Deutsche Tageszeitung - Arbeitgeber wollen Lohnfortzahlung für Kranke einschränken

Arbeitgeber wollen Lohnfortzahlung für Kranke einschränken


Arbeitgeber wollen Lohnfortzahlung für Kranke einschränken
Arbeitgeber wollen Lohnfortzahlung für Kranke einschränken / Foto: © AFP/Archiv

Angesichts der hohen Krankenstände hat der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Rainer Dulger, eine grundlegende Reform der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gefordert. Zudem sprach er sich gegenüber der "Welt" für ein Ende der telefonischen Krankschreibung aus. "Internationale Erfahrungen zeigen: Je großzügiger die Lohnfortzahlung, desto höher die Fehlzeiten, vor allem bei leichten Erkrankungen", sagte Dulger der "Welt" nach Angaben vom Donnerstag.

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Darüber hinaus gehöre die telefonische Krankschreibung "abgeschafft", sagte Dulger. "Sie war ein Notinstrument in der Pandemie, ist heute aber ein Einfallstor für Missbrauch." Videosprechstunden seien eine zeitgemäßere und bessere Alternative.

Weiterhin will der Verbandspräsident, die Lohnfortzahlung auf maximal sechs Wochen pro Jahr begrenzen. Bisher gilt die Lohnfortzahlung für sechs Wochen pro Erkrankung. Weil die Lohnfortzahlung bislang an einzelne Krankheitsfälle gekoppelt ist, haben Beschäftigte unter bestimmten Voraussetzungen mehrfach innerhalb eines Jahres Anspruch auf jeweils bis zu sechs Wochen Lohnfortzahlung.

Außerdem forderte Dulger, dass Zuschläge für Nacht-, Sonntags- und Mehrarbeit im Krankheitsfall nicht mehr fortgezahlt werden sollten. "Wer nicht arbeitet, hat auch keine Mehrbelastung", sagte der BDA-Präsident. Auch der Medizinische Dienst der Krankenkassen solle häufiger und schneller Arbeitsunfähigkeiten überprüfen können. Derzeit seien entsprechende Prüfungen die Ausnahme.

Hintergrund der Debatte ist ein Anstieg der Fehlzeiten seit dem Jahr 2022. Im Jahr 2024 haben Arbeitgeber laut Berechnungen des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) rund 82 Milliarden Euro für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gezahlt. Hinzu kommen Produktionsausfälle und entgangene Wertschöpfung.

Laut einer aktuellen Untersuchung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin verursachten Fehltage im Jahr 2024 Produktionsausfälle von insgesamt 134 Milliarden Euro. Demnach war im Jahr 2024 jeder Beschäftigte im Durchschnitt 20,8 Tage krank.

(B.Izyumov--DTZ)

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