Deutsche Tageszeitung - Verhandlungen in Ottawa: Lemke sieht Weichen für UN-Plastikabkommen gestellt

Verhandlungen in Ottawa: Lemke sieht Weichen für UN-Plastikabkommen gestellt


Verhandlungen in Ottawa: Lemke sieht Weichen für UN-Plastikabkommen gestellt
Verhandlungen in Ottawa: Lemke sieht Weichen für UN-Plastikabkommen gestellt / Foto: © AFP/Archiv

Zum Start der UN-Verhandlungen über ein Abkommen zur Reduzierung von Plastikmüll sieht Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) die Weichen für eine globale Einigung gestellt. Ein vorbereitendes Treffen von Umweltministerinnen und Umweltministern sei "mit klaren Leitplanken für ein weitreichendes globales UN-Abkommen gegen Plastikmüll" zu Ende gegangen, erklärte Lemke am Dienstag. Sie sei "zuversichtlich, dass uns mit diesem Abkommen ein Meilenstein gelingt, um die weltweite Vermüllungskrise zu lösen".

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In der kanadischen Hauptstadt Ottawa beginnen am Dienstag auf Fachebene die nächsten Verhandlungen über ein UN-Plastikabkommen. Die Gespräche, an denen rund 3500 Vertreterinnen und Vertreter von Umweltgruppen und aus der Wissenschaft sowie Lobbyisten teilnehmen, dauern bis zum 29. April. Es ist bereits die vierte Runde. Im November steht in Südkorea das vorerst letzte geplante Treffen an, dann soll das Abkommen fertig ausgehandelt sein.

Lemke befand sich in den vergangenen Tagen zu den vorbereitenden Gesprächen in Kanada. "Unser Treffen war ein sehr wichtiger Zwischenschritt", erklärte sie nun.

Riesige Mengen von Plastikmüll und Mikroplastik in den Meeren und der Natur schadeten Pflanzen, Tieren und Menschen. "Wir haben Plastik in der Luft, wir finden es im menschlichen Blut, wir finden es in der Muttermilch", sagte die Ministerin dem Bayerischen Rundfunk.

Das UN-Abkommen müsse daher "den gesamten Produktzyklus von Plastik in den Blick nehmen", forderte Lemke. Es reiche nicht, nur bestimmte Produkte wie Trinkhalme und dünne Plastiktütchen zu verbieten. Das Abkommen müsse außerdem robust und rechtsverbindlich sein und es benötige eine breite Unterstützung. Auch Industrie, Produzenten und der Handel seien in der Verantwortung.

Im Jahr 2022 hatten sich 175 Nationen verpflichtet, sich auf ein rechtlich verbindliches UN-Abkommen gegen die Plastikvermüllung von Umwelt und Meeren zu einigen. Die darauf folgenden Gesprächsrunden waren jedoch ohne durchschlagenden Erfolg geblieben. Umweltverbände pochen auf klare Vorgaben und eine Reduktion der Plastikproduktion um 75 Prozent bis 2040. Vertreter der Erdölförderländer setzen sich hingegen für Regeln ein, die den Charakter von Selbstverpflichtungen haben.

Die weltweite Plastikproduktion hat sich in den vergangenen 20 Jahren verdoppelt. Millionen Tonnen Plastik landen in der Umwelt und im Meer, oft in Form von mikroskopisch kleinen Partikeln. Wenn nichts dagegen unternommen wird, könnte sich die Plastikvermüllung bis 2060 verdreifachen.

Die Chemieindustrie unterstützt ein UN-Plastikabkommen - warnte aber vor einer "pauschalen Verteufelung von Plastik". Auch eine nachhaltige Zukunft benötige Kunststoffe, erklärte der Branchenverband VCI. Bei dem Abkommen gehe es um ein "globales Bekenntnis zur Kreislaufwirtschaft", in der Plastikprodukte wiederverwendet oder recycelt werden und nicht als Abfälle in der Umwelt landen.

Wichtig seien dabei Zielquoten für den Einsatz von recyceltem Material und die Mitfinanzierung des Aufbaus von Entsorgungssystemen durch die Hersteller, fuhr der Verband fort. Forderungen nach Zielen zur Reduktion der Neuproduktion von Kunststoffen erteilte der VCI eine Absage.

(Y.Leyard--DTZ)

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