Deutsche Tageszeitung - Trump setzt auf umstrittenen Tiefseebergbau - Scharfe Kritik aus China

Trump setzt auf umstrittenen Tiefseebergbau - Scharfe Kritik aus China


Trump setzt auf umstrittenen Tiefseebergbau - Scharfe Kritik aus China
Trump setzt auf umstrittenen Tiefseebergbau - Scharfe Kritik aus China / Foto: © National Oceanography Centre / Smartex project (NERC)/AFP/Archiv

Die USA unter Präsident Donald Trump wollen den wegen Umweltbedenken umstrittenen Tiefseebergbau ausweiten. Trump unterzeichnete am Donnerstag ein Dekret, welches das Schürfen nach wichtigen Metallen wie Nickel und Kobalt in US- und internationalen Gewässern ermöglichen soll. Die US-Wirtschaft könne so auf Milliarden Tonnen wertvoller Mineralien hoffen, erklärte das Weiße Haus. Die USA wenden sich damit gegen eine UN-Initiative für ein internationales Regelwerk für den Tiefseebergbau. Scharfe Kritik kam umgehend aus China.

Textgröße ändern:

Bergbaukonzerne drängen seit langem darauf, wertvolle Mineralien am Meeresgrund abzubauen. Kupfer, Eisen oder auch Seltene Erden lagern sich dort in Form sogenannter Manganknollen ab. Ihr kommerzieller Abbau steckt technologisch noch in den Kinderschuhen, wegen der wachsenden Bedeutung der Rohstoffe preschen manche Unternehmen jedoch vor.

Hinzu kommt die geopolitische Rivalität zwischen den USA und China. Die Volksrepublik dominiert bei wertvollen Stoffen wie Seltenen Erden den Weltmarkt - ein wunder Punkt für die USA. Es gehe darum, "Chinas wachsendem Einfluss auf die Bodenschätze am Meeresboden entgegenzuwirken", erklärte das Weiße Haus mit Blick auf das nun unterzeichnete Dekret.

Umweltverbände warnen, dass die Verfahren erhebliche ökologische Schäden verursachen können. "Die Beschleunigung des Tiefseebergbaus ist eine sich anbahnende Umweltkatastrophe", erklärte Emily Jeffers, Anwältin beim Center for Biological Diversity. "Trump versucht, eines der empfindlichsten und am wenigsten verstandenen Ökosysteme der Erde für eine rücksichtslose industrielle Ausbeutung zu öffnen."

Die UN-Organisation ISA bemüht sich bereits seit den 90er Jahren, ein Regelwerk für den Tiefseebergbau auszuarbeiten und dabei das wirtschaftliche Potenzial gegen Warnungen vor irreversiblen Umweltschäden abzuwägen. Regierungen und Unternehmen hatten sich deshalb bisher weitgehend mit konkreten Vorstößen zurückgehalten.

Die USA haben das internationale Abkommen, dass der ISA die entsprechende Zuständigkeit überträgt, nicht ratifiziert. Trump will, dass sein Land eine "globale Führungsrolle" bei der Erforschung des Meeresbodens übernimmt. Seine Regierung stützt sich laut einem Bericht der "New York Times" auf ein Gesetz aus dem Jahr 1980, das die Bundesregierung ermächtigt, Genehmigungen für den Abbau von Bodenschätzen in internationalen Gewässern zu erteilen.

Das am Donnerstag unterzeichnete Dekret löste in Peking Verärgerung aus. China besitzt mehr Explorationslizenzen als jedes andere Land, betreibt aber in Erwartung der ISA-Bestimmungen bislang keinen Tiefseebergbau. "Kein Land sollte die Internationale Meeresbodenbehörde und internationales Recht umgehen und willkürlich Explorations- und Erschließungsaktivitäten genehmigen", sagte ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums am Freitag.

Privatfirmen hoffen bereits auf die USA. Das kanadische Unternehmen The Metals Company hatte sich jahrelang um eine Abbaulizenz im UN-Rahmen bemüht, änderte in diesem Jahr jedoch seine Strategie und setzt nun auf eine US-Genehmigung, um die ISA zu umgehen. In der vergangenen Woche stellte auch das US-Unternehmen Impossible Metals unter Umgehung der ISA in den USA einen Antrag, um perspektivisch in der Nähe des US-Territoriums Amerikanisch-Samoa im Pazifik Tiefseebergbau zu betreiben.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace warf Trump vor, die Tiefsee "mit Partnern wie The Metals Company in den Wilden Westen" zu verwandeln. "Trotz weltweitem Widerstand plant die US-Regierung mit Tiefseebergbau zu beginnen - und nimmt sich damit das Recht heraus, den letzten unberührten Lebensraum der Erde zu zerstören." Greenpeace forderte die Bundesregierung auf, sich bei der nächsten ISA-Verhandlung im Juli für ein globales Moratorium für Tiefseebergbau einzusetzen.

(N.Loginovsky--DTZ)

Empfohlen

Meghan gibt Teilnahme an beliebter australischer Koch-Show bekannt

Prinz Harrys Ehefrau Meghan Markle hat sich nach eigenen Angaben zu einem Gastauftritt in der beliebten Koch-Show Junior MasterChef Australia bereiterklärt. "Als man an mich herantrat, ob ich zurückkehren und mit diesen jungen Talenten arbeiten wolle, habe ich sofort zugesagt", teilte die Herzogin von Sussex am Dienstag mit.

EU stellt Pläne für "Abschiebeagentur" Frontex vor

Die EU stellt am Dienstag ihre Pläne für den Ausbau der europäischen Grenzschutzagentur Frontex vor. Nach Aussagen von EU-Innenkommissar Magnus Brunner zielt der neue Gesetzesvorschlag darauf ab, Frontex zu einer "zentralen EU-Abschiebeagentur" zu machen. Allgemein soll die EU-Behörde "breiter und stärker" aufgestellt werden, erklärte Brunner. Frontex ist aktuell primär für den Schutz der EU-Außengrenzen zuständig.

Steinmeier beginnt mehrtägige China-Reise mit Besuch von VW-Entwicklungszentrum

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier beginnt am Dienstag einen Staatsbesuch in China. Erste Station der mehrtägigen Reise ist die ostchinesische Provinz Anhui, wo Steinmeier unter anderem ein Entwicklungszentrum des Autobauers VW in der Stadt Hefei besichtigt. Nach einem Besuch des Unesco-Weltkulturerbe-Dorfes Hongcun reist Steinmeier am Mittwochabend nach Peking weiter. In der Hauptstadt trifft der Bundespräsident am Freitag die chinesische Staatsführung und führt Gespräche mit Ministerpräsident Li Qiang und Staatspräsident Xi Jinping.

Tödlicher Schusswaffenangriff bei Paris: Verdächtiger bestreitet rassistisches Motiv

Nach dem tödlichen Schusswaffenangriff in zwei Pariser Vorstädten hat der mutmaßliche Täter ein rassistisches Motiv bestritten. Der 39-jährige Kevin T. bestreite nicht die Tat selbst, wohl aber deren rassistischen Charakter, sagte der französische Anti-Terror-Staatsanwalt Olivier Christen am Montag. Nach einer vorübergehenden Einweisung in die Psychiatrie wurde der Verdächtige erneut in Polizeigewahrsam genommen.

Textgröße ändern: