Deutsche Tageszeitung - Rom und Paris bremsen bei Mercosur-Abkommen - Merz für Unterzeichnung noch in diesem Jahr

Rom und Paris bremsen bei Mercosur-Abkommen - Merz für Unterzeichnung noch in diesem Jahr


Rom und Paris bremsen bei Mercosur-Abkommen - Merz für Unterzeichnung noch in diesem Jahr
Rom und Paris bremsen bei Mercosur-Abkommen - Merz für Unterzeichnung noch in diesem Jahr / Foto: © POOL/AFP

Am Samstag soll das Handelsabkommen der EU mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten in Brasilien unterzeichnet werden - doch die Einigung wackelt: Sowohl Rom als auch Paris fordern eine spätere Abstimmung und zusätzliche Schutzklauseln für europäische Landwirte. "Es wäre verfrüht, das Abkommen in den kommenden Tagen zu unterzeichnen", sagte Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni am Mittwoch. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hingegen will sich beim EU-Gipfel "intensiv" für eine Unterzeichung noch in diesem Jahr einsetzen.

Textgröße ändern:

Nach 26 Jahren Verhandlungen über das Abkommen gehe es um die "Handlungsfähigkeit der Europäischen Union", sagte Merz in seiner Regierungserklärung im Bundestag. Er warb auch dafür, "die ausverhandelten Handelsabkommen" mit Mexiko und Indonesien "zügig auf den Weg zu bringen".

In einer Zeit, die vielerorts von wachsendem Protektionismus geprägt sei, dürfe es kein kleinteiliges "Herummäkeln an großen Handelsabkommen" geben, sagte Merz. Mit diesen Abkommen werde auch der europäische Binnenmarkt gestärkt.

Durch das Abkommen mit den Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay würde die weltgrößte Freihandelszone mit 700 Millionen Einwohnern entstehen. Es sieht vor, dass Zölle auf 91 Prozent aller zwischen der EU und dem Mercosur gehandelten Waren wegfallen.

In mehreren EU-Ländern gibt es jedoch erhebliche Widerstände, insbesondere von Landwirten, die Nachteile durch die Einfuhren aus Lateinamerika befürchten.

Frankreich werde sich "entscheiden dagegen stellen", sollte die EU den Abschluss forcieren wollen, hieß es aus Paris, das zusätzliche Schutzklauseln fordert. "Es ist derzeit nicht klar, ob unsere Bedingungen erfüllt werden", sagte Präsident Emmanuel Macron nach Angaben der Regierungssprecherin Maud Brégeon. Die Haltung Roms sei "der Beweis, dass Frankreich nicht allein ist und bedeutende europäische Länder mit Macrons Position übereinstimmen".

Meloni verwies auf die noch laufenden Verhandlungen auf EU-Ebene über Schutzklauseln für europäische Landwirte. "Wir halten es für notwendig, die Fertigstellung des Pakets ergänzender Maßnahmen zum Schutz des Agrarsektors abzuwarten", sagte sie. Anschließend müssten diese auch noch "unseren Landwirten erläutert und mit ihnen diskutiert" werden.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen will das Abkommen eigentlich bei einem Treffen mit den Mercosur-Staaten am Samstag in Brasilien unterzeichnen. Dafür braucht sie grünes Licht im Rat der 27 EU-Länder. Ohne Italien und Frankreich fehlt die nötige Mehrheit. Die EU-Staats- und Regierungschefs kommen am Donnerstag zu einem Gipfeltreffen in Brüssel zusammen.

Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva warnte, dass ein Handelsabkommen, wenn es nicht wie geplant am Samstag unterzeichnet wird, während seiner Amtszeit nicht zustande kommen werde. An dem Abkommen werde seit 26 Jahren gearbeitet und seine Geduld sei zu Ende, betonte Lula.

Er fahre nach Foz do Iguacu im Süden Brasiliens, wo das Abkommen unterzeichnet werden soll, "in der Hoffnung, dass sie ja sagen und nicht nein. Aber selbst wenn sie nein sagen, werden wir ihnen gegenüber hart bleiben, denn wir haben in allen Punkten nachgegeben, in denen die Diplomatie Zugeständnisse machen konnte", erklärte der brasilianische Präsident.

Deutschland, Spanien und einige weitere Länder wollen einen raschen Abschluss, weil sie auf Zugang zu neuen Märkten hoffen. "Nach jahrelangen Verhandlungen mit Mercosur brauchen wir ein deutliches Bekenntnis für freien Handel und verlässliche Partnerschaften", betonte Thilo Brodtmann Hauptgeschäftsführer vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau.

Italien galt zuletzt als Wackelkandidat, auf dessen Stimme es im Kreis der Mitgliedstaaten ankommt. Regierungssprecher Stefan Kornelius hatte sich zu Anfang der Woche noch zuversichtlich gezeigt, dass Rom für das Mercosur-Abkommen stimmen werde. Aus Kreisen der Bundesregierung hieß es am Dienstag dann, dass das Abkommen ohne rasche Einigung "wahrscheinlich tot" sei. Es werde befürchtet, dass die Südamerikaner die Geduld verlieren.

(T.W.Lukyanenko--DTZ)

Empfohlen

Frauenhofer-Institut sieht in Europas Autoproduktion bis zu 726.000 Jobs bedroht

Dem europäischen Automobilsektor droht laut einer Studie des Frauenhofer-Instituts ein massiver Beschäftigungsverlust. Bis 2040 könnten in der Produktion bis zu 726.000 Arbeitsplätze wegfallen, heißt es nach Angaben des Nachrichtenmagazins "Politico" in der ihm vorliegenden Studie. "Ohne Maßnahmen droht Europa eine dauerhafte Abhängigkeit von Drittstaaten bei Schlüsseltechnologien", warnen die Experten.

Merz und Macron treffen sich vor deutsch-französischem Ministerrat

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron treffen sich am Donnerstag am Vorabend des deutsch-französischen Ministerrats im nordrhein-westfälischen Brühl. Merz und Macron kommen zu einem Abendessen im Grandhotel Schloss Bensberg zusammen. Am Freitagmorgen soll es dann beim deutsch-französischen Verteidigungs- und Sicherheitsrat auf dem Fliegerhorst Nörvenich um die militärische Zusammenarbeit gehen. Nach Angaben des Elysées geht es unter anderem um das Flankieren der nuklearen Abschreckung Frankreichs durch konventionelle Verteidigung.

Ein- oder Zweifamilienhaus: Bundesgerichtshof urteilt über Maklercourtage

Am Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe geht es am Donnerstag (08.45 Uhr) um ein Zweifamilienhaus, das als Einfamilienhaus genutzt werden soll. Der BGH entscheidet über die Maklerprovision - der Makler fordert sechs Prozent des Kaufpreises. Dabei gibt es Unterschiede zwischen Ein- und Mehrfamilienhäusern. (Az. I ZR 111/25)

Trump begrüßt mögliches Aus für Zeitumstellung in den USA

Als "großartige Nachricht für Amerika" hat US-Präsident Donald Trump ein mögliches Ende der Zeitumstellung in den Vereinigten Staaten gefeiert. Er begrüßte am Mittwoch in seinem Onlinedienst Truth Social ein Votum des Repräsentantenhauses für eine dauerhafte Sommerzeit. Damit dies in Kraft treten kann, müsste auch der Senat zustimmen. Dies gilt aber als ungewiss.

Textgröße ändern: