Deutsche Tageszeitung - Branchenverbände warnen vor Verpackungssteuer in weiteren Städten

Branchenverbände warnen vor Verpackungssteuer in weiteren Städten


Branchenverbände warnen vor Verpackungssteuer in weiteren Städten
Branchenverbände warnen vor Verpackungssteuer in weiteren Städten / Foto: © AFP/Archiv

Nach dem Erfolg der Tübinger Verpackungssteuer auf Einwegverpackungen und -besteck für Lebensmittel zum Mitnehmen vor dem Bundesverfassungsgericht warnen die betroffenen Branchenverbände vor der Einführung einer solchen Steuer in weiteren Städten. Zusätzliche Belastungen seien für kleine und mittelständische Unternehmen nicht stemmbar, erklärten die Verbände am Donnerstag. Bei einer Weitergabe der Kosten an die Gäste drohe ein weiterer "dramatischer" Rückgang der Besucherzahlen. Betroffen seien vor allem Restaurants und Cafés, Imbisse, Dönerläden, Einzelhandelsunternehmen und Handwerksbetriebe wie Bäckereien oder Metzgereien.

Textgröße ändern:

An dem Aufruf gegen eine kommunale Verpackungssteuer beteiligten sich der Handelsverband Deutschland, der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga), der Verband der Systemgastronomie und die Arbeitsgemeinschaft für Serviceverpackungen. Nach ihren Angaben plant Köln als erste Millionenmetropole die Einführung der Steuer, daneben weitere Kommunen und Städte in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Brandenburg. Köln rechne mit jährlichen Einnahmen von rund zehn Millionen Euro.

Angesichts der wirtschaftlichen Lage vieler Unternehmen bedeute diese zusätzliche Steuer einen "enormen finanziellen und bürokratischen Aufwand", warnte der Handelsverband. Viele Unternehmen seien im Verpackungsbereich bereits mehrfach durch verschiedene Regeln belastet, ergänzte Markus Suchert, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Systemgastronomie.

"Das Ziel von Verpackungssteuern, das Müllaufkommen zu reduzieren, steht in keinem Verhältnis zu den zusätzlichen finanziellen Belastungen und dem massiven bürokratischen Aufwand", warnte Dehoga-Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges. Die Belastungsgrenze der Branche sei erreicht.

Zudem kritisierten die Verbände, dass die Lenkungswirkung einer solchen Steuer nicht erwiesen sei. Eine Studie sei zu dem Ergebnis gekommen, dass die Müllmenge in Tübingen seit Einführung der Steuer nicht messbar weniger geworden sei. Der Geschäftsführer des Handelsverband Deutschland, Stefan Genth, rief dazu auf, gemeinsam mit den Unternehmen nach Lösungen zu suchen.

Das Bundesverfassungsgericht hatte im Januar die Rechtmäßigkeit der Tübinger Verpackungssteuer bestätigt. Sie bezwecke einen Anreiz zur Verwendung von Mehrwegsystemen und sei als "örtliche Verbrauchsteuer" zulässig, hieß es zur Begründung.

Die baden-württembergische Stadt erhebt die umstrittene Abgabe seit 2022 auf Einwegverpackungen, -geschirr und -besteck für Mitnahme-Lebensmittel, etwa Kaffeebecher, Pommes-Schalen oder Plastikbesteck. Dies soll Geld in den Haushalt bringen, vor allem aber soll die Abgabe der Vermüllung entgegenwirken und Mehrwegsysteme stärken. Je Verpackung werden 50 Cent fällig, für Besteck 20 Cent. Nach Angaben der rund 94.000 Einwohnerinnen und Einwohner zählenden Stadt liegen die Einnahmen bei etwa 800.000 Euro pro Jahr.

(P.Tomczyk--DTZ)

Empfohlen

Porsche baut 5000 Stellen ab - Audi senkt Umsatzprognose für 2026

Die Krise bei Volkswagen macht auch vor den Premiumtöchtern nicht Halt: Der Sportwagenhersteller Porsche kündigte am Montag 5000 Stellenstreichungen an, Audi senkte seine Umsatzprognose für das laufende Jahr. Die VW-Töchter leiden wie auch die Kernmarke des Konzerns unter einem wegbrechenden China-Geschäft und hohen Belastungen wegen der Zölle von US-Präsident Donald Trump.

Porsche baut bis 2035 weitere 5000 Stellen ab

Der Sportwagenhersteller Porsche baut bis 2035 weitere 5000 Arbeitsplätze ab. Der Stellenabbau werde "sozialverträglich" und mittels natürlicher Fluktuation, Altersteilzeit und Aufhebungsverträge umgesetzt, erklärte der Autobauer am Montag. Zugleich sicherte Porsche den Erhalt seiner Standorte zu und schloss betriebsbedingte Kündigungen bis 2035 aus.

China-Geschäft bricht weiter ein - Audi senkt Umsatzprognose

Vor dem Hintergrund weiter einbrechender Verkäufe in China hat der Autobauer Audi seine Umsatzprognose für 2026 gesenkt. Gerechnet wird nun mit 58 bis 63 Milliarden Euro - fünf Milliarden weniger als im Frühling erwartet, wie die Ingolstädter VW-Tochter am Montag mitteilte. Finanzchef Jürgen Rittersberger stellte weitere Sparmaßnahmen in Aussicht.

Ferien in ganz Deutschland: ADAC erwartet staureichstes Wochenende des Sommers

Für das kommende Wochenende rechnet der ADAC mit den wohl staureichsten Reisetagen der gesamten Ferienzeit. Da sich nun alle Bundesländer in den Sommerferien befinden, soll die Reisewelle am ersten August-Wochenende erfahrungsgemäß ihren Höhepunkt erreichen, wie der Automobilklub am Montag in München mitteilte. Zudem sorge der Urlaubs- und Transitverkehr aus den deutschen Nachbarländern für volle Autobahnen.

Textgröße ändern: