Deutsche Tageszeitung - Europäische Zentralbank wartet Entwicklung im Handelsstreit mit USA ab

Europäische Zentralbank wartet Entwicklung im Handelsstreit mit USA ab


Europäische Zentralbank wartet Entwicklung im Handelsstreit mit USA ab
Europäische Zentralbank wartet Entwicklung im Handelsstreit mit USA ab / Foto: © AFP

Die Europäische Zentralbank hat geldpolitisch angesichts der großen Unsicherheit wegen des Zollstreits mit den USA eine abwartende Haltung eingenommen. Wie erwartet ließ die Notenbank die Leitzinsen am Donnerstag unverändert. Zudem gab sie keine Hinweise auf ihr weiteres Vorgehen. "Je schneller diese Handelsunsicherheit beseitigt wird, desto weniger Unsicherheit werden wir zu bewältigen haben", sagte EZB-Chefin Christine Lagarde. Vorerst heiße es aber "beobachten und abwarten".

Textgröße ändern:

Die Euro-Notenbank hatte zuvor sieben Mal in Folge die Leitzinsen gesenkt. Der zentrale Leitzins, der auch für Sparerinnen und Sparer wichtige Einlagenzins, liegt derzeit bei 2,0 Prozent. Der Hauptrefinanzierungssatz, zu dem sich Geschäftsbanken Geld von der EZB leihen können, liegt derzeit bei 2,15 Prozent und der dritte Leitzinssatz zur kurzfristigen Beschaffung von Geld, der Spitzenrefinanzierungssatz, bei 2,40 Prozent.

Die Inflation sei mittlerweile auf das angestrebte Niveau von zwei Prozent zurückgegangen, erklärte die Bank zu ihrer Entscheidung. Auch entsprächen aktuelle Daten "weitgehend der bisherigen Einschätzung des EZB-Rats zu den Inflationsaussichten". Der Preisdruck lasse weiter nach und die Löhne siegen langsamer.

"Zugleich ist das Umfeld nach wie vor außergewöhnlich unsicher, vor allem aufgrund von Handelskonflikten", erklärte die EZB weiter. US-Präsident Donald Trump sorgt mit seinen Zolldrohungen für große Unsicherheit. Ein eskalierender Zollstreit mit hohen US-Aufschlägen auf EU-Lieferungen sowie Gegenmaßnahmen aus Brüssel könnte die Wirtschaft erschüttern und die Preise wieder stärker steigen lassen.

In diesem Zusammenhang habe die EZB auch den Wert des Dollar im Blick. "Wir beobachten tatsächlich den Wechselkurs, da dieser für unsere Inflationsprognosen wichtig ist", sagte Lagarde. Seit März hat der Euro gegenüber dem Dollar deutlich an Wert gewonnen, was auf Trumps Handelskrieg zurückzuführen ist.

Beobachter waren auch angesichts der derzeit noch laufenden Verhandlungen zwischen der EU und den USA im Zollstreit von einer Zinspause ausgegangen. Trump hat den Europäern mit 30 Prozent Zoll gedroht. Medienberichte und Informationen aus Diplomatenkreisen hatten in den vergangenen Tagen suggeriert, dass es eine Einigung auf US-Zölle in Höhe von 15 Prozent mit Ausnahmen für verschiedene Produkte geben könnte.

Wegen der Folgen der Coronapandemie und dann 2022 des russischen Angriffs auf die Ukraine war die Inflation massiv angestiegen, worauf die EZB mit starken Zinserhöhungen reagiert hatte. Im Juni 2024 läutete sie dann die Zinswende ein und senkte mit Abklingen der Inflation auch die Zinsen wieder.

Der ING-Analyst Carsten Brzeski sieht die EZB nun in einer komfortablen Lage: "Mit einem Einlagensatz von zwei Prozent, einer Gesamtinflation von zwei Prozent und einem Inflationsausblick, der das alte Motto 'unter, aber nahe zwei Prozent' erfüllt," könne sie tatsächlich einfach abwarten, "ob sich die Inflation so verhält wie prognostiziert".

"Geopolitische Spannungen, der Handelskonflikt mit den USA und ein starker Euro erschweren die Einschätzung der weiteren Preisentwicklung", erklärte Florian Heider, Wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Instituts für Finanzmarktforschung SAFE. "In diesem Umfeld sind Geduld und Umsicht die beste Strategie."

(V.Sørensen--DTZ)

Empfohlen

Defekt an Zugmaschine: Castor-Transport von Jülich nach Ahaus abgesagt

Wegen eines Defekts an der Zugmaschine ist ein in der Nacht zum Donnerstag geplanter Castor-Transport mit Atommüll von Jülich nach Ahaus abgesagt worden. Das Problem sei noch vor der Ausfahrt aus dem Forschungszentrum in Jülich festgestellt worden, teilte die Polizei in Münster mit. Da es nicht möglich gewesen sei, das Spezialfahrzeug schnell zu reparieren oder auszutauschen, habe die Polizei entschieden, "den Transport nicht wie geplant durchzuführen".

Nach Seeblockade-Verkündung: Huthi-Miliz meldet Angriffe auf saudiarabische Tanker

Die pro-iranische Huthi-Miliz im Jemen hat nach eigenen Angaben zwei saudiarabische Öltanker im Roten Meer beschossen. Die beiden Schiffe seien mit Raketen und Drohnen attackiert worden, erklärte die Miliz am Donnerstag im Onlinedienst Telegram. Die beiden Schiffe hätten gegen eine Seeblockade verstoßen, die Anfang der Woche von den Huthis gegen Saudi-Arabien verhängt worden war.

USA schließen Abkommen mit Saudi-Arabien über Aufbau von zivilem Atomprogramm

Inmitten des Iran-Kriegs haben die USA und Saudi-Arabien ein Abkommen zum Aufbau eines zivilen Atomprogramms in dem Golfstaat geschlossen. Zwei entsprechende Verträge seien von US-Energieminister Chris Wright sowie seinem saudischen Amtskollegen, Prinz Abdulasis bin Salman, unterzeichnet worden, teilte am Mittwoch das Energieministerium in Washington mit. Es betonte zugleich, dass Vorkehrungen getroffen worden seien, dass Saudi-Arabien durch die US-Unterstützung keine Atomwaffen entwickeln könne.

Neuer US-Prozess wegen Social-Media-Sucht geplatzt

In den USA ist ein erneuter Prozess um die mutmaßliche Social-Media-Sucht eines Jugendlichen geplatzt. Der Teenager zog seine Klage gegen den Meta-Konzern mit seinen Diensten Instagram und Facebook am Mittwoch kurzfristig zurück, wie seine Anwälte mitteilten. Das Verfahren sollte eigentlich am Montag in Los Angeles beginnen.

Textgröße ändern: