Deutsche Tageszeitung - Regierungsbericht sieht starken Anstieg von Fällen der Altersdiskriminierung

Regierungsbericht sieht starken Anstieg von Fällen der Altersdiskriminierung


Regierungsbericht sieht starken Anstieg von Fällen der Altersdiskriminierung
Regierungsbericht sieht starken Anstieg von Fällen der Altersdiskriminierung / Foto: © AFP/Archiv

Die Fälle von Altersdiskriminierung haben einem Regierungsbericht zufolge stark zugenommen. Entsprechende Anzeigen seien 2023 um 70 Prozent verglichen mit dem Vorjahr gestiegen, das sei "alarmierend" und "nicht hinnehmbar", sagte Bundesseniorenministerin Lisa Paus (Grüne) am Mittwoch in Berlin anlässlich der Vorstellung des Altersberichts der Bundesregierung. Es brauche einen "anderen Blick auf das Alter", Diskriminierungen müssten "rechtlich und gesellschaftlich bekämpft und auch geahndet werden".

Textgröße ändern:

Der Bericht zur Situation älterer Menschen in Deutschland wird einmal pro Legislatur erstellt und wurde nun zum neunten Mal vorgelegt. Diesmal wurden die Themen Vielfalt und Teilhabe älterer Menschen in den Fokus genommen. Besonders benachteiligt seien nach wie vor viele Frauen, insbesondere solche mit Migrationshintergrund, sowie auch queere Menschen, so Paus. Zugleich würden diese Gruppen in der alternden Gesellschaft "immer größer und sichtbarer", sagte die Vorsitzende der Berichtskommission, Martina Brandt.

Der Bericht verweist außerdem auf das wachsende Problem der Altersarmut und insbesondere auf die "verdeckte" oder "verschämte" Altersarmut. Demnach nehmen Schätzungen zufolge etwa 60 Prozent der eigentlich berechtigten Menschen die Grundsicherung im Alter nicht in Anspruch. Die Gründe seien vielfältig: Entweder seien den Anspruchsberechtigten die Leistungen nicht bekannt oder sie hätten Angst vor Behördengängen, sozialer Kontrolle und Rückgriffen auf das Einkommen ihrer Kinder.

Auch Scham und Angst vor Stigmatisierung spielten eine Rolle. Die "Scham vor einer Inanspruchnahme" und das "Unwissen vor den Modalitäten" müssten abgebaut werden, forderte Brandt.

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, forderte die Einrichtung von Seniorenämtern "in jeder Kommune" - denn viele Betroffene arrangierten sich oft stillschweigend mit ihrer zunehmenden Isolation. Sie bräuchten Kontakt und Angebote für Treffen.

Der Sozialverband Deutschland (SoVD) bezeichnete die Ergebnisse des Altersberichts als "beunruhigend". Niemand dürfe am Ende seines Erwerbslebens in Armut leben, sagte SoVD-Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier den Funke-Zeitungen. In die Beratungsstellen des Sozialverbands kämen vermehrt Ältere, die "finanziell am Rande stehen".

Gleichzeitig würden viele Anspruchsberechtigte weder die Grundsicherung im Alter noch das Wohngeld in Anspruch nehmen, beklagte auch Engelmeier. "Hier muss künftig offensiv beraten und aufgeklärt werden." Nötig sei zudem ein Freibetrag in der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung – "und das ohne Vorbedingungen".

(W.Uljanov--DTZ)

Empfohlen

Nach Angriff auf Pipeline in Saudi-Arabien: Irak entdeckt Drohnen-Startvorrichtung nahe Iran

Nach Drohnenangriffen auf eine wichtige Ölpipeline in Saudi-Arabien hat die irakische Armee nach Angaben aus Sicherheitskreisen Startvorrichtungen für Drohnen in der Nähe der Grenze zum Iran gefunden. Zwei Vertreter der irakischen Sicherheitsbehörden teilten der Nachrichtenagentur AFP am Samstag mit, die Startvorrichtungen für Drohnen seien in der entlegenen Region al-Tib in der südirakischen Provinz Missan entdeckt worden. Der Irak schloss daraufhin drei Grenzübergänge zu dem Nachbarland.

Seoul: Nordkorea feuert ballistische Raketen ab

Nordkorea hat nach südkoreanischen Angaben mehrere ballistische Kurzstreckenraketen in Richtung des Japanischen Meeres abgefeuert. Die Raketen seien am frühen Samstagmorgen (Ortszeit) in der Region der nordkoreanischen Stadt Wonsan gestartet und rund 250 Kilometer weit geflogen, erklärte der südkoreanische Generalstab. Südkorea und die USA hätten sich über die Raketenstarts ausgetauscht und auch Japan informiert.

Italienische Feministin und frühere EU-Kommissarin Emma Bonino ist tot

Sie galt als radikale Feministin und war eine der beliebtesten Politikerinnen ihres Landes - nun ist die Italienerin Emma Bonino im Alter von 78 Jahren gestorben. Das gab die von ihr gegründete Kleinpartei Mehr Europa am Freitag auf Facebook bekannt. Bonino kämpfte für das Recht auf Scheidung und Abtreibung und setzte sich zeitlebens für humanitäre Belange ein. Sie war Außenministerin und EU-Kommissarin. Italiens Regierungschefin Georgia Meloni und EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola würdigten die Verdienste Boninos.

Bab al-Mandab: Deutsche Reeder besorgt über Sicherheitslage im Roten Meer

Die deutschen Reeder haben sich besorgt über die Sicherheitslage für die Schifffahrt im Roten Meer gezeigt. "Mit der Einnahme der Insel Mayyun durch die mit dem Iran verbündeten Huthi wächst die Bedrohung am strategisch wichtigen Bab al-Mandab erheblich", erklärte der Verband Deutscher Reeder (VDR) am Freitag. "Für Schiffe, die die Meerenge weiterhin passieren, steigt das Risiko; für Reedereien, die das Gebiet derzeit umfahren, rückt eine Rückkehr auf die direkte Route durch das Rote Meer in noch weitere Ferne."

Textgröße ändern: