Deutsche Tageszeitung - Arbeiten statt Ausbildung: Jeder fünfte Schüler will lieber erst Geld verdienen

Arbeiten statt Ausbildung: Jeder fünfte Schüler will lieber erst Geld verdienen


Arbeiten statt Ausbildung: Jeder fünfte Schüler will lieber erst Geld verdienen
Arbeiten statt Ausbildung: Jeder fünfte Schüler will lieber erst Geld verdienen / Foto: © AFP/Archiv

Fast jeder fünfte Jugendliche will einer Befragung zufolge nach dem Schulabschluss direkt arbeiten, auch ohne berufliche Qualifikation. Besonders hoch ist dieser Anteil mit 25 Prozent unter Schülerinnen und Schülern mit niedriger Schulbildung, wie aus der am Mittwoch von der Bertelsmann Stiftung veröffentlichten Studie hervorgeht. Aber auch 16 Prozent der Jugendlichen, die einen hohen Abschluss anstreben, wollen demnach anschließend "auf jeden Fall" erst einmal Geld verdienen.

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Der Bertelsmann Stiftung zufolge sind ein geringes Azubi-Gehalt und mangelnde berufliche Orientierung die zentralen Gründe dafür, dass sich Jugendliche für das Arbeiten ohne berufliche Ausbildung entscheiden. Bei Menschen mit hohem angestrebten Schulabschluss wird zudem das Angebot an Ausbildungsplätzen als Grund genannt. Befragte mit niedriger Schulbildung sehen das Problem hingegen häufiger schon im Schreiben der Bewerbung und darin, dass sie geforderte Qualifikationen nicht vorweisen können.

"Sich beruflich zu qualifizieren, muss für junge Menschen attraktiver sein, als ungelernt zu arbeiten", erklärte Helen Renk, Expertin der Bertelsmann Stiftung für berufliche Bildung. "Ohne reguläre Ausbildung steigt das Risiko, arbeitslos zu werden oder im Niedriglohnsektor zu verharren."

Die Studienautoren heben positiv hervor, dass die berufliche Ausbildung in Deutschland weiterhin einen guten Ruf hat. 43 Prozent der befragten Schülerinnen und Schüler würden demnach gerne eine Ausbildung machen. Bei denjenigen mit niedriger Schulbildung können sich dies sogar fast neun von zehn grundsätzlich vorstellen.

Allerdings schätzen diese jungen Menschen ihre Chancen auf einen Ausbildungsplatz auch deutlich pessimistischer ein. Mehr als ein Drittel der Schülerinnen und Schüler mit niedrigem Bildungsniveau zweifelt daran, dass sie einen Ausbildungsplatz finden.

"Das kann einer der Gründe dafür sein, warum viele von ihnen zunächst lieber in Aushilfsjobs arbeiten möchten", erklärte Clemens Wieland von der Bertelsmann Stiftung. "Deshalb ist es wichtig, gerade junge Menschen mit niedriger Schulbildung am Übergang von der Schule in den Beruf bedarfsgerecht zu unterstützen und ihnen konkrete Ausbildungsperspektiven aufzuzeigen."

Auch viele Befragte mit höherer Schuldbildung zeigten sich in der Befragung mit Blick auf ihre berufliche Zukunft verunsichert. Das Problem sei hier jedoch vor allem, dass es ihnen schwer falle, sich in der Fülle an Informationen zur Berufswahl zurechtzufinden, erklärten die Studienautoren. Die Befragten wünschen sich demnach mehr Angebote zur Berufsorientierung, insbesondere in den Schulen.

Befragt wurden von Anfang März bis Mitte April 1755 Menschen im Alter von 14 bis 25 Jahren. Nach Angaben der Stiftung ist die Studie repräsentativ.

(B.Izyumov--DTZ)

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