Deutsche Tageszeitung - Aktivisten: Regierungskräfte in Syrien richten Zivilisten der drusischen Minderheit hin

Aktivisten: Regierungskräfte in Syrien richten Zivilisten der drusischen Minderheit hin


Aktivisten: Regierungskräfte in Syrien richten Zivilisten der drusischen Minderheit hin
Aktivisten: Regierungskräfte in Syrien richten Zivilisten der drusischen Minderheit hin / Foto: © AFP

Im eskalierenden Konflikt zwischen unterschiedlichen Volksgruppen in Syrien haben Aktivisten den Regierungstruppen die "Hinrichtung" von Zivilisten vorgeworfen. Kräfte des Verteidigungs- und des Innenministeriums und mit ihnen verbündete Kämpfer hätten am Dienstag in der im Süden gelegenen Provinzhauptstadt Suwaida 19 Zivilisten der religiösen Minderheit der Drusen exekutiert, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Israel, das als Schutzmacht der Drusen auftritt, flog erneut Angriffe gegen Militärfahrzeuge der syrischen Regierungstruppen.

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In einem Gästehaus im mehrheitlich von Drusen bewohnten Suwaida hätten Regierungstruppen zwölf Zivilisten exekutiert, teilte die Beobachtungsstelle weiter mit. Eine Videoaufnahme, deren Echtheit nicht überprüft werden konnte, zeigt mindestens zehn blutüberströmte Menschen in Zivilkleidung, auf dem Boden liegen zerstörte Möbel und Bilder von drusischen Würdenträgern.

In einem weiteren Gästehaus im Dorf Thaala tötete laut der Beobachtungsstelle eine mit Syriens islamistischer Regierung verbündete bewaffnete Gruppe weitere vier drusische Zivilisten, unter ihnen eine Frau. In der Ortschaft al-Bascha habe eine andere regierungstreue bewaffnete Gruppe drei erwachsene Brüder vor den Augen ihrer Mutter erschossen.

Vor den nun gemeldeten Vorfällen mit 19 Toten hatte die Beobachtungsstelle von 116 Toten seit Beginn der Kämpfe am Sonntag gesprochen: 64 Drusen, 18 Beduinen und 34 regierungstreue Kräfte. Die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle bezieht ihre Informationen von einem Netzwerk von Aktivisten vor Ort. Ihre Angaben können oft nicht unabhängig überprüft werden. Die syrischen Behörden äußerten sich zunächst nicht zu den Anschuldigungen.

Ein AFP-Reporter berichtete aus Suwaida von Leichen auf dem Boden und Schüssen. Ein Einwohner der Stadt sprach in einem Telefonat mit AFP von "Hinrichtungen" und niedergebrannten Häusern und Geschäften. Der Chefredakteur der lokalen Nachrichtenwebsite "Suwayda 24", Rayan Maaruf, sprach von "Dutzenden" getöteten Zivilisten.

Die Kämpfe zwischen Drusen und sunnitischen Beduinen waren am Sonntag entflammt, die islamistische Regierung in Damaskus schickte daraufhin am Montag Regierungskräfte in die Provinz Suwaida. Am Dienstagmorgen rückten die Regierungstruppen in die gleichnamige Provinzhauptstadt ein, darunter auch in zivil gekleidete Kämpfer. Kurz danach eskalierte die Gewalt. Die syrische Regierung erklärte, sie wolle mit ihrem Vorstoß die Lage in der überwiegend von Drusen bewohnten Stadt stabilisieren.

Israel griff am Dienstag Militärfahrzeuge von Regierungstruppen in der Stadt Suwaida an und erklärte, dadurch sollten die Drusen vor Angriffen des "syrischen Regimes" geschützt werden. Außerdem gehe es darum, "die Entmilitarisierung des Gebiets an unserer Grenze zu Syrien sicherzustellen", erklärten Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz gemeinsam.

Die israelische Armee hatte bereits am Montag Panzer der syrischen Regierungskräfte in der Provinz Suweida angegriffen - nach eigenen Angaben ebenfalls zum Schutz der Drusen. Israel tritt seit dem Sturz von Syriens Langzeitmachthaber Baschar al-Assad im Dezember durch islamistische Milizen als Schutzmacht für die Drusen in Syrien auf.

Angehörige der im 11. Jahrhundert aus dem schiitischen Islam hervorgegangenen religiösen Minderheit leben auch in Israel sowie auf den von Israel besetzten Golanhöhen in Syrien. Anders als andere arabische Israelis dienen Drusen auch in der israelischen Armee.

Das syrische Außenministerium erklärte, bei "heimtückischen" Angriffen Israels seien mehrere Soldaten und andere Sicherheitskräfte, aber auch "unschuldige Zivilisten" getötet worden. Syrien machte Israel für die daraus erwachsenden "Konsequenzen" verantwortlich und verwies auf sein Recht auf Selbstverteidigung.

Der US-Sondergesandte für Syrien, Tom Barrack, nannte die Auseinandersetzungen "besorgniserregend". Die US-Regierung bemühe sich um eine friedliche Beilegung des Konflikts, welche die Interessen aller Seiten berücksichtige, erklärte er im Onlinedienst X.

Zwischen sunnitischen Beduinen und der Minderheit der Drusen in Suweida gibt es schon seit langer Zeit Konflikte, die immer wieder in Gewalt münden. Mitglieder der sunnitischen Beduinenstämme hatten laut Beobachtungsstelle bei früheren Auseinandersetzungen auf der Seite der syrischen Sicherheitskräfte gekämpft.

Im April und Mai waren bei Gefechten zwischen Anhängern der neuen islamistischen Regierung in Damaskus und den Drusen dutzende Menschen getötet worden.

Seit dem Sturz von Assad hat die Sorge um die Rechte und die Sicherheit von Minderheiten in dem Land zugenommen. Im März waren bei Massakern in den vorwiegend von Angehörigen der Alawiten bewohnten Regionen im Westen Syriens mehr als 1700 Menschen getötet worden.

(W.Budayev--DTZ)

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