Deutsche Tageszeitung - Studie: Wohlstand in Deutschland zuletzt gestiegen - aber auch Schattenseiten

Studie: Wohlstand in Deutschland zuletzt gestiegen - aber auch Schattenseiten


Studie: Wohlstand in Deutschland zuletzt gestiegen - aber auch Schattenseiten
Studie: Wohlstand in Deutschland zuletzt gestiegen - aber auch Schattenseiten / Foto: © AFP

Der ganzheitlich berechnete Wohlstand in Deutschland ist einer Studie zufolge zuletzt gestiegen - allerdings nicht nur aus positiven Gründen. Das zeigt die am Mittwoch veröffentlichte neueste Berechnung des sogenannten Nationale Wohlfahrtsindex vom Heidelberger Institut für Interdisziplinäre Forschung (FEST). Der Index stieg demnach im vergangenen Jahr um knapp drei Prozent, obwohl die Wirtschaftsleistung leicht rückläufig war. Die Steigerung hängt demnach vor allem mit Produktionsrückgängen zusammen.

Textgröße ändern:

Der Index misste den Angaben zufolge den Wohlstand nicht anhand der Wirtschaftsleistung. Stattdessen werden unter anderem Konsumausgaben aufsummiert und viele andere Faktoren berücksichtigt, unter anderem Umwelt- und Klimabelastungen, die Verteilung der Einkommen, unbezahlte Arbeit, Unfälle und Naturkatastrophen.

Hinter dem Anstieg des Index' im Jahr 2023 stecken "nicht nur positive Trends, sondern auch die schwache wirtschaftliche Entwicklung, die gleichzeitig Jobs bedroht", erklärte die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung, die das Projekt fördert. Entscheidend seien vor allem "sinkende Umweltkosten durch rückläufigen Energieverbrauch" gewesen - dieser wiederum erkläre sich größtenteils "schlicht durch Produktionsrückgänge".

Dabei werde die Produktion - und damit die Emissionen - teilweise vermutlich nur verlagert, nämlich ins Ausland oder in die Zukunft. Wichtig für eine gelingende Transformation der Wirtschaft seien deswegen "verlässliche Rahmenbedingungen", die "darauf planbar basierende Entscheidungsprozesse" ermöglichten, heißt es in der Studie.

Der Wohlfahrtsindex liegt für die Jahre seit 1991 vor. Seit der Jahrtausendwende wuchs den Angaben zufolge das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland um etwa 28 Prozent, der Wohlfahrtsindex aber nur um neun Prozent. Hauptgrund ist laut der Böckler-Stiftung die sehr ausgeprägte Einkommensungleichheit in Deutschland.

Insgesamt sei angesichts der Daten eine Politik, "die nur das BIP im Blick hat", nicht ausreichend, bilanzierte die Stiftung. Ein breiterer Ansatz sei nötig, der ökologische Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit maßgeblich mitberücksichtigt.

(V.Sørensen--DTZ)

Empfohlen

Autobauer im Umbruch: BMW will rund 8000 Jobs abbauen

In der kriselnden deutschen Automobilindustrie will nun auch BMW seine Kosten durch den Abbau von Arbeitsplätzen senken. Bis Ende 2027 strebt der Münchener Konzern den Abbau von rund 8000 Stellen an, wie die Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch aus Unternehmenskreisen erfuhr. Demnach will BMW ab Oktober rund 40.000 seiner rund 85.000 Beschäftigten in Deutschland individuelle Abfindungsangebote unterbreiten - betroffen sind vor allem Bürojobs, nicht aber die Produktion.

Nach Anschlag in Berlin: Doppelt so viele Polizisten bei CSD in Hamburg

Nach dem mutmaßlich islamistischen Anschlag in Berlin verschärft die Hamburger Polizei vor der dortigen Großdemonstration zum Christopher Street Day (CSD) am Samstag ihre Sicherheitsmaßnahmen drastisch. "Wir werden mit rund doppelt so viel Kräften wie beim letzten Mal vor Ort sein", sagte Hamburgs Polizeipräsident Falk Schnabel am Mittwoch im Deutschlandfunk. Als "Lehre aus Berlin" würden die Beamten zudem verstärkt das Umfeld der eigentlichen Veranstaltung kontrollieren.

Industrie begrüßt umstrittene Energiegesetze von Wirtschaftsministerin Reiche

Die deutsche Industrie hat die umstrittenen Energiegesetze von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) begrüßt. "Mit der EEG-Novelle und dem Netzpaket setzt die Bundesregierung wichtige und lange überfällige Impulse für ein effizientes und wettbewerbsfähiges Energiesystem", erklärte Holger Lösch, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), am Mittwoch. Die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes und das sogenannte Netzpaket sollten später im Bundeskabinett verabschiedet werden.

Russland schreibt Telegram-Chef Durow zur internationalen Fahndung aus

Russland hat den in Frankreich lebenden Chef des Onlinedienstes Telegram, Pawel Durow, zur internationalen Fahndung ausgeschrieben. Dem Gründer des Messengerdienstes werde "Beihilfe zum Terrorismus" vorgeworfen, zitierten russische Nachrichtenagenturen am Mittwoch den russischen Geheimdienst FSB. Hintergrund seien Ermittlungen zur Ausbildung junger Russen für Sabotageaktivitäten durch den ukrainischen Geheimdienst.

Textgröße ändern: