Deutsche Tageszeitung - Globale IT-Panne legt stundenlang Airlines, Krankenhäuser und TV-Sender lahm

Globale IT-Panne legt stundenlang Airlines, Krankenhäuser und TV-Sender lahm


Globale IT-Panne legt stundenlang Airlines, Krankenhäuser und TV-Sender lahm
Globale IT-Panne legt stundenlang Airlines, Krankenhäuser und TV-Sender lahm / Foto: © ANP/AFP

Eine IT-Panne hat am Freitag weltweit Fluggesellschaften, Krankenhäuser, Fernsehsender und zahlreiche weitere Unternehmen stundenlang teils komplett lahmgelegt und so für Chaos gesorgt - auch in Deutschland. Ursache war vor allem ein fehlerhaftes Update in einem Antivirenprogramm der US-Firma Crowdstrike für Anwendungen des Microsoft-Programms Windows. Hinweise auf einen Cyberangriff gab es keine, wie unter anderem die Bundesregierung versicherte. Auch waren Privatanwender nicht betroffen.

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Die Auswirkungen der IT-Panne waren jedoch enorm. In Deutschland war am Morgen vor allem der Flughafen Berlin-Brandenburg (BER) betroffen, wo nach Angaben einer Sprecherin zeitweise nahezu keine Starts und Landungen stattfinden konnten. Am Hamburger Flughafen mussten vier Fluggesellschaften laut einer Sprecherin "bestimmte Prozesse im Check-in, die normalerweise digital laufen, von Hand" erledigen.

Das Universitätsklinikum in Schleswig-Holstein sagte wegen der IT-Panne alle aufschiebbaren Eingriffe an den beiden Standorten in Kiel und Lübeck ab. Dort blieben auch die Ambulanzen geschlossen.

Am späten Vormittag konnten am BER die Systeme dann wieder komplett hochgefahren werden. Allerdings kam es weiter zu Verspätungen, weil es einen längeren Rückstau von Flugzeugen und wartenden Passagieren gab.

Weltweit waren vor allem Fluggesellschaften waren von der Panne betroffen. Auf vielen Flughäfen ging zeitweise nichts mehr, Starts und Landungen mussten annulliert werden.

Die Probleme begannen in Australien, wo neben dem Flughafen in Sydney auch Rundfunksender und Supermarktketten IT-Probleme meldeten. In Japan berichtete McDonald's von Schwierigkeiten in einigen Filialen.

In der Schweiz musste der Flughafen Zürich zeitweise alle Landungen absagen. In den Niederlanden waren die Flughäfen Amsterdam-Schiphol und Eindhoven betroffen, die Airline KLM erklärte am Vormittag, sie habe ihren Flugbetrieb weitgehend eingestellt. Der Billigflieger Ryanair, nach Passagierzahlen größte Airline Europas, teilte mit, es gebe Probleme wegen einer "IT-Panne eines Drittanbieters".

In Spanien berichteten alle Flughäfen des Landes von Störungen an den Checkin-Schaltern aufgrund einer IT-Panne, wie der größte Airport-Betreiber Aena mitteilte. Auch in Frankreich kam es laut Air France zu Störungen. In Großbritannien war der Londoner Flughafen Heathrow betroffen. Die britische Zivilluftfahrtbehörde teilte mit, auf den Flughäfen des Landes könne es wegen der IT-Panne zu längeren Wartezeiten kommen.

In den USA erklärte die Flugaufsichtsbehörde FAA, sie habe wegen Kommunikationsproblemen alle Airlines angewiesen, "alle Flüge egal mit welchem Ziel" zu stoppen. Fluggesellschaften wie Delta, United oder American Airlines erklärten, ihre Flüge blieben vorerst am Boden. In Indien waren fünf Fluggesellschaften von IT-Problemen betroffen, auch die Flughäfen in Hongkong und Singapur berichtete von Problemen mehrerer Fluggesellschaften.

Krankenhäuser waren auch in den Niederlanden von der IT-Panne betroffen; in Großbritannien auch ein Eisenbahnunternehmen, in Polen ein Hafenterminal. Die Börse in London und die Deniz Bank in der Türkei meldeten Probleme, in Frankreich die Sender Canal+ und TF1.

Der IT-Dienstleister Crowdstrike erklärte gegen Mittag (MESZ), das Problem sei "identifiziert, isoliert" und werde aktuell behoben. Unternehmenschef George Kurtz betonte, es handle sich nicht um einen Cyberangriff. Das erklärte auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).

Das BSI erläuterte, Ursache für die Panne sei ein fehlerhaftes Update einer IT-Security-Lösung namens Falcon von Crowdstrike, das von zahlreichen weiteren IT-Diensten genutzt werde. Sie seien in der Folge ausgefallen. Privatanwender seien nicht betroffen. Darüber hinaus sei es in der Microsoft-Lösung Azure zu einem Konfigurationsfehler gekommen, der ebenfalls weltweit Auswirkungen zeige.

Der IT-Experte Sahin Albayrak von der Technischen Universität Berlin erklärte: "Heute zeigt sich erneut, dass schon ein einzelnes Update erhebliche Probleme verursachen kann." Der Ausfall am Freitag sei "ärgerlich und kostspielig, aber eines der unvermeidbaren Risiken einer digitalisierten Welt."

(P.Tomczyk--DTZ)

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