Deutsche Tageszeitung - IG-Metall-Chefin wirft VW-Management Gefährdung des sozialen Friedens vor

IG-Metall-Chefin wirft VW-Management Gefährdung des sozialen Friedens vor


IG-Metall-Chefin wirft VW-Management Gefährdung des sozialen Friedens vor
IG-Metall-Chefin wirft VW-Management Gefährdung des sozialen Friedens vor / Foto: © AFP/Archiv

IG-Metall-Chefin Christiane Benner hat dem Volkswagen-Management vorgeworfen, im Streit um mögliche Werkschließungen und Entlassungen den sozialen Frieden in Deutschland zu gefährden. "Die VW-Verantwortlichen schüren grundlos Angst, das ist Wasser auf die Mühlen von Populisten mit ihren einfachen Lösungen", sagte Benner der "Augsburger Allgemeinen" (Donnerstag). "Ich verstehe nicht, warum VW diesen Konflikt vom Zaun gebrochen hat", fügte sie hinzu. "Das wirkt auf mich wie eine unkontrollierte Sprengung."

Textgröße ändern:

Benner kündigte entschiedenen Widerstand gegen die Pläne der Konzernführung an: "Wir werden Werksschließungen bei VW nicht akzeptieren. Und mit uns gibt es auch keine Massenentlassungen", betonte sie. "Die von VW gekündigte Beschäftigungssicherung muss wieder in Kraft gesetzt werden."

Für die Krise von VW sei der Vorstand verantwortlich. "Seit Jahren sagen wir, dass VW auch günstigere E-Autos bauen muss", argumentierte Benner. "Dass das ignoriert wird, ist ein reiner Managementfehler. Den dürfen nicht die Beschäftigten ausbaden."

Auch die vom Vorstand vorgegebenen Einsparziele seien nicht glaubwürdig, sagte die Gewerkschaftschefin. "Volkswagen hat Milliarden-Gewinne erwirtschaftet und konnte sich um die 30 Milliarden Euro an Strafzahlungen als Folge des Diesel-Skandals leisten", verdeutlichte Benner. Das habe der Konzern "weggeatmet", argumentierte sie. "Jetzt fehlen der Marke VW nach Darstellung des Managements fünf Milliarden und es soll drastische Maßnahmen geben. Wer soll denn so was nachvollziehen."

Benner sprach sich für eine Wiedereinführung der E-Auto-Prämie in einer sozialen Staffelung aus. Eine Abwrackprämie, wie sie jüngst innerhalb der SPD vorgeschlagen wurde, lehnte sie jedoch ab.

Mit Blick auf die in wenigen Wochen startende zweite Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie forderte Benner ein rasches Angebot der Arbeitgeber, um einen Arbeitskampf zu vermeiden. Sie verwies auf das Ende der Friedenspflicht Ende Oktober. "Die Stimmung unserer Belegschaften ist kämpferisch", bekräftigte sie. "Die Leute brauchen mehr Geld", stellte die IG-Metall-Chefin fest. "Ich schließe Warnstreiks nicht aus, aber wir wollen zügig verhandeln."

Benner verteidigte die Gewerkschaftsforderung nach sieben Prozent mehr Lohn, trotz der zuletzt gesunkenen Inflation. Das Preisniveau liege weiter sehr hoch und die mangelnde Konsumnachfrage schade der Konjunktur. Wohn- und Lebensmittelpreise kosteten teils ein Drittel mehr.

(P.Tomczyk--DTZ)

Empfohlen

Kreise: Wirtschaftsministerium hält Preisdeckel für Sprit und Übergewinnsteuer für "problematisch"

Aus dem Bundeswirtschaftsministerium kommen ernste Bedenken mit Blick auf die von der SPD geforderten Maßnahmen gegen die hohen Spritpreise. Sowohl ein Preisdeckel bei Kraftstoffen wie in Luxemburg als auch eine sogenannte Übergewinnsteuer seien "problematisch", hieß es am Dienstagabend aus Ministeriumskreisen.

OpenAI will KI mit Konkurrenten selbst regulieren

Das US-Technologieunternehmen OpenAI will gemeinsam mit den Konkurrenten Anthropic und Google Regeln für Künstliche Intelligenz (KI) festlegen. Dafür solle eine Selbstregulierungsorganisation geschaffen werden, erklärte OpenAI am Dienstag. Hintergrund sind Warnungen aus der Branche, die Technologie könne unkontrollierbar werden.

US-Finanzminister Bessent will chinesischen Amtskollegen treffen

US-Finanzminister Scott Bessent will am Wochenende seinen chinesischen Kollegen He Lifeng treffen. Dabei gehe es unter anderem um die US-Sanktionen gegen den Iran und dessen Verbündete, sagte Bessent am Dienstag vor US-Abgeordneten in Washington. China ist der wichtigste Handelspartner Teherans und kauft unter anderem Öl aus dem Iran. Details zu Ort und Zeit des Treffens nannte Bessent nicht.

Irak will mehr Öl nach Europa exportieren - Pipeline nach Deutschland denkbar

Der Irak will seine Ölproduktionskapazitäten deutlich ausbauen und einen bedeutenden Teil des Öls nach Europa exportieren. Ziel sei, neun bis zehn Millionen Barrel Öl täglich zu produzieren und die Kapazitäten zu "verdoppeln", sagte der irakische Regierungschef Ali al-Saidi am Dienstag nach einem Treffen mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in Berlin. "Fast die Hälfte" davon könne nach Europa und in die USA fließen. Denkbar sei auch eine Pipeline zwischen dem Irak und Deutschland.

Textgröße ändern: