Deutsche Tageszeitung - Gewerkschaftliche Initiative kritisiert Arbeitsbedingungen für Erntehelfer

Gewerkschaftliche Initiative kritisiert Arbeitsbedingungen für Erntehelfer


Gewerkschaftliche Initiative kritisiert Arbeitsbedingungen für Erntehelfer
Gewerkschaftliche Initiative kritisiert Arbeitsbedingungen für Erntehelfer / Foto: © AFP/Archiv

Wenig Lohn, teure Unterkünfte und mangelnde Krankenversicherung: Die Initiative Faire Landarbeit hat die Arbeitsbedingungen für ausländische Saisonarbeiter in der Landwirtschaft scharf kritisiert. Im Zentrum des am Dienstag in Frankfurt veröffentlichten Jahresberichts der Gewerkschaftsinitiative stand die Unterbringung. Darüber hinaus machte das Bündnis auf Probleme bei der Arbeitszeit, der Entlohnung und das Thema sexualisierte Gewalt aufmerksam.

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"Viele Menschen aus dem Ausland leisten wieder die Ernte. Damit beginnt aber auch leider die Zeit für viele Beschäftigte, nicht menschenwürdig behandelt zu werden", erklärte die von der Gewerkschaft IG Metall und weiterer Organisationen unterstützte Initiative. So stiegen die Mieten weiter an, die angebotenen Unterkünfte würden gleichzeitig jedoch "immer schäbiger".

Häufig handle es sich um ungedämmte Metallcontainer mit abgenutzten Möbeln und durchgelegenen Matratzen, beklagte die Initiative. Sanitäre Anlagen seien häufig nicht in ausreichender Zahl vorhanden und marode. "Manchmal müssen sich sechs, zehn oder gar 14 Beschäftigte ein Zimmer teilen." Die Zustände seien insgesamt "verheerend".

Dennoch stiegen die Preise im vergangenen Jahr um zwei bis drei Euro auf 18 bis 21 Euro pro Tag für Bett und Mahlzeit. Ein Trick von Arbeitgebern sei, die Unterkünfte als eine Art Immobiliengesellschaft auszulagern. "So können die Mieten nicht vom Lohn direkt abzogen werden und müssen separat bezahlt werden", erklärte das Bündnis. Diese seien dann aber so hoch, dass am Ende unter dem Strich der gesetzliche Mindestlohn nicht eingehalten wird.

Teilweise mussten Saisonmitarbeitende bis zu zwölf Stunden auf den Feldern arbeiten, dann wiederum fielen ganze Tage aus, die nicht entlohnt wurden, hieß es weiter. Akkordarbeit, bei der nach Ertrag bezahlt wird, gestaltete sich demnach "häufig als intransparent". Die Beschäftigten hätten keine Möglichkeit, die geernteten Mengen nachzuprüfen.

Zudem wurde die Initiative immer wieder auf mögliche Fälle von sexualisierter Gewalt gegen Frauen aufmerksam gemacht. Etwa 44 Prozent der Erntehelferinnen und -helfer sind weiblich.

Kritik übte das Bündnis darüber hinaus an der Art der Krankenversicherung. Häufig würden private Gruppenversicherungen, sogenannte Erntehilfeversicherungen, abgeschlossen, die jedoch "längst nicht" das abdecken, was eine gesetzliche Krankenversicherung bietet.

Die Initiative Faire Landarbeit ging eigenen Angaben zufolge im vergangenen Jahr rund 40 Mal auf die Felder und trat dabei mit 3100 Beschäftigten in Kontakt. Die meisten Saisonkräfte kommen aus Rumänien. Aber auch Menschen aus Polen, Bulgarien, Kroatien, Ungarn, Georgien, der Ukraine, Usbekistan, der Mongolei und Indien arbeiteten auf den deutschen Feldern.

Für 2024 gibt es noch keine Gesamtzahl der Erntehelferinnen und -helfer. 2023 arbeiteten knapp 243.000 Saisonkräfte in der Landwirtschaft. Geerntet werden beispielsweise Spargel, Beeren, Gurken, Kürbisse, Äpfel und Weintrauben.

(U.Stolizkaya--DTZ)

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