Deutsche Tageszeitung - "Flickenteppich" Grundsteuer: Eigentümerverband beklagt teils große Unterschiede

"Flickenteppich" Grundsteuer: Eigentümerverband beklagt teils große Unterschiede


"Flickenteppich" Grundsteuer: Eigentümerverband beklagt teils große Unterschiede
"Flickenteppich" Grundsteuer: Eigentümerverband beklagt teils große Unterschiede / Foto: © AFP/Archiv

Die seit Januar gültige neue Grundsteuer stößt beim Eigentümerverband Haus & Grund auf Kritik. Für Eigentümer sei "ein Flickenteppich aus teils massiv voneinander abweichenden Jahresbeträgen" entstanden, erklärte Verbandspräsident Kai Warnecke am Donnerstag in Berlin. Eine Analyse der hundert größten Städte im Auftrag des Eigentümerverbandes kommt demnach zu dem Ergebnis, dass die Reform vielerorts "für satte Steuererhöhungen genutzt" worden sei - teils verbilligten sich die Sätze allerdings auch.

Textgröße ändern:

Laut der Auswertung von IW Consult, einer Tochtergesellschaft des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), liegt Zwickau in Sachsen mit 258 Euro pro Jahr für ein Musterhaus an der Spitze der günstigsten Großstädte. Am Ende des Feldes stehen Tübingen, Mannheim, Heidelberg, Stuttgart und Karlsruhe, die allesamt in Baden-Württemberg liegen. In Tübingen werden demnach 1377 Euro pro Jahr fällig.

Auch zwischen den Bundesländern gibt es dem Grundsteuerranking zufolge teils große Unterschiede. So zahlten Eigentümer eines Einfamilienhauses in den betrachteten Städten Sachsen-Anhalts durchschnittlich 305 Euro pro Jahr, in Berlin hingegen 850 Euro, erklärte Haus & Grund.

Hintergrund ist, dass seit Anfang des Jahres für rund 36 Millionen Grundstücke und Immobilien neue Regeln für die Festsetzung der Grundsteuer gelten, welche wiederum neben der Gewerbesteuer zu den wichtigsten Einnahmequellen für Kommunen zählt. Das Bundesverfassungsgericht hatte die vorherige Regelung 2018 gekippt, weil sie nach überholten "Einheitswerten" berechnet worden war. Vielerorts wurden dadurch immense Wertsteigerungen von Immobilien nicht berücksichtigt.

Im Zuge der Grundsteuerreform trafen die Länder Hamburg, Niedersachsen, Hessen, Baden-Württemberg und Bayern eigene Regelungen, die auf die Fläche oder den Bodenwert abstellen. Die übrigen elf Bundesländer nutzen das sogenannte Bundesmodell, das zur Steuerbemessung fiktive Mieteinnahmen und den Bodenwert heranzieht.

Haus & Grund kritisierte, dass die Modellwahl der Länder und die Hebesatzpolitik der Städte die Höhe der Grundsteuer nach der Reform "stärker denn je" bestimme. "Für Eigentümer entsteht dadurch keine verlässliche, gerechte Belastung", kritisierte Warnecke. Der Verband sprach sich dafür aus, das bayerische oder das niedersächsische Grundsteuermodell "umgehend in allen Ländern einzuführen". Das wertorientierte Modell in Baden-Württemberg habe dem Bundesland hingegen "einen beispiellosen Abstieg im Ranking beschert". Auch das Bundesmodell habe "zahlreiche Steuersteigerungen ermöglicht".

Laut dem Ranking fällt die Jahresgrundsteuer in der Hälfte der 16 Bundesländer höher aus als noch 2024, darunter neben Baden-Württemberg auch Berlin, Bremen, Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz und das Saarland. in den übrigen acht Ländern sanken die Beträge indes. Bezogen auf alle 100 untersuchten Städte stieg die Jahresgrundsteuer durchschnittlich um 46 Euro.

(I.Beryonev--DTZ)

Empfohlen

Wirtschaftsweise: AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt würde Fachkräfte abschrecken 

Sollte die AfD nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt an die Regierung kommen, könnte dies nach den Worten der Chefin der Wirtschaftsweisen, Monika Schnitzer, dringend benötigte Fachkräfte abschrecken und somit schwere wirtschaftliche Folgen haben. "Angesichts des Wahlprogramms ist zu erwarten, dass bei einer Regierungsübernahme der AfD das Bundesland als Standort für Fachkräfte und Unternehmen deutlich an Attraktivität verlieren würde", sagte Schnitzer dem "Kölner Stadt-Anzeiger" (Sonntag).

Bis September rund 52.500 Anträge für E-Auto-Prämie bewilligt

Mehr als drei Monate nach dem Start der neuen Kaufprämie für E-Autos hat das zuständige Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) knapp 52.500 Anträge für die staatliche Förderung für ein Elektroauto bewilligt. Bis zum 1.September seien 52.473 Bewilligungen erteilt worden, teilte das Bafa am Samstag mit. Die Höhe der ausgezahlten Fördermittel betrug 230 Millionen Euro.

Panamakanalbehörde reduziert wegen El Niño Anzahl der täglich erlaubten Schiffe

Wegen des Klimaphänomens El Niño hat am Freitag die Reduzierung des Schiffsverkehrs im Panamakanal begonnen. Die Zahl der Schiffe, welche die Wasserstraße zwischen dem Atlantik und dem Pazifik durchqueren dürfen, wird bis Mitte September schrittweise von 36 auf 32 pro Tag gesenkt, wie die Panamakanalbehörde mitteilte. Als Grund für die Entscheidung nannte die Behörde die niedrigen Wasserstände in den beiden künstlichen Seen, aus denen der Kanal gespeist wird.

Forscher: Tausende OpenAI-KI-Agenten kapern deutsche Website

Tausende autonome KI-Agenten des US-Technologieunternehmens OpenAI haben einer am Freitag veröffentlichten Untersuchung zufolge eigenmächtig eine deutsche Programmierer-Website gekapert. Auf der frei bearbeitbaren Plattform DSEwiki hinterließen sie demnach rund 18.000 Beiträge, in denen sie Antworten auf Testfragen und Tipps zum Umgehen digitaler Sicherheitsbarrieren austauschten.

Textgröße ändern: