Deutsche Tageszeitung - Frankreich will Werbeverbot für Wegwerf-Mode durchsetzen

Frankreich will Werbeverbot für Wegwerf-Mode durchsetzen


Frankreich will Werbeverbot für Wegwerf-Mode durchsetzen
Frankreich will Werbeverbot für Wegwerf-Mode durchsetzen / Foto: © AFP/Archiv

Frankreich will ein Werbeverbot für Wegwerf-Mode durchsetzen. Die Debatte über einen entsprechenden Gesetzesvorschlag fand am Donnerstag in der Nationalversammlung statt. Im Visier sind Modemarken wie das in China gegründete Unternehmen Shein, die in raschem Wechsel immer neue Kleidungsstücke zu sehr niedrigen Preisen anbieten. "Diese niedrigen Preise gehen auf Kosten der Sozialstandards und der Umwelt", heißt es einem Bericht, der dem Gesetzesvorhaben zugrunde liegt.

Textgröße ändern:

Das Gesetz sieht eine Umweltabgabe von bis zu zehn Euro pro Kleidungsstück für Unternehmen vor, die bestimmte Standards nicht einhalten. Ein Werbeverbot solle für Unternehmen gelten, die zum Überkonsum verführen. Die Schwellenwerte, die sich nach der Zahl der angebotenen Kleidungsstücke richten, sollen allerdings erst später per Dekret festgelegt werden.

Shein biete im Schnitt täglich etwa 7200 neue Modelle an, sagte die Abgeordnete Anne-Cécile Violland, die das Gesetz auf den Weg gebracht hat. "Die Textilindustrie ist besonders umweltschädlich", erklärte sie. "Sie verursacht zehn Prozent des weltweiten Ausstoßes von Treibhausgasen", fügte sie hinzu. Violland gehört der Splitterpartei Horizons an, die zum Regierungslager zählt.

Die linke Opposition drang darauf, die Kriterien für die betroffenen Unternehmen näher festzulegen. Die rechte Opposition warnte vor einer Verzerrung des Marktes durch das Werbeverbot.

Das Unternehmen Shein kritisierte das Vorhaben. Der Gesetzentwurf "schadet vor allem denjenigen, die auf den Preis achten müssen", betonte das Unternehmen.

Die Umweltorganisation "Stop Fast Fashion" hingegen rief die Abgeordneten dazu auf, nicht nur Anbieter wie Shein ins Visier zu nehmen, sondern auch Zara und H&M sowie die Onlineplattform Amazon.

Der französische Markt wird dem parlamentarischen Bericht zufolge jährlich mit 3,3 Milliarden Kleidungsstücken überschwemmt, eine Milliarde mehr als noch vor zehn Jahren. Im Schnitt kommen auf jeden Einwohner jährlich 48 neue Kleidungsstücke. Dies führt dazu, dass Kleidung immer schneller weggeworfen wird - in zwei Dritteln der Fälle wären die Sachen jedoch noch brauchbar.

Die Berichterstatter beschreiben dies als "emotionelle Obsolenz": Die Sachen werden nur deshalb weggeworfen, weil sie ihren Besitzerinnen und Besitzern nicht mehr gefallen.

Umweltminister Christophe Béchu unterstützt den Gesetzentwurf: Frankreich werde damit "das erste Land weltweit, das die Auswüchse der Ultra-Fast-Fashion gesetzlich regelt", erklärte er.

(U.Stolizkaya--DTZ)

Empfohlen

Düngemittel-Deal: Trump will Kalisalz aus Belarus statt aus Kanada kaufen

US-Präsident Donald Trump bereitet nach eigenen Angaben ein "umfassendes" Abkommen mit Belarus über den Kauf von Kalisalz vor. "Der Preis wäre deutlich niedriger als das, was wir heute an Kanada zahlen", erklärte Trump am Montag in seinem Onlinedienst Truth Social. Dies sei eine "sehr gute Nachricht für unsere Bauern und Viehzüchter".

Zehntausende Beschäftigte protestieren gegen "Kahlschlag" in der Autoindustrie

Mit Betriebsversammlungen, Kundgebungen und Demonstrationen haben bundesweit zehntausende Beschäftigte der Automobilindustrie gegen einen "Kahlschlag" in ihrer Branche demonstriert. Die IG Metall erklärte am Montag, an dem von ihr ausgerufenen Aktionstag Autoindustrie beteiligten sich rund 175.000 Beschäftigte. IG-Metall-Chefin Christiane Benner erklärte: "Beschäftigte sind nicht länger bereit, für eine Krise zu zahlen, die sie nicht verschuldet haben."

IG Metall: 175.000 Beschäftigte beim Aktionstag Automobilindustrie

Rund 175.000 Beschäftigte in der Automobilindustrie haben nach Angaben der Gewerkschaft IG Metall am Montag an bundesweiten Aktionen gegen Stellenabbau und Werksschließungen demonstriert. Sie beteiligten sich an insgesamt rund 280 Aktionen, wie die Gewerkschaft am Montag mitteilte. IG-Metall-Chefin Christiane Benner erklärte: "Beschäftigte sind nicht länger bereit, für eine Krise zu zahlen, die sie nicht verschuldet haben."

"Trassenrabatt": Nahverkehrsunternehmen fordern Unterstützung

Analog zum Tankrabatt der Bundesregierung fordern Schienenverkehrsunternehmen einen "Trassenrabatt". Mit den 800 Millionen Euro, die der Tankrabatt pro Monat koste, könne die Finanzlücke beim Schienenpersonennahverkehr (SPNV) für zwei Jahre geschlossen werden, rechnete der Bundesverband Schienennahverkehr am Montag vor. "Vom SPNV profitieren dabei aber 2,75 Milliarden Fahrgäste pro Jahr."

Textgröße ändern: