Deutsche Tageszeitung - Tiktok statt Facebook: "Ausbildungsplatz-Marketing" könnte besser sein

Tiktok statt Facebook: "Ausbildungsplatz-Marketing" könnte besser sein


Tiktok statt Facebook: "Ausbildungsplatz-Marketing" könnte besser sein
Tiktok statt Facebook: "Ausbildungsplatz-Marketing" könnte besser sein / Foto: © AFP/Archiv

Dass in Deutschland so viele Ausbildungsplätze frei bleiben, hat einer Umfrage zufolge auch damit zu tun, dass die Betriebe und die jungen Menschen oft aneinander vorbei kommunizieren. Die Mehrheit der Unternehmen (71 Prozent) informiere über Facebook über ihre Ausbildungsplätze - die jungen Menschen hingegen nutzten häufig Youtube (47 Prozent), Whatsapp (38 Prozent) und Tiktok (30 Prozent), teilte die Bertelsmann Stiftung mit. Diese Kanäle würden von Unternehmen aber deutlicher seltener genutzt.

Textgröße ändern:

"Das Ausbildungsplatz-Marketing über Social Media bietet Verbesserungspotenzial", erklärten die Studienautoren von der Bertelsmann Stiftung und vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) am Donnerstag. Unternehmen sollten ihre Kommunikation stärker an das Medienverhalten der jungen Menschen anpassen, um mehr potenzielle Bewerberinnen und Bewerber zu erreichen, empfehlen sie.

Auch bei der analogen Kommunikation lohne ein genauerer Blick: Vor allem Jugendliche mit niedriger Schulbildung nutzten Stellenanzeigen in Zeitungen oder den Aushang in Schulen häufiger als Unternehmen.

Die Befragung ergab den Angaben zufolge noch eine weitere "interessante Abweichung": Während knapp drei Viertel der Unternehmen angaben, dass für die Besetzung einer Ausbildungsstelle persönliche Kompetenzen gegenüber formalen Abschlüssen immer bedeutender würden, glaubt dies nur etwas mehr als die Hälfte der jungen Menschen. Dies sei eine große Chance: "Junge Menschen sollten selbst bei schwächeren Noten nicht auf eine Bewerbung verzichten, sondern auf ihre Stärken vertrauen", riet Clemens Wieland, Experte für berufliche Bildung bei der Bertelsmann Stiftung.

Auch Betriebsbesichtigungen, Schulkooperationen und Ausbildungsmessen finden der Umfrage zufolge viele junge Menschen wichtig - die Unternehmen bieten solche Formate aber eher selten an, auch, weil sie zu klein sind. Dirk Werner vom IW betonte, der Einsatz von ein oder zwei dieser Maßnahmen könne bereits zu mehr Bewerbungen führen.

Die Gründe für die große Ausbildungslücke in Deutschland sind vielfältig, oft passen Angebote und Nachfragen hinsichtlich Region, Beruf oder Qualifikation nicht zusammen, wie die Bertelsmann Stiftung und das IW betonten. Zuletzt blieben demnach mehr als 73.000 Lehrstellen unbesetzt, gleichzeitig fanden mehr als 63.000 junge Menschen keinen Ausbildungsplatz. Rund 44 Prozent der Unternehmen konnten ihre Ausbildungsplätze im Ausbildungsjahr 2023/2024 nur anteilig oder gar nicht besetzen.

Dennoch meint jeder vierte junge Mensch in Deutschland, es gebe zu wenig Ausbildungsplätze. Das liegt den Befragungen zufolge auch an der Kommunikation.

Die Bertelsmann Stiftung ließ im Februar und März dieses Jahr in einer repräsentativen Stichprobe 1729 junge Menschen in Deutschland im Alter zwischen 14 und 25 Jahren befragen. Das IW interviewte Personalverantwortliche in 895 Unternehmen aller Branchen mit Ausnahme des öffentlichen Dienstes; die Ergebnisse sind den Angaben zufolge repräsentativ.

(W.Uljanov--DTZ)

Empfohlen

US-Zentralbank erhöht Leitzins erstmals seit 2023 - Anstieg um 0,25 Punkte

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat den Leitzins erstmals seit gut drei Jahren erhöht. Die Fed hob den maßgeblichen Zinssatz am Mittwoch nach eigenen Angaben um 0,25 Prozentpunkte an, um die hohe Inflation einzudämmen. Der Zinssatz liegt damit nun in einer Spanne zwischen 3,75 bis 4,0 Prozent.

Wirtschaftsministerin Reiche will Spritpreise per Steuerrabatt senken

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will die hohen Spritpreise per Steuerrabatt senken. "Ein sinnvoller Ansatz wäre aus meiner Sicht eine vorübergehende Senkung der Umsatzsteuer für Kraftstoffe von 19 auf sieben Prozent", sagte Reiche am Mittwoch am Rande eines Treffens der G20-Staatengruppe in Houston im US-Bundesstaat Texas. Zudem erneuerte sie ihren Vorschlag für Direktzahlungen an Geringverdiener. Diese würden nach ihren Worten aber erst Anfang des kommenden Jahres in Kraft treten.

Bundesverwaltungsgericht weist Klage von Binz gegen LNG-Terminal ab

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat die Klage der Ostseegemeinde Binz gegen das umstrittene Flüssiggas-Terminal vor Rügen als unzulässig abgewiesen. Die Gemeinde konnte nicht nachweisen, dass sie durch das Vorhaben betroffen ist, teilte das Gericht am Mittwoch mit. In Betracht kommende Schutzobjekte - wie beplante Gebiete oder kommunale Einrichtungen des Ostseebads Binz - liegen demnach "weit außerhalb des fehlerfrei ermittelten angemessenen Sicherheitsabstands vom Betriebsbereich des LNG-Terminals". (Az. 7 A 6.25)

Forderungen nach langsamerer KI-Entwicklung werden lauter

Die Forderungen nach einer langsameren Entwicklung von Künstlicher Intelligenz sind in den USA und in Europa lauter geworden. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte am Mittwoch an, sie werde die führenden KI-Firmen zu Beratungen darüber einladen, "einen Gang zurückzuschalten". KI-Größen wie OpenAI und Anthropic hatten sich für ein Drosseln der Entwicklung ausgesprochen, US-Präsident Donald Trump und Meta-Chef Mark Zuckerberg lehnen dies hingegen ab.

Textgröße ändern: