Deutsche Tageszeitung - Verdi erwartet 1200 Beschäftigte aus ganz Deutschland zu Protest gegen Amazon

Verdi erwartet 1200 Beschäftigte aus ganz Deutschland zu Protest gegen Amazon


Verdi erwartet 1200 Beschäftigte aus ganz Deutschland zu Protest gegen Amazon
Verdi erwartet 1200 Beschäftigte aus ganz Deutschland zu Protest gegen Amazon / Foto: © GETTY IMAGES NORTH AMERICA/AFP

Zum Schnäppchentag "Black Friday" hat die Gewerkschaft Verdi die Beschäftigten des Versandhändlers Amazon in ganz Deutschland zum Streik aufgerufen. Zu einer zentralen Protestaktion am Amazon-Standort Bad Hersfeld erwartet die Gewerkschaft am Vormittag rund 1200 Streikende, wie sie am Freitag mitteilte. Auch aus den USA, Großbritannien, Schweden und Italien werden demnach Amazon-Beschäftigte bei der Kundgebung erwartet.

Textgröße ändern:

"Wir fordern für die Amazon-Beschäftigten rechtsverbindliche Tarifverträge, die Schluss machen mit einer Bezahlung nach Gutsherrenart", erklärte Silke Zimmer, bei Verdi für den Handel zuständiges Bundesvorstandsmitglied. Amazon soll demnach die Flächentarifverträge des Einzel- und Versandhandels anerkennen, dazu fordert Verdi einen Tarifvertrag für gute und gesunde Arbeit. Die Beschäftigten berichteten von einem "enormen Leistungsdruck, von einer erschöpfenden Arbeitsverdichtung und von einer Überwachung am Arbeitsplatz, die ein Klima der Angst erzeugt, insbesondere in den Logistikzentren".

Amazon verweist darauf, dass die Beschäftigten von "fairen Löhnen und guten Zusatzleistungen" profitierten. Der Einstiegslohn bei Amazon in Deutschland liege bei 15 Euro aufwärts, hinzu kämen viele Extras und etwa die Kostenübernahme für das Deutschlandticket. Der Streikaufruf hat demnach keine Auswirkungen auf die Bestellungen am Black Friday: "Kundinnen und Kunden können sich auf schnelle und zuverlässige Lieferungen ihrer Weihnachtsbestellungen verlassen", erklärte das Unternehmen.

Verdi ruft regelmäßig zum Arbeitskampf bei dem Onlinekonzern auf. In Bad Hersfeld und in Leipzig legten nach Angaben der Gewerkschaft im Mai 2013 erstmals Beschäftigte von Amazon die Arbeit nieder. Seitdem habe der US-Konzern die Löhne und Gehälter schrittweise erhöht und die Arbeitsbedingungen schrittweise verbessert. Tarifverhandlungen verweigert das Unternehmen aber beharrlich.

Der Umsatz von Amazon in Deutschland betrug im vergangenen Jahr rund 34,9 Milliarden Euro, wie Verdi unter Berufung auf die US-Börsenaufsicht erklärte. Das seien knapp zwölf Prozent mehr gewesen als im Jahr zuvor.

(U.Kabuchyn--DTZ)

Empfohlen

Förder-Aus für kleine PV-Anlagen - Reiche: Schluss mit "rundum sorglos"

Das Bundeskabinett hat die umstrittenen Energiegesetze von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) beschlossen. Vorgesehen sind unter anderem der schrittweise Wegfall der staatlichen Förderung kleiner Solaranlagen im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und Beschränkungen für den Bau neuer Windkraftanlagen in Gebieten mit überlasteten Netzen. "Wir beenden das EEG als Rundum-sorglos-Paket", sagte Reiche dazu.

Russland schreibt Telegram-Chef Durow international zur Fahndung aus

Russland hat den Chef des Onlinedienstes Telegram, Pawel Durow, international zur Fahndung ausgeschrieben. Dem Gründer des Messengerdienstes werde "Beihilfe zum Terrorismus" vorgeworfen, meldeten russische Nachrichtenagenturen am Mittwoch unter Berufung auf den russischen Geheimdienst FSB. Hintergrund seien Ermittlungen zur Rekrutierung junger Russen über Telegram für Sabotageaktivitäten durch den ukrainischen Geheimdienst. Es war zunächst unklar, ob andere Länder die Fahndung unterstützen würden.

Autobauer im Umbruch: BMW will rund 8000 Jobs abbauen

In der kriselnden deutschen Automobilindustrie will nun auch BMW seine Kosten durch den Abbau von Arbeitsplätzen senken. Bis Ende 2027 strebt der Münchener Konzern den Abbau von rund 8000 Stellen an, wie die Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch aus Unternehmenskreisen erfuhr. Demnach will BMW ab Oktober rund 40.000 seiner rund 85.000 Beschäftigten in Deutschland individuelle Abfindungsangebote unterbreiten - betroffen sind vor allem Bürojobs, nicht aber die Produktion.

Nach Anschlag in Berlin: Doppelt so viele Polizisten bei CSD in Hamburg

Nach dem mutmaßlich islamistischen Anschlag in Berlin verschärft die Hamburger Polizei vor der dortigen Großdemonstration zum Christopher Street Day (CSD) am Samstag ihre Sicherheitsmaßnahmen drastisch. "Wir werden mit rund doppelt so viel Kräften wie beim letzten Mal vor Ort sein", sagte Hamburgs Polizeipräsident Falk Schnabel am Mittwoch im Deutschlandfunk. Als "Lehre aus Berlin" würden die Beamten zudem verstärkt das Umfeld der eigentlichen Veranstaltung kontrollieren.

Textgröße ändern: