Deutsche Tageszeitung - Kämpfe in Aleppo: Syrische Armee verkündet Ende des Einsatzes gegen Kurden

Kämpfe in Aleppo: Syrische Armee verkündet Ende des Einsatzes gegen Kurden


Kämpfe in Aleppo: Syrische Armee verkündet Ende des Einsatzes gegen Kurden
Kämpfe in Aleppo: Syrische Armee verkündet Ende des Einsatzes gegen Kurden / Foto: © AFP

Nach tagelangen Gefechten mit kurdischen Kämpfern in der syrischen Großstadt Aleppo hat die syrische Armee nach eigenen Angaben ihren Einsatz in der letzten kurdischen Hochburg der Stadt beendet. Reporter der Nachrichtenagentur AFP hörten am Samstagnachmittag noch vereinzelt Schüsse im umkämpften Stadtteil Scheich Maksud. Später sahen sie mindestens fünf eskortierte Busse, die kurdische Kämpfer wegbrachten.

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Truppen der islamistischen Übergangsregierung in Damaskus und kurdische Kämpfer lieferten sich seit Dienstag Gefechte in Aleppo. Beide Seiten gaben sich gegenseitig die Schuld an der Gewalteskalation, bei der mehr als 20 Menschen getötet wurden. Nach Angaben von Gouverneur Assam al-Gharib flohen bis Samstag rund 155.000 Bewohner der betroffenen, überwiegend kurdischen Viertel Scheich Maksud und Aschrafijeh in andere Stadtteile oder aufs Land.

Ein AFP-Korrespondent beobachtete, wie syrische Sicherheitskräfte dutzende junge Männer in Zivil von den anderen Flüchtlingen trennten. Sie mussten sich mit gesenktem Kopf auf den Boden setzen und wurden dann per Bus an einen unbekannten Ort gebracht.

In einer von der Nachrichtenagentur Sana verbreiteten Erklärung verkündete die Armee am Samstagnachmittag den Abschluss sämtlicher Militäraktionen in Scheich Maksud. Die dort verbliebenen kurdischen Kämpfer würden in die von Kurden kontrollierte Stadt Tabaka im Nordosten des Landes überstellt, hieß es. Später meldete das Staatsfernsehen, Kämpfer der kurdisch dominierten Demokratischen Kräfte Syriens (SDF), die sich ergeben hätten, seien mit Bussen nach Tabaka gebracht worden.

Kurdische Kämpfer bezeichneten die Armee-Angaben über ein Ende der Kämpfe zunächst als "völlig falsch". Die kurdischen Einheiten seien weiterhin dabei, "einen gewaltsamen Angriff" abzuwehren, hieß es in einer Erklärung.

Der US-Gesandte Tom Barrack, der sich in der Nahost-Region aufhielt, rief die syrische Regierung und die kurdischen Behörden nach einem Treffen mit Syriens islamistischem Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf. "Wir fordern alle Parteien auf, äußerste Zurückhaltung zu üben, die Feindseligkeiten sofort einzustellen und entsprechend den Vereinbarungen vom 10. März und 1. April 2025 zwischen der syrischen Regierung und den SDF zum Dialog zurückzukehren", schrieb Barrack am Samstag im Onlinedienst X.

Seit dem Sturz des syrischen Langzeit-Machthabers Baschar al-Assad im Dezember 2024 wird das im Nordwesten des Landes gelegene Aleppo weitgehend von der neuen Übergangsregierung kontrolliert. Nur die mehrheitlich von Kurden bewohnten Stadtviertel Scheich Maksud und Aschrafijeh standen zuletzt noch unter der Kontrolle kurdischer Einheiten.

Die Kämpfe in der zweitgrößten Stadt des Landes hatten begonnen, nachdem Bemühungen zur Eingliederung der de facto autonomen Kurden-Verwaltung und ihrer Armee in die neue syrische Übergangsregierung im Sande verlaufen waren.

Gemäß einem im März geschlossenen Abkommen sollten die zivilen und militärischen Institutionen der Kurden eigentlich bis zum Jahresende 2025 in die syrische Zentralregierung und Armee integriert werden. Zudem hatten die kurdischen Kämpfer zugestimmt, sich aus den beiden Stadtvierteln in Aleppo zurückzuziehen. Beides wurde jedoch wegen Meinungsverschiedenheiten nicht umgesetzt.

In dem Konflikt zwischen den Kurden und der syrischen Regierung mischen auch internationale Akteure mit. Die Türkei, die eine 900 Kilometer lange Grenze mit Syrien teilt, führt immer wieder Angriffe aus, um Kurden aus der Grenzregion zu vertreiben. Syriens Nachbarland Israel wiederum hatte den Einsatz der syrischen Armee gegen die Kurden verurteilt.

Die syrischen Kurden kontrollieren einen Großteil des ölreichen und für seinen fruchtbaren Ackerboden bekannten Nordosten Syriens. Seit Beginn des Bürgerkriegs 2011 genossen sie dort de facto Autonomie. Beim Sieg über die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien 2019 spielten die von den USA unterstützten SDF eine entscheidende Rolle.

Seit der Machtübernahme der Islamisten in Damaskus hat die Sorge um die Rechte und die Sicherheit von Minderheiten in Syrien zugenommen. Der Regierung in Damaskus mit dem früheren Dschihadisten al-Scharaa an der Spitze wird vorgeworfen, Minderheiten wie Alawiten, Drusen und Kurden nicht ausreichend zu schützen.

(A.Stefanowych--DTZ)

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