Deutsche Tageszeitung - Behörde: Erdgasförderung vor Borkum kann beginnen

Behörde: Erdgasförderung vor Borkum kann beginnen


Behörde: Erdgasförderung vor Borkum kann beginnen
Behörde: Erdgasförderung vor Borkum kann beginnen / Foto: © POOL/AFP

Das niederländische Unternehmen One-Dyas darf mit der Erdgasförderung in der Nordsee vor Borkum beginnen. Das niedersächsische Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) habe dem von der Firma beantragten Sofortvollzug zugestimmt, erklärte die Behörde am Montag. Damit komme das LBEG dem "überwiegenden öffentlichen Interesse an einer sicheren Energieversorgung" sowie dem Rechtsanspruch von One-Dyas nach.

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One-Dyas will im deutsch-niederländischen Grenzgebiet Erdgas fördern und tut dies laut LBEG im Testbetrieb bereits. Die Gasförderplattform befindet sich auf niederländischem Hoheitsgebiet. Die Bohrungen sollen teilweise unter dem Meeresboden in deutsches Hoheitsgebiet hineinreichen, weshalb es die Zustimmung aus Deutschland brauchte. Die Bundesregierung machte Anfang Juli den Weg frei. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sprach sich explizit für die Gasförderung aus. Umweltschützer hingegen äußerten scharfe Kritik.

Im bereits vor etwa einem Jahr erlassenen Planfeststellungsbeschluss sei festgelegt, dass die geplanten Bohrungen "im deutschen Hoheitsgebiet nicht senkrecht" verlaufen und den Meeresgrund nicht "durchstoßen", erklärte das LBEG. "Vielmehr verlaufen sie in einer Tiefe von bis zu 4000 Metern, also im tiefen Erdreich unterhalb des Meeresgrundes, zunächst bogenförmig und schließlich nahezu horizontal."

"Wegen der unsicheren weltpolitischen Lage" sei "es im Interesse einer sicheren Energieversorgung geboten, die Abhängigkeit von Erdgasimporten aus Regionen außerhalb der EU zu verringern", begründete die Behörde ihre Entscheidung. Industrie und Bevölkerung seien derzeit noch von fossilen Rohstoffen wie Erdgas abhängig, somit leiste das Vorhaben "einen Beitrag zur sicheren Energieversorgung in Deutschland".

Das wies der niedersächsische Energie- und Klimaschutzminister Christian Meyer (Grüne) zurück. "Niedersachsen will bis 2040 klimaneutral werden und setzt zu 100 Prozent auf Erneuerbare Energie und die Wärmewende", erklärte Meyer und verwies auf das vom Landtag beschlossene Klimaschutzgesetz. "Aus Sicht des Klimaschutzes sind neue 'fossile' Gas- oder Ölförderungen daher unnötig."

"Ich teile auch die Auffassung, dass das Gas vor Borkum zur Sicherstellung der Gasversorgung in Deutschland nicht gebraucht wird", fuhr Meyer fort. Die Bundesregierung habe die Gasmangellage beendet und erklärt, dass die Versorgungssicherheit gewährleistet sei. Er mache sich hingegen "große Sorgen um den einzigartigen Lebensraum Wattenmeer und die mögliche Naturzerstörung durch die Gasförderung".

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hatte bereits in der vergangenen Woche Protest gegen das Vorhaben angekündigt. Zusammen mit der Klimaschutzbewegung Fridays for Future demonstriere die DUH von Donnerstag bis Sonntag in einem Klimacamp auf Borkum, erklärte die Organisation. Auch Klimaaktivistin Luisa Neubauer werde auf Borkum erwartet. Für Freitag sei ein Klimastreik am Inselbahnhof geplant.

"Wertvolle Riffe und bedrohte Tiere wie der Schweinswal dürfen nicht zu den Opfern fossiler Profitgier werden", erklärte DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner. "Wir machen deshalb gemeinsam mit Fridays for Future Druck und gehen auch gerichtlich mit der Stadt Borkum und der Bürgerinitiative Saubere Luft Ostfriesland gegen die umweltschädlichen Gasbohrungen vor Borkum vor."

(M.Travkina--DTZ)

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