Deutsche Tageszeitung - Erster Koalitionsausschuss am Mittwoch - Ringen um Prioritäten bis zum Sommer

Erster Koalitionsausschuss am Mittwoch - Ringen um Prioritäten bis zum Sommer


Erster Koalitionsausschuss am Mittwoch - Ringen um Prioritäten bis zum Sommer
Erster Koalitionsausschuss am Mittwoch - Ringen um Prioritäten bis zum Sommer / Foto: © AFP

Erstmals seit Amtsantritt der schwarz-roten Regierung Anfang Mai kommt am Mittwoch der Koalitionsausschuss zusammen. Die Spitzen von CDU, CSU und SPD wollen bei dem Treffen am Nachmittag im Kanzleramt insbesondere Prioritäten für ihre Arbeit bis zur Sommerpause festlegen. Einiges ist dabei noch umstritten - sei es inhaltlich oder von der Dringlichkeit her. Widerstand gegen einige Vorhaben kommt auch aus den Bundesländern.

Textgröße ändern:

Im Koalitionsausschuss sollten die Vorhaben bis zum Sommer geplant sowie die internationale Lage besprochen werden, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP aus der CDU. Priorität hätten dabei "Maßnahmen für mehr Wachstum und weniger Migration, wie sie im Koalitionsvertrag vereinbart wurden".

Genannt wurden dabei konkret die Aussetzung des Familiennachzugs für subsidiär Schutzberechtigte und die Abschaffung der "Turbo-Einbürgerung", für die Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) bereits am Mittwochvormittag Gesetzentwürfe ins Kabinett einbringen wollte. Wichtig ist der CDU zur Ankurbelung des Wachstums der "Investionsbooster" mit höheren Abschreibungen für Investitionen von Unternehmen, "die Senkung der Körperschaftsteuer sowie die Aufhebung des deutschen Lieferkettengesetzes".

Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) nannte auch den Umbau des Bürgergelds als eine der Prioritäten. "Wir schaffen das Bürgergeld ab", sagte er der "Bild"-Zeitung vom Dienstag. "Die Gesetzgebung muss vor der Sommerpause starten." Spahn ließ aber den konkreten Starttermin für die neue Grundsicherung offen. Er betonte, "die praktische Umsetzung braucht Zeit".

Anders als bei der Union stehen bei der SPD Migrationsvorhaben nicht an erster Stelle. "Wirtschaft ankurbeln, Investitionsbooster, um Arbeitsplätze zu sichern", seien wichtige Vorhaben, hieß es aus Parteikreisen. Auch das Vorhaben, das 500 Milliarden Euro schwere Sondervermögen für Investitionen in ein Gesetz zu gießen, müsse schnell erfolgen. Weiter genannt wurden die Verlängerung der Mietpreisbremse, für die es gleichfalls am Mittwoch bereits einen Gesetzentwurf im Kabinett geben sollte, sowie das Rentenpaket und das Tariftreuegesetz.

Beginnen sollen das Treffen um 16.30 Uhr im Kanzleramt. Für die CDU nehmen Bundeskanzler Friedrich Merz, Unionsfraktionschef Jens Spahn und Generalsekretär Carsten Linnemann teil. Die CSU schickt Parteichef Markus Söder, Innenminister Alexander Dobrindt und Landesgruppenchef Alexander Hoffmann. Für die SPD nehmen die beiden Parteivorsitzenden Lars Klingbeil und Saskia Esken sowie Fraktionschef Matthias Miersch teil. Als sogenannte Notetaker sind zudem Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU) sowie Finanzstaatssekretär Björn Böhning (SPD) dabei.

Merz hatte vor seiner Wahl zum Kanzler im April angekündigt, er wolle schnell erste Reformen umsetzen. Ziel sei es, "bis zum Sommer eine Stimmungswende" in der Bevölkerung zu erzeugen.

Doch schon in den ersten Wochen hatte es eine Reihe von Konfliktpunkten gegeben. Für Irritationen bei der Union sorgten Äußerungen von Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) zu Rente und Arbeitszeiten. Zudem schwelt ein Konflikt bei der Erhöhung des Mindestlohns auf 15 Euro. Die Union pocht hier auf die freie Entscheidung der Mindestlohnkommission der Tarifpartner, die SPD liebäugelt notfalls mit einer Erhöhung durch die Politik.

Für Ärger bei der SPD sorgte zudem die Ankündigung von Kanzler Merz bei seinem Antrittsbesuch in Brüssel, er wolle auch das europäische Lieferkettengesetz abschaffen - und nicht nur das deutsche.

Bei den Bundesländern, die Gesetzesvorhaben vielfach zustimmen müssen, formiert sich unterdessen gegen zwei zentrale Steuervorhaben von Schwarz-Rot Widerstand. Die "Süddeutsche Zeitung" nannte unter Berufung auf eine Umfrage bei den 16 Ländern die geplante Erhöhung der Pendlerpauschale und die ebenfalls vorgesehene Senkung der Mehrwertsteuer in der Gastronomie. Denn die Länder müssten dabei einen erheblichen Teil der Steuerausfälle durch die Vorhaben tragen. Sie verlangen deshalb, dass der Bund die Kosten dafür allein übernimmt.

(Y.Ignatiev--DTZ)

Empfohlen

KI-Unternehmen Anthropic warnt in Börsenprospekt vor Risiken

Der US-Konzern für Künstliche Intelligenz (KI), Anthropic, hat seinen mit Spannung erwarteten Börsenprospekt veröffentlicht. Das Unternehmen mit Sitz in San Francisco warnt mögliche Anleger darin vor den Risiken von KI. Nach den am Montag von der Börsenaufsicht SEC veröffentlichten Unterlagen wies Anthropic zuletzt unter dem Strich einen Milliardenverlust aus.

Ab 1. Januar: Berliner Taxifahrer dürfen nicht mehr am BER warten

Taxifahrer aus Berlin dürfen ab dem 1. Januar 2027 nicht mehr am Flughafen Berlin-Brandenburg (BER) auf Fahrgäste warten. Eine entsprechende Vereinbarung, die seit 2020 bestand, wurde vom Brandenburger Landkreis Dahme-Spreewald zum 31. Dezember dieses Jahres gekündigt, wie die Berliner Senatsverkehrsverwaltung am Montag mitteilte. Der BER liegt auf Brandenburger Territorium. Die Taxis vor Ort sollen künftig ausschließlich von Unternehmen aus der Gemeinde Schönefeld gestellt werden, wie diese mitteilte.

Thüringen: Früherer Ministerpräsident Josef Duchac gestorben

Der frühere Thüringer Ministerpräsident Josef Duchac ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Der CDU-Politiker erlag am vergangenen Freitag einer langen schweren Krankheit, wie die Staatskanzlei in Erfurt am Montag erklärte. Duchac war der erste Ministerpräsident Thüringens nach der Wiedervereinigung und führte von Dezember 1990 bis Februar 1992 die Landesregierung.

"Peinlich": Auftritt von Audi-Chef Döllner in den USA schlägt weiter hohe Wellen

Die Kritik am Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner an der Seite von US-Präsident Donald Trump reißt nicht ab. IG-Metall-Chefin Christiane Benner bezeichnete den Auftritt am Montag als "politisch inakzeptabel". Döllner habe "eklatant" die eigenen Unternehmensregeln verletzt, die ausdrücklich politische Neutralität im Vorfeld von Wahlen verordnen. Neben der Arbeitnehmerseite rügten auch Politikerinnen und Politiker von CDU, SPD, Grünen und Linken den Audi-Chef.

Textgröße ändern: