Deutsche Tageszeitung - Institute senken Wachstumsprognose für 2025 drastisch auf nur noch 0,1 Prozent

Institute senken Wachstumsprognose für 2025 drastisch auf nur noch 0,1 Prozent


Institute senken Wachstumsprognose für 2025 drastisch auf nur noch 0,1 Prozent
Institute senken Wachstumsprognose für 2025 drastisch auf nur noch 0,1 Prozent / Foto: © AFP

Die führenden Wirtschaftsinstitute des Landes haben ihre Wachstumserwartungen für das laufende Jahr drastisch abgesenkt. In ihrer am Mittwoch vorgestellten Gemeinschaftsdiagnose gehen die Institute statt wie zuvor von 0,8 Prozent nur noch von 0,1 Prozent Wachstum im Jahr 2025 aus. Zu strukturellen Problemen wie dem Fachkräftemangel und ausufernder Bürokratie komme nun zudem enorme Unsicherheit wegen der US-Handelspolitik.

Textgröße ändern:

Von der neuen Bundesregierung und der Verfassungsänderung, um schuldenfinanziert die Investitionen in Verteidigung, Klimaschutz und Infrastruktur anzukurbeln, erwarten die Forschenden positive Impulse, jedoch erst "nach und nach". Demnach dürften in diesem Jahr "kaum zusätzliche Mittel für Verteidigung und Investitionen abgerufen werden". Unter anderem wegen des Investitionspakets rechnen die Institute dann im kommenden Jahr mit 1,3 Prozent Wachstum.

"Deutschland leidet nicht nur unter einer Konjunkturschwäche, sondern hat vor allem Strukturprobleme", betonten die Ökonomen und Ökonominnen. "Sie lassen sich nicht durch eine bloße Erhöhung der Staatsausgaben lösen und machen potenzialstärkende Reformen umso dringlicher." Etwa müsse das Sozialsystem an den demographischen Wandel angepasst werden, "damit die Lohnnebenkosten nicht weiter stark steigen".

Mit Blick auf die US-Zölle haben die Forschenden den möglichen Effekt der Aufschläge auf Aluminium-, Stahl- und Autoexporte in die USA beziffert. Sie könnten demnach "den Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts in diesem Jahr und im kommenden Jahr um jeweils 0,1 Prozentpunkte verringern". US-Präsident Donald Trump hatte jedoch am 2. April weitere Zölle verkündet und diese zuletzt wieder gesenkt. Auch seien die konkreten Auswirkungen von Trumps Politik schwer zu quantifizieren, "da im derzeitigen globalisierten Wirtschaftsgefüge Zollsätze noch nie so stark angehoben wurden".

"Die geopolitischen Spannungen und die protektionistische Handelspolitik der USA verschärfen die ohnehin angespannte wirtschaftliche Lage in Deutschland", erklärte Torsten Schmidt, Konjunkturchef des Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (RWI). "Zusätzlich sehen sich deutsche Unternehmen einem verstärkten internationalen Wettbewerb ausgesetzt - vor allem aus China."

(V.Sørensen--DTZ)

Empfohlen

Digitaler Raum als Gefahr und Chance für Jüngere: Experten legen Betrachtung vor

Der digitale Raum ist aus der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen nicht wegzudenken und birgt zugleich Gefahren und Chancen. Außerdem mangelt es nicht an Regeln zum Schutz von Kindern und Jugendlichen in der digitalen Welt - Probleme gibt es eher bei Umsetzung und Zuständigkeit. Das sind die wesentlichen Erkenntnisse der zu diesem Thema vom Familienministerium eingesetzten Expertenkommission, die am Montag eine erste Bestandsaufnahme präsentierte.

Ministerin Reiche lädt zu Gespräch über Kerosinversorgung

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) spricht am Montag mit Vertreterinnen und Vertretern der Luftverkehrsbranche über einen möglichen Kerosinmangel in Deutschland infolge des Iran-Kriegs. Zu dem - teils virtuellen - Treffen am frühen Nachmittag eingeladen sind laut Reiches Ministerium Versorger, Flughäfen, Fluggesellschaften und Verbände. Auch ein Staatssekretär des Bundesverkehrsministeriums ist dabei.

Trump: US-Kriegsschiff greift iranischen Frachter im Golf von Oman an

Die US-Marine hat nach Angaben von Präsident Donald Trump ein iranisches Frachtschiff im Golf von Oman beschossen und unter ihre Kontrolle gebracht. Das Schiff habe versucht, die von den USA errichtete Blockade iranischer Häfen in der Straße von Hormus zu umgehen, schrieb Trump am Sonntag in seinem Onlinedienst Truth Social.

Merz hält bei Eröffnung der Hannover Messe Plädoyer für Standort Deutschland

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat zur Eröffnung der Hannover Messe ein Plädoyer für den Standort Deutschland gehalten und zugleich auf "strukturelle" Defizite hingewiesen. "Als Europas größte Volkswirtschaft und drittgrößte Volkswirtschaft der Welt stellt Deutschland einen unverzichtbaren Markt für jedes Unternehmen dar", sagte Merz in seiner Rede am Sonntag. Deutschland sei "das wichtigste Tor zum europäischen Binnenmarkt". Investitionen in Deutschland seien "sicher und sie sind wirtschaftlich attraktiv". Zugleich sei klar: "Es geht noch besser. Und es muss auch noch besser geben."

Textgröße ändern: