Deutsche Tageszeitung - Zurück zum Reifen: Autozulieferer Continental will auch Industriegeschäft abspalten

Zurück zum Reifen: Autozulieferer Continental will auch Industriegeschäft abspalten


Zurück zum Reifen: Autozulieferer Continental will auch Industriegeschäft abspalten
Zurück zum Reifen: Autozulieferer Continental will auch Industriegeschäft abspalten / Foto: © AFP

Der Autozulieferer Continental will zurück zu seiner Vergangenheit als reiner Reifenhersteller: Nach der Automotive-Sparte mit Elektronik, Bremsen oder Bildschirmen soll nun auch die Sparte Contitech mit dem Industriegeschäft und Kunststoffprodukten abgespalten werden, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. "Continental wird ein fokussiertes globales Reifenunternehmen." Die Gewerkschaft IG BCE kündigte Widerstand an und forderte eine Beschäftigungs- und Standortsicherung.

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Der Continental-Vorstand habe die "Verselbstständigung" des Unternehmensbereichs Contitech beschlossen - nach aktuellem Stand seit ein Verkauf die "wahrscheinlichste Option", erklärte das Unternehmen. Die Verselbstständigung könnte demnach im Laufe des Jahres 2026 erfolgen.

In der Sparte sind rund 39.000 Menschen beschäftigt, der Umsatz betrug im vergangenen Jahr rund 6,4 Milliarden Euro. Unter dem Dach von Contitech ist das Industriegeschäft gebündelt mit Materialien etwa für den Bergbau oder "Bau und Heim". Dazu gehört auch das Geschäft mit Gummiprodukten für Autohersteller mit 16.000 Beschäftigten. Dieses Geschäftsfeld werde derzeit potenziellen Käufern und Partnern vorgestellt, erklärte das Unternehmen.

Die Abspaltung der größten Sparte, Automotive mit rund 92.000 Beschäftigten und einem Umsatz von 19,4 Milliarden Euro, ist bereits von Vorstand und Aufsichtsrat beschlossen; die Hauptversammlung muss am 25. April noch ihre Zustimmung geben. Diese Sparte soll an die Börse gebracht werden. Auch die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat stimmten dem Vorhaben zu. Mitbestimmung und Tarifbindung bleiben laut IG Metall erhalten.

Die geplante Trennung von Contitech dagegen verurteilte Francesco Grioli, Mitglied im Vorstand der Gewerkschaft Bergbau Chemie Energie (IG BCE) und Mitglied im Conti-Aufsichtsrat als "sozial unverantwortlich, ökonomisch waghalsig und technologisch unsinnig". Hier sollten zwei Geschäftsbereiche auseinandergerissen werden, "die seit Jahrzehnten das Herz des Traditionskonzerns bilden und die gerade am Anfang der Produktionskette eng verwoben" seien. "Die Kapitalseite treibt damit den seit Jahren grassierenden Zerschlagungswahn auf die Spitze." Die Gewerkschaft werde "entschiedenen Widerstand" leisten.

Grioli forderte eine "langfristige Beschäftigungs- und Standortsicherung". Betriebsbedingte Kündigungen seien in einem Eckpunktepapier bis Ende 2026 ausgeschlossen, betonte er. Die IG Metall erklärte, sie stehe "an der Seite der Kolleginnen und Kollegen bei Contitech". Auch die Metallerinnen und Metaller dürften nicht "auf der Strecke bleiben".

Den Plänen des Vorstands zufolge bliebe die Sparte Tires übrig - sie stellt Reifen für Pkw, Lkw, Busse und Zweiräder sowie Spezialreifen her und beschäftigt mehr als 57.000 Menschen. Der Umsatz betrug im vergangenen Jahr rund 13,9 Milliarden Euro. "Aus den Megatrends Nachhaltigkeit, Elektromobilität und Digitalisierung ergeben sich vielfältige Chancen für weiteres profitables Wachstum" dieser Sparte, erklärte Continental.

(L.Møller--DTZ)

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