Deutsche Tageszeitung - Strom in Spanien zu 60 Prozent wieder hergestellt - Ausfall-Ursache weiter unklar

Strom in Spanien zu 60 Prozent wieder hergestellt - Ausfall-Ursache weiter unklar


Strom in Spanien zu 60 Prozent wieder hergestellt - Ausfall-Ursache weiter unklar
Strom in Spanien zu 60 Prozent wieder hergestellt - Ausfall-Ursache weiter unklar / Foto: © AFP

Nach dem massiven Stromausfall in Spanien und Portugal ist die Energieversorgung in beiden Ländern nach Angaben der Netzbetreiber zum großen Teil wieder hergestellt worden. Wie der spanische Netzbetreiber REE am Dienstag kurz nach Mitternacht mitteilte, waren mehr als 60 Prozent der Stromversorgung auf dem spanischen Festland am Montagabend wieder hergestellt. In Madrid und Lissabon gingen in der Nacht zu Dienstag allmählich wieder die Lichter an. Die Ursache für den Stromausfall auf der iberischen Halbinsel war zunächst aber weiter unklar.

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In den Onlinenetzwerken kursierten den ganzen Tag über Gerüchte über einen möglichen Cyberangriff. Der aus Portugal stammende EU-Ratspräsident António Costa hatte zuvor im Onlinedienst X erklärt, dass es derzeit keine Hinweise auf einen Cyberangriff gebe.

Portugals Regierungschef Luís Montenegro verortete die Ursachen des Blackouts später im Nachbarland Spanien. Ihm zufolge ist der Ursprung des Stromausfalls "wahrscheinlich in Spanien" zu finden. Der portugiesische Ministerpräsident sprach am Montagabend vor Journalisten von einer "ernsten und beispiellosen" Situation.

Montenegro bestätigte zudem, dass der Strom in Portugal landesweit "in den nächsten Stunden" wiederhergestellt werden sollte. Der portugiesische Betreiber REN hatte zuvor mitgeteilt, dass bis Montagabend rund 750.000 von 6,5 Millionen Anschlüssen wieder an die Versorgung angeschlossen worden seien. Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten, dass am Abend auch in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon die Stromversorgung wieder hergestellt wurde.

Auch in Spanien war es laut Regierungschef Sánchez das Ziel, die Stromversorgung "über Nacht" wiederherzustellen. Zu diesem Zweck werde die Energieversorgung auch durch Stromlieferungen aus Frankreich und Marokko unterstützt, sagte Sánchez in einer Fernsehansprache am Montagabend.

Wann genau die Stromversorgung in seinem Land wieder vollständig hergestellt sein würde, ließ Spaniens Ministerpräsident zunächst offen. Zudem verwies er darauf, dass einige Menschen womöglich auch am Dienstag nicht in der Lage sein würden zu arbeiten.

Zudem bekräftigte Sánchez, dass weiterhin "keine Hypothese" zu den Ursachen ausgeschlossen werde. Alle potenziellen Ursachen würden analysiert, sagte er am Montagabend vor Journalisten. Aufgrund der Gefahr möglicher "Falschinformationen" warnte er die Öffentlichkeit vor "Spekulationen".

Der massive Stromausfall auf der iberischen Halbinsel hatte am Montagmittag begonnen. In ganz Spanien und Portugal sowie in Südwestfrankreich war zu diesem Zeitpunkt aus bisher ungeklärten Gründen der Strom ausgefallen. Sánchez sagte, dass etwa 15 Gigawatt Strom - und damit mehr als die Hälfte des zu diesem Zeitpunkt verbrauchten Stroms - innerhalb von fünf Sekunden "plötzlich verschwunden" seien.

Millionen Menschen waren nach Angaben der Netzbetreiber betroffen. Später wurde die Stromversorgung in Teilen Nord-, Süd- und Westspaniens wieder hergestellt.

Kurzzeitig war am Montag auch Marokko betroffen - dort kam es den Behörden zufolge zu Störungen bei einigen Internetanbietern sowie bei den Abfertigungssystemen der Flughäfen. Wie die europäische Flugaufsicht Eurocontrol mitteilte, wurde durch den massiven Stromausfall der Flugverkehr von und nach Madrid, Barcelona und Lissabon unterbrochen.

In Madrid und Barcelona rannten am Montag viele Menschen auf die Straßen und reckten auf der Suche nach Empfang ihre Handys in die Luft, wie AFP-Reporter berichteten. Ampeln funktionierten nicht mehr, Polizisten versuchten den Verkehr zu regeln, Autos waren zum Langsamfahren gezwungen. Vor den Geldautomaten bildeten sich lange Schlangen.

Auch Internet-Netzwerke funktionierten nicht mehr und Menschen blieben in Fahrstühlen stecken, wie spanische Medien berichteten. Allein in Madrid wurden nach Angaben der Regionalbehörden 286 Rettungsaktionen ausgeführt, um in Aufzügen eingeschlossene Menschen zu befreien.

Die spanische Straßenverkehrsbehörde DGT rief Autofahrer auf, gar nicht erst loszufahren. Der Blackout habe auch "zur Unterbrechung des Eisenbahnverkehrs im gesamten Netz geführt", teilte der spanische Schienennetz-Betreiber Adif bei X mit.

Rund zehn Stunden nach dem Stromausfall waren in Spanien nach Angaben des Verkehrsministeriums noch elf Züge mit Passagieren an Bord gestrandet. Diese Züge müssten noch versorgt werden, erklärte Verkehrsminister Oscar Puente am Montagabend bei X. Die Leitstelle am Bahnhof Madrid-Atocha sei soeben wieder ans Netz angeschlossen worden.

Die Bahnhöfe in Madrid, Barcelona, Bilbao, Valencia, Sevilla und vier weiteren Großstädten sollten den Behörden zufolge zudem die ganze Nacht geöffnet bleiben, damit die gestrandeten Fahrgäste dort schlafen konnten.

Unterdessen teilte der französische Stromnetzbetreiber RTE mit, dass Frankreich den beiden betroffenen Ländern am Montagabend "bis zu 2000 Megawatt" Strom geliefert habe. Gegen Abend habe Frankreich seine Hilfe für das Nachbarland Spanien über die Stromleitungen erhöht, "die Katalonien und das spanische Baskenland von Frankreich aus versorgen", hieß es in einer Erklärung. Laut RTE waren Haushalte im französischen Baskenland "einige Minuten lang" von dem Stromausfall betroffen.

(W.Budayev--DTZ)

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