Regel zurückgegangen. 2014 lag der Gender Gap Arbeitsmarkt noch bei 45 Prozent, 2018 waren es 42 Prozent. Angeglichen hat sich vor allem der unbereinigte Verdienstunterschied. Auch bei der Arbeitszeit gab es eine Annäherung, allerdings lag dies vor allem daran, dass die Zahl der von Männern geleisteten Arbeitsstunden zurückging, während die der Frauen nahezu konstant blieb. Bei der Erwerbstätigenquote stieg der Durchschnittswert bei Frauen stärker als bei Männern.

Der Gender Gap in Deutschland sei "auch im europäischen Vergleich sehr hoch", erklärte Bettina Kohlrausch, wissenschaftliche Direktorin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Er "reflektiert Arbeitsmarktstrukturen, die Frauen systematisch benachteiligen". Zum einen würden "weiblich konnotierte" Tätigkeiten schlechter bezahlt, "zum anderen unterbrechen und reduzieren Frauen deutlich häufiger ihre Erwerbstätigkeit, um sich um Kinder und pflegebedürftige Angehörige zu kümmern".

Das Münchener Ifo-Institut hat zudem eine deutliche Benachteiligung von Frauen bei Bonuszahlungen ermittelt. In Deutschland bekommen Frauen bei Bonuszahlungen demnach durchschnittlich 6,1 Prozent weniger, in Österreich sind es 7,2 Prozent und in der Schweiz 5,2 Prozent. In allen drei Ländern ist die geschlechtsspezifische Lohnlücke bei den Bonuszahlungen laut Ifo deutlich größer als beim Grundgehalt.

Grundlage der Untersuchung sind Daten der Unternehmensberatung Mercer. Die berechnete Lohnlücke ist "bereinigt", Faktoren wie die Beschäftigungsdauer wurden berücksichtigt. Die Daten stammen jedoch überwiegend aus größeren Firmen und sind daher nicht repräsentativ für alle Unternehmen in den drei Ländern.

Die Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern wirken sich einer Erhebung des Vergleichsportals Check24 auch auf die Aufnahme von Krediten auf. "Im Jahr 2023 zahlten Frauen im Schnitt etwa fünf Prozent mehr Zinsen als Männer", erklärte das Portal. Bei über Check24 abgeschlossenen Krediten lag der Durchschnittszinssatz für Frauen bei 7,18 Prozent und bei Männern bei 6,83 Prozent.

Bei der Rente ergibt sich nach Berechnungen des Beratungsunternehmens RentePlusImmobilie ein "Gender Pension Gap" von 42,6 Prozent. Auch wenn sich dieser geschlechterspezifische Unterschied in den vergangenen Jahren stark verkleinert hat, erhielten Frauen im vergangenen Jahr demnach weiterhin rund 400 Euro weniger Rente als Männer.

(W.Novokshonov--DTZ)

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