Deutsche Tageszeitung - Wirtschaftsweise Schnitzer: Einwände gegen Commerzbank-Übernahme nicht überzeugend

Wirtschaftsweise Schnitzer: Einwände gegen Commerzbank-Übernahme nicht überzeugend


Wirtschaftsweise Schnitzer: Einwände gegen Commerzbank-Übernahme nicht überzeugend
Wirtschaftsweise Schnitzer: Einwände gegen Commerzbank-Übernahme nicht überzeugend / Foto: © AFP

Monika Schnitzer, Vorsitzende des Sachverständigenrats für Wirtschaft, hält die in der Debatte um eine mögliche Übernahme der Commerzbank durch die italienische Unicredit vorgebrachten Einwände für nicht überzeugen. "Grundsätzlich ist nichts dagegen einzuwenden, wenn eine deutsche Bank von einer ausländischen Bank übernommen wird", sagte die Chefin der sogenannten Wirtschaftsweisen am Montag der Nachrichtenagentur AFP. Die Bundesregierung sollte sich in der Frage heraushalten.

Textgröße ändern:

"Die im konkreten Fall von manchen vorgebrachten Einwände, damit würden Arbeitsplätze verloren gehen und deutsche mittelständische Unternehmen von ihrer Finanzierung abgeschnitten, können nicht überzeugen", führte Schnitzer aus. "Eine Steigerung der Produktivität ist angezeigt, um international stärker konkurrenzfähig zu werden. Und auch eine ausländische Bank will Geschäfte machen, also Kredite vergeben, das ist ja das Ziel der Übernahme."

Die Bundesregierung hatte vor zwei Wochen mit dem Verkauf ihrer in der Bankenkrise 2008 erworbenen Anteile an der Commerzbank begonnen. Die italienische Unicredit gab das höchste Gebot ab und kaufte darüber hinaus weitere Anteile. Eine Gesamtübernahme der zweitgrößten deutschen Bank durch die zweitgrößte italienische Bank steht nun im Raum.

Deutsche Oppositionspolitiker und die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi kritisierten diese Aussicht scharf und forderten den Bund auf, eine Übernahme zu verhindern. Auch vonseiten der Bundesregierung kam Kritik am Vorgehen der Unicredit, weil es keine Rücksprache gegeben habe. Es gebe aber weder einen Plan noch die Handhabe, gegen eine Übernahme der Commerzbank durch die Unicredit vorzugehen.

Es könne sich allerdings die Frage stellen, ob die Unicredit durch die Übernahme der Commerzbank "zu groß und zum systemischen Risiko wird", wandte die Wirtschaftsweise Schnitzer ein. "Das zu verhindern, ist aber nicht Aufgabe der deutschen Bundesregierung." Prüfen müssten dies die Europäische Zentralbank und die EU-Kommission.

(L.Barsayjeva--DTZ)

Empfohlen

"Wunderschöner Anblick": Artemis-Crew hat Hälfte der Strecke zum Mond zurückgelegt

Die Astronauten der Artemis-2-Mission haben mehr als die halbe Strecke zum Mond zurückgelegt und einen fantastischen Blick auf den Erdtrabanten wie auch die Erde. "Wir können den Mond gerade aus der Luke sehen, es ist ein wunderschöner Anblick", sagte die US-Astronautin Christina Koch am Samstagmorgen (MESZ) während einer Live-Übertragung der Nasa. Die US-Raumfahrtbehörde veröffentlichte derweil faszinierende Aufnahmen von der Erde, die von der Orion-Raumkapsel aus aufgenommen wurden.

Deutschland und weitere Länder fordern EU zu Prüfung von Übergewinnsteuer auf

Deutschland und vier andere europäische Staaten haben die EU aufgefordert, Maßnahmen für eine Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne zu prüfen. Eine solche sei bereits 2022 als Notfallreaktion auf hohe Energiepreise genutzt worden, heißt es in einem Brief an EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra, welcher der Nachrichtenagentur AFP am Samstag vorlag. "Angesichts der derzeitigen Marktverzerrungen und finanzpolitischen Zwänge" sollte die Europäische Kommission nun "zügig" ein ähnliches EU-weites Instrument ausarbeiten.

ADAC: Neue Preisregel für Tankstellen hat Preisniveau nicht reduziert

Der ADAC hat nach knapp drei Tagen ein vorläufiges negatives Fazit zu der von der Bundesregierung eingeführten Preisregel für Tankstellen gezogen. "Aus Sicht des ADAC hat die Umstellung auf das sogenannte Österreich-Modell das hohe Preisniveau nicht reduziert", erklärte der Club am Freitag. "Stattessen hat es die Entwicklung nach oben eher befördert."

DIHK: Jeder sechste Industriebetrieb verdient durch Verteidigungsindustrie

Jeder sechste Industriebetrieb in Deutschland ist nach Angaben der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) bereits in die Wertschöpfungskette der Verteidigungsindustrie eingebunden. Besonders hoch sei der Anteil mit 36 Prozent im Fahrzeugbau, zitierte die "Wirtschaftswoche" am Freitag aus einer Sonderauswertung der aktuellen DIHK-Konjunkturumfrage. Demnach sehen fast ein Drittel der befragten Industrieunternehmen Chancen für das eigene Geschäftsmodell in der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie.

Textgröße ändern: