Deutsche Tageszeitung - EU und Schweiz einigen sich auf Abkommen - Ratifizierung offen

EU und Schweiz einigen sich auf Abkommen - Ratifizierung offen


EU und Schweiz einigen sich auf Abkommen - Ratifizierung offen
EU und Schweiz einigen sich auf Abkommen - Ratifizierung offen / Foto: © POOL/AFP

Nach jahrelangem Tauziehen haben sich die Europäische Union und die Schweiz auf ein Abkommen für eine vertiefte Zusammenarbeit geeinigt. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nannte die Vereinbarung am Freitag in Bern "historisch". Die Schweizer Bundespräsidentin Viola Amherd sprach von einem "Meilenstein" für die gemeinsamen Beziehungen.

Textgröße ändern:

Mit dem Abkommen schnürten beide Seiten ein "Kraftpaket", sagte von der Leyen weiter. Bislang sind die Beziehungen zwischen der EU und der Schweiz in mehr als 120 Einzelvereinbarungen geregelt, die nun durch einen umfassenden Text ersetzt werden sollen. Dazu gehören unter anderem Regeln für das freie Reisen, die Lebensmittelsicherheit und die Gesundheit.

Von der Leyen betonte, das Abkommen stelle "gleiche Wettbewerbsbedingungen her, unabhängig davon, ob Marktteilnehmer aus der Europäischen Union oder in der Schweiz ansässig sind". Zudem garantiere es "Personen- und Arbeitnehmerfreizügigkeit für alle EU-Bürgerinnen und Bürger in der Schweiz und auch umgekehrt für die Schweizer in der Europäischen Union".

Der Schweiz ging es um einen besseren Zugang zum Binnenmarkt der EU und um Fördergelder etwa aus dem europäischen Forschungsprogramm Horizon. Im Gegenzug will sich Bern dauerhaft verpflichten, in den EU-Fonds für wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalt einzuzahlen. Die Teilnahme der Schweiz am europäischen Binnenmarkt sehe zudem "eine dynamische Angleichung der Schweizer Vorschriften an jene der EU" vor, erklärte das Bundeswirtschaftsministerium.

Die EU sei der wichtigste Handelspartner der Schweiz, das Alpenland wiederum sei für die EU bei Waren und Dienstleistungen der dritt- beziehungsweise viertgrößte Partner, unterstrich EU-Handelskommissar Maros Sefcovic. Das bilaterale Handelsvolumen betrage 550 Milliarden Euro.

Der Schweizer Außenminister Ignazio Cassis lobte das Abkommen als Möglichkeit, die Zusammenarbeit mit der EU zum Vorteil der Schweiz weiter auszubauen. "Seit 25 Jahren trägt das bilaterale Verhältnis zur EU auf erhebliche Art und Weise zum Erfolg der Schweiz bei. Damit sie weiter Vorteile bringen kann, müssen wir das Verhältnis stärken und ausbauen", sagte Cassis.

Die politische Vereinbarung muss nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums innerhalb der schweizerischen und europäischen Institutionen geprüft und umgesetzt werden. Anschließend müssen beide Seiten das Abkommen ratifizieren.

Die Schweizer Regierung teilte mit, sie hoffe auf einen offiziellen Abschluss der Verhandlungen bis zum kommenden Frühjahr. Anfang 2026 soll der Text dann dem Parlament in Bern zur Abstimmung vorgelegt werden, bevor 2027 dann die nötige Volksbefragung stattfinden kann.

"Demokratische Prozesse brauchen Zeit", sagte Amherd. "Sie sind nicht immer einfach, dafür umso legitimer." Bei dem Vorhaben stößt die Schweizer Regierung auf Gegenwind. Kritiker warnen vor niedrigeren Löhnen, wenn der Arbeitsmarkt stärker für EU-Bürgerinnen und -Bürger geöffnet wird.

Die rechtspopulistische Schweizerische Volkspartei (SVP), deren Vormacht im Parlament bei der Parlamentswahl 2023 bestätigt wurde, bezeichnet das Abkommen als "Unterwerfungsvertrag". Die Gespräche zwischen Bern und Brüssel waren wegen der Bedenken 2021 zunächst gescheitert.

(V.Korablyov--DTZ)

Empfohlen

24 Stunden in der Luft: Airbus A350 landet nach Rekordflug in Frankreich

Nach einer Rekordzeit von 24 Stunden und 24 Minuten in der Luft ist ein für extrem lange Strecken ausgebauter Airbus A350 in Frankreich gelandet. Das Flugzeug beendete am Dienstag seinen 23.076 Kilometer langen Testflug von der australischen Großstadt Melbourne nach Toulouse. Die australische Fluggesellschaft Qantas will das Flugzeug ab dem kommenden Jahr für Direktflüge nach Europa einsetzen.

Begrenzungen beim Kraftstoffverkauf in Russland vielerorts aufgehoben oder gelockert

Knapp zwei Monate nach dem Beginn von Begrenzungen beim Kraftstoffverkauf in Russland infolge ukrainischer Angriffe sind in mehreren Regionen die Beschränkungen wieder aufgehoben oder gelockert worden. Am Montag und Dienstag wurden die Maßnahmen in mindestens sieben Regionen aufgehoben oder gelockert, wie aus Angaben der Behörden und Medienberichten hervorging. Darunter waren die Hauptstadt Moskau, die zweitgrößte Metropole St. Petersburg sowie stark betroffene Regionen im Süden.

Bundesgerichtshof: Jahresentgelte für Riester-Bausparverträge unzulässig

Jahresentgelte für die Führung von Riester-Bausparverträgen sind unzulässig. Kunden würden so unangemessen benachteiligt, entschied am Dienstag der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe. Geklagt gegen die Landesbank Hessen-Thüringen hatten der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) und Verbraucherverbände. Laut vzbv können Betroffene nun Geld zurückverlangen. (Az. XI ZR 83/25)

Merz fordert "zwingend" hunderte Milliarden Euro Einsparungen beim EU-Haushalt

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat "zwingend" Einsparungen in Höhe von mehreren hundert Milliarden Euro beim nächsten Mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) der Europäischen Union gefordert. Nötig sei ein Budgetentwurf "mit Kürzungen in allen Bereichen", sagte Merz am Dienstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem irischen Premierminister Micheal Martin in Dublin. Anlass des Besuchs war die Übernahme der EU-Ratspräsidentschaft durch Irland am 1. Juli.

Textgröße ändern: