Deutsche Tageszeitung - Umfrage: Unternehmen wünschen sich "verlässliche Zukunftsperspektive"

Umfrage: Unternehmen wünschen sich "verlässliche Zukunftsperspektive"


Umfrage: Unternehmen wünschen sich "verlässliche Zukunftsperspektive"
Umfrage: Unternehmen wünschen sich "verlässliche Zukunftsperspektive" / Foto: © AFP

Angesichts der andauernden Konjunkturschwäche wünschen sich die Unternehmen in Deutschland von der künftigen Regierung eine "verlässliche Zukunftsperspektive". Sie bräuchten Vertrauen sowie "ihre unternehmerische Freiheit von der Politik zurück", erklärte die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK). Deutschlands Wirtschaft war 2024 das zweite Jahr in Folge geschrumpft - eine neue Prognose der staatlichen Förderbank KfW rechnet mit einem weiteren Minus in diesem Jahr.

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An der aktuellen Umfrage der DIHK beteiligten sich bundesweit rund 4000 Betriebe aus allen Branchen und Regionen und damit so viele wie noch nie, wie die Kammer am Dienstag mitteilte. 95 Prozent der Betriebe halten demnach den Abbau bürokratischer Hürden für eine der wichtigsten Aufgaben der kommenden Regierung. DIHK-Präsident Peter Adrian forderte: "Für jede neue Verpflichtung müssen mindestens zwei vorhandene gestrichen werden, besser sogar drei."

Mehr Tempo bei Planungs- und Genehmigungsverfahren fordern laut Umfrage 70 Prozent der Unternehmen. Bund und Länder hätten bereits im November 2023 einen Pakt für Beschleunigung beschlossen. "Da stehen sehr viele sinnvolle Maßnahmen drin. Die müssen jetzt in Gesetze und die Praxis", erklärte Adrian.

Zu den wichtigsten Hebeln für mehr Wachstum gehören demnach Entlastungen bei wichtigen Kosten: 63 Prozent der Betriebe wünschen sich laut DIHK-Umfrage eine Begrenzung der erheblich gestiegenen Sozialabgaben und 60 Prozent eine Unternehmenssteuerreform. Mittlerweile zahlten Betriebe in den meisten Industrie- und EU-Staaten spürbar niedrigere Steuern als in Deutschland, erklärte Adrian. Mehr als 50 Prozent der Unternehmen - in der Industrie zwei Drittel - verlangten außerdem eine Entlastung beim Strompreis.

Mit der aktuellen Energiepolitik sind die Unternehmen der Umfrage zufolge besonders unzufrieden. Zwei Drittel sind demnach der Ansicht, dass die aktuelle Gestaltung der Energiewende zu Mehrkosten im Betrieb führt und die Wettbewerbsfähigkeit des eigenen Unternehmens senkt.

Hinzu kommt: "Der Wind auf dem Weltmarkt wird rauer. Der Protektionismus nimmt weiter zu", erklärte die DIHK. Die deutsche Wirtschaft spüre das besonders, keine andere große Volkswirtschaft sei so eng in den Welthandel eingebunden, gab DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov an. "Umso wichtiger ist es, dass die Bundesregierung sich in Brüssel stärker für neue Handelsabkommen einsetzt"; das fordern laut Umfrage 81 Prozent der Unternehmen.

Deutschlands Wirtschaft war 2024 im zweiten Jahr in Folge geschrumpft, und zwar um 0,2 Prozent. Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden bestätigte am Dienstag seine vorläufige Zahlen von Ende Januar, wonach das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im vierten Quartal um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorquartal sank. Grund waren zurückgehende Exporte und Investitionen. Die Konsumausgaben dagegen nahmen leicht zu.

Die Förderbank KfW rechnet in ihrer am Dienstag vorgelegten neuen Prognose für das laufende Jahr mit einem erneuten Rückgang des BIP um preisbereinigt 0,2 Prozent. "Die deutsche Wirtschaft steckt tief in der Stagnation fest", erklärte Konjunkturexperte Klaus Borger. Der private Konsum falle als "kräftiger Impulsgeber" aus, die Unternehmen investierten nur verhalten und die Aussichten für den Export seien wegen der Zolldrohungen aus den USA "nicht rosig".

(P.Vasilyevsky--DTZ)

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