Deutsche Tageszeitung - Senkung der Stromkosten: SPD-Generalsekretär wirft Merz "Blockadehaltung" vor

Senkung der Stromkosten: SPD-Generalsekretär wirft Merz "Blockadehaltung" vor


Senkung der Stromkosten: SPD-Generalsekretär wirft Merz "Blockadehaltung" vor
Senkung der Stromkosten: SPD-Generalsekretär wirft Merz "Blockadehaltung" vor / Foto: © AFP

SPD-Generalsekretär Matthias Miersch hat die Union im Streit um die hohen Stromkosten in Deutschland aufgefordert, einer Initiative zur Senkung der Netzentgelte zuzustimmen. Eine Deckelung "könnte sofort helfen, die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und Arbeitsplätze zu sichern", sagte Miersch am Mittwoch dem Sender ntv. Dem Unions-Kanzlerkandidaten Friedrich Merz (CDU) warf er eine "Blockadehaltung" vor.

Textgröße ändern:

Das Bundeskabinett hatte am Dienstag im Umlaufverfahren eine Initiative von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) zur Senkung der Stromkosten auf den Weg gebracht. Vorgesehen ist ein Zuschuss in Höhe von 1,3 Milliarden Euro, der Netzbetreiber und damit auch Unternehmen und Verbraucher entlasten soll. Dafür ist aber die Zustimmung des Bundestags nötig, in dem die Bundesregierung keine Mehrheit mehr hat.

Die Union ist zwar grundsätzlich für eine Entlastung, lehnt den Vorschlag aus dem Bundeswirtschaftsministerium aber ab. Dieser sei "unzureichend, unausgegoren und ungedeckt", sagte Fraktionsvize Andreas Jung dem "Handelsblatt". Die Finanzierung sei nicht geklärt. "Zudem ist unklar, wie angesichts eines Beschlusses Ende Dezember das technisch überhaupt zum Jahresbeginn umgesetzt werden könnte", sagte Jung.

Miersch kritisierte die Haltung der Union scharf. "Es ist unverantwortlich, den Schaden für die deutsche Wirtschaft bewusst in Kauf zu nehmen", sagte er ntv. Besonders die Stromkosten setzten viele Firmen unter Druck. "Hunderttausende bangen um ihre Jobs, doch Friedrich Merz will das einfach aussitzen", kritisierte Miersch.

Auch die IG Metall forderte die CDU auf, sich "nicht aus der Verantwortung" zu nehmen. Die Unternehmen der energieintensiven Industrien und die Beschäftigten dort könnten nicht warten, bis nach der Wahl eine neue Regierung steht. "Im Gegenteil: Es braucht jetzt ein klares Zeichen, dass die Politik verstanden hat und handelt", forderte der zweite Vorsitzende der Gewerkschaft, Jürgen Kerner. Dabei brauche es neben den Zuschüssen bei den Netzentgelten weitere Entlastungsschritte.

Der ehemalige Koalitionspartner von SPD und Grünen, die FDP, erteilte dem Vorhaben der Bundesregierung eine Absage. FDP-Chef Christian Lindner sagte der "Rheinischen Post", er werde sich der Initiative nicht anschließen, "höchstens in einem Gesamtkonzept". Sonst wäre es nur "Kurieren an Symptomen".

(T.W.Lukyanenko--DTZ)

Empfohlen

Nach Anschlag in Berlin: Doppelt so viele Polizisten bei CSD in Hamburg

Nach dem mutmaßlich islamistischen Anschlag in Berlin verschärft die Hamburger Polizei vor der dortigen Großdemonstration zum Christopher Street Day (CSD) am Samstag ihre Sicherheitsmaßnahmen drastisch. "Wir werden mit rund doppelt so viel Kräften wie beim letzten Mal vor Ort sein", sagte Hamburgs Polizeipräsident Falk Schnabel am Mittwoch im Deutschlandfunk. Als "Lehre aus Berlin" würden die Beamten zudem verstärkt das Umfeld der eigentlichen Veranstaltung kontrollieren.

Industrie begrüßt umstrittene Energiegesetze von Wirtschaftsministerin Reiche

Die deutsche Industrie hat die umstrittenen Energiegesetze von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) begrüßt. "Mit der EEG-Novelle und dem Netzpaket setzt die Bundesregierung wichtige und lange überfällige Impulse für ein effizientes und wettbewerbsfähiges Energiesystem", erklärte Holger Lösch, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), am Mittwoch. Die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes und das sogenannte Netzpaket sollten später im Bundeskabinett verabschiedet werden.

Russland schreibt Telegram-Chef Durow zur internationalen Fahndung aus

Russland hat den in Frankreich lebenden Chef des Onlinedienstes Telegram, Pawel Durow, zur internationalen Fahndung ausgeschrieben. Dem Gründer des Messengerdienstes werde "Beihilfe zum Terrorismus" vorgeworfen, zitierten russische Nachrichtenagenturen am Mittwoch den russischen Geheimdienst FSB. Hintergrund seien Ermittlungen zur Ausbildung junger Russen für Sabotageaktivitäten durch den ukrainischen Geheimdienst.

Verband kritisiert Unterfinanzierung von Essen in Pflegeheimen

Mehr Geld für die Verpflegung der Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen hat der Verband Deutscher Alten- und Behindertenpflege (VDAB) gefordert. "Frische und ausgewogene Ernährung ist ein wesentlicher Bestandteil guter Pflege und darf kein Sparposten sein", sagte VDAB-Bundesgeschäftsführer Thomas Knieling den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Er verwies dabei auch auf die gestiegenen Lebensmittelpreise.

Textgröße ändern: