Deutsche Tageszeitung - Trump neue Zölle seit Samstag teils in Kraft - Wachsende Ängste auch in den USA

Trump neue Zölle seit Samstag teils in Kraft - Wachsende Ängste auch in den USA


Trump neue Zölle seit Samstag teils in Kraft - Wachsende Ängste auch in den USA
Trump neue Zölle seit Samstag teils in Kraft - Wachsende Ängste auch in den USA / Foto: © AFP

Die von US-Präsident Donald Trump verhängten neuen Zölle auf Importe aus den meisten Staaten der Welt sind am Samstag teilweise in Kraft getreten. Es gilt nun ein genereller "Mindestsatz" von zehn Prozent für Einfuhren in die USA. Höhere Zölle für dutzende Staaten treten in einem zweiten Schritt am Mittwoch in Kraft. Die Zölle haben weltweit harte Kritik und große Sorgen ausgelöst, auch innerhalb der USA.

Textgröße ändern:

Die Aufschläge von zehn Prozent auf Importe in die USA sind seit 00.01 Uhr US-Ostküstenzeit (06.01 MESZ) fällig. Sie addieren sich zu bevor bereits bestehenden Zöllen hinzu. Für die USA strategisch wichtige Waren wie Arzneimittel, Halbleiter und Holz sind ausgenommen. Ebenfalls nicht betroffen von den neuen Abgaben sind Stahl, Aluminium und Autos, für die allerdings bereits von der Trump-Regierung verhängte Zölle von 25 Prozent gelten.

Ab Mittwoch werden dann 60 Staaten, darunter die EU, Japan und China, mit noch höheren Zöllen belegt. Für Einfuhren aus der Europäischen Union gilt dann ein genereller 20-prozentiger Aufschlag.

Für chinesische Importe sollen am Mittwoch sogar zusätzliche Zölle von 34 Prozent in Kraft treten, was mit sich mit vorherigen Aufschlägen auf China-Einfuhren dann zu 54 Prozent summiert. Peking kündigte seinerseits bereits Zusatzzölle von 34 Prozent gegen die USA an und reichte Beschwerde bei der Welthandelsorganisation (WTO) ein. Zudem drohte China, den Export von Seltenen Erden einzuschränken.

Trump wirft den internationalen Handelspartnern vor, die USA "über den Tisch zu ziehen". Er stößt sich vor allem am hohen Außenhandelsdefizit seines Landes - also daran, dass der Wert der Importe in die USA jenen der US-Exporte deutlich übersteigt.

Trumps aggressive Zollpolitik hat weltweit die Furcht vor einem großen Handelskrieg mit gravierenden Folgen für Unternehmen und Verbraucher geschürt. Auch innerhalb der USA wachsen die Ängste vor einem neuen deutlichen Anstieg der Verbraucherpreise und einer Schwächung der eigenen Wirtschaft.

Selbst innerhalb von Trumps eigener Partei werden inzwischen einzelne besorgte Stimmen laut. Der republikanische Senator Ted Cruz warnte, die neuen Zölle könnten "Arbeitsplätze kosten und Amerika weh tun".

Die Senatorin Amy Klobuchar von den oppositionellen Demokraten sagte, die Zölle würden den US-Bürgern massiv schaden. Trump "spielt mit dem Leben der Menschen (...), während er Golf spielt", kritisierte sie.

Der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom kündigte an, sein Bundesstaat wolle die Zölle umgehen. "Kalifornien ist nicht Washington DC", sagte der Demokrat in einer Videobotschaft. "Wir werden Trumps Zollkrieg nicht tatenlos zusehen", fügte der Gouverneur des mit 40 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten Bundesstaats der USA hinzu.

Der Chef der US-Notenbank Fed, Jerome Powell, warnte ebenfalls vor negativen Folgen für die US-Wirtschaft. Er rechne mit "höherer Inflation und langsamerem Wachstum" sowie steigenden Arbeitslosenzahlen. Spätestens in einem Jahr würden die vollen Auswirkungen der Zollpolitik deutlich werden, sagte Powell voraus.

Rund um den Globus stürzten in den vergangenen Tagen die Börsenkurse ab. Der US-Leitindex Dow Jones schloss am Freitag mit einem Minus von 5,5 Prozent, der S&P-Index sackte um 5,97 Prozent ab.

Die vormals letzten Male, dass sich die Stimmung an den Märkten "so abrupt geändert" habe, sei dies als Reaktion auf "äußere Ereignisse" wie die Corona-Pandemie und die Terroranschläge des 11. September 2001 geschehen, sagte der Analyst Steve Sosnick von Interactive Brokers der Nachrichtenagentur AFP. Dieses Mal liege die Ursache aber "ausschließlich" in der Politik der Trump-Regierung.

(P.Tomczyk--DTZ)

Empfohlen

Social Media: Experten übergeben Abschlussbericht zu Medienschutz an Prien

Die Vorsitzenden der Expertenkommission zum Schutz von Kindern und Jugendlichen in der digitalen Welt übergeben am Freitag ihren Abschlussbericht an Bildungs- und Familienministerin Karin Prien (CDU, 09.30 Uhr). Im Anschluss an die Übergabe findet nach einer Stellungnahme der Ministerin eine gemeinsame Diskussion mit den Vorsitzenden Nadine Schön und Olaf Köller statt. Ende Juni hatte die Kommission bereits 56 Empfehlungen für eine Gesamtstrategie vorgestellt.

Staatschef der Emirate in Berlin: Milliardeninvestitionen in Deutschland vereinbart

Beim ersten Staatsbesuch eines Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate in Deutschland sind Geschäfte in Milliardenhöhe vereinbart worden. Die Emirate wollen 40 Milliarden Euro in Deutschland investieren, wie aus einer am Donnerstag in Berlin veröffentlichten gemeinsamen Erklärung der beiden Länder hervorgeht. Der Staatschef der VAE, Scheich Mohammed bin Sajed al-Nahjan, hält sich noch bis Freitag in Deutschland auf. Neben Wirtschaftsfragen ging es bei dem Besuch auch um Außen- und Sicherheitspolitik.

Emirates fliegt künftig auch Berliner Flughafen BER an

Die Fluggesellschaft Emirates aus den Vereinigten Arabischen Emiraten bekommt zusätzliche Landerechte in Deutschland. Künftig bietet Emirates tägliche Langstreckenflüge zwischen dem Berliner Flughafen BER und Dubai an, wie der Berliner Senat am Donnerstag mitteilte. Die Vereinbarung sei Teil eines neuen Luftverkehrsabkommens. Der Staatschef der Emirate, Scheich Mohammed bin Sajed al-Nahjan, hält sich derzeit zu einem Staatsbesuch in Deutschland auf.

Steigende Preise: Europäische Zentralbank hebt Leitzins auf 2,5 Prozent an

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat zum zweiten Mal seit Beginn des Iran-Kriegs und dem daraus resultierenden Energiepreisschock die Zinsen erhöht. Der auch für Sparerinnen und Sparer wichtige Einlagenzinssatz steigt auf 2,5 Prozent, wie die EZB am Donnerstag mitteilte. Dies soll dabei helfen, die zuletzt deutlich gestiegene Inflation im Euroraum einzudämmen, könnte sich aber auch dämpfend auf das Wirtschaftswachstum auswirken.

Textgröße ändern: