Deutsche Tageszeitung - Höchstes Berufungsgericht in Paris: Schlagen von Kindern verboten

Höchstes Berufungsgericht in Paris: Schlagen von Kindern verboten


Höchstes Berufungsgericht in Paris: Schlagen von Kindern verboten
Höchstes Berufungsgericht in Paris: Schlagen von Kindern verboten / Foto: © AFP/Archiv

Das Schlagen von Kindern aus erzieherischen Gründen ist in Frankreich definitiv verboten. "Es gibt kein Recht der Eltern auf Züchtigung ihrer Kinder", betonte das höchste französische Berufungsgericht am Mittwoch in Paris. Es kassierte ein Urteil des Berufungsgerichts von Metz, das im April 2024 einen Vater freigesprochen hatte, der seinen beiden minderjährigen Kindern zwischen 2016 und 2022 regelmäßig Backpfeifen und Schläge auf den Po gegeben hatte.

Textgröße ändern:

Der Vater war in erster Instanz wegen Gewalt zu einer 18-monatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden, das Gericht hatte ihm zudem das Sorgerecht entzogen. Ein Berufungsgericht sprach ihn dann jedoch frei und begründete dies mit einem "Recht der Eltern, ihre Kinder zu züchtigen, wenn das Kind dadurch keinen Schaden nimmt, die Strafe angemessen und nicht erniedrigend ist". Dieses Urteil hatte heftige Kritik von Kinderschutzorganisationen ausgelöst.

Das Kassationsgericht kritisierte die Urteilsbegründung des Berufungsgerichts in seiner Entscheidung und bekräftigte das Gewaltverbot gegen Kinder. "Dies bedeutet das Ende einer unter einigen Richtern noch immer verbreiteten Idee, dass es neben dem Gesetz ein Gewohnheitsrecht der elterlichen Züchtigung gebe", sagte der Anwalt der betroffenen Familie, Patrice Spinosi. Ein 2019 verabschiedetes Gesetz, das Gewalt aus erzieherischen Gründen verbietet, lasse keine Ausnahmen zu.

Einer Umfrage zufolge hatten 2024 knapp ein Viertel der befragten Eltern ihrem Kind in der Woche vor der Befragung einen Klaps gegeben. Ein Fünftel gab an, ihr Kind geschubst oder gestoßen zu haben, etwa 16 Prozent bekannten sich zu Ohrfeigen. Der frühere Premierminister François Bayrou hatte im vergangenen Mai Aufsehen erregt, als er mit Blick auf einen Missbrauchsskandal an einer katholischen Schule eine Ohrfeige als "väterliche Geste" bezeichnete.

Tatsächlich war körperliche Gewalt gegen Kinder in Frankreich lange nicht ausdrücklich verboten. Während Eltern und Lehrern in Deutschland die körperliche Züchtigung bereits seit dem Jahr 2000 strafrechtlich untersagt ist, verabschiedete Frankreich erst 2019 ein entsprechendes Gesetz, in dem es heißt: "Elterliche Autorität wird ohne körperliche oder psychische Gewalt ausgeübt."

(V.Sørensen--DTZ)

Empfohlen

Verkehrsminister Bilger will Boni von Bahnmanagern an Ziele knüpfen

Der Vorstoß von Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) für eine Kopplung der Bonuszahlungen für Bahnmanager an das Erreichen konkreter Ziele ist auf große Zustimmung gestoßen. Vertreter von SPD und Grünen sowie des Fahrgastverbandes ProBahn begrüßten die Initiative. Bilger kündigte in der "Bild am Sonntag" an, den Druck auf die Führungsebene des Konzerns erhöhen zu wollen. "Es wird sich konkret auf die Bonuszahlungen von Bahn-Managern auswirken, wenn die Ziele, die der Bund vorgibt, nicht eingehalten werden."

Bericht: Trotz Sanierung nur jeder vierte Zug zwischen Hamburg und Berlin pünktlich

Trotz fast elfmonatiger Generalsanierung ist die Pünktlichkeit auf der dicht befahrenen Bahnstrecke Hamburg–Berlin einem Medienbericht zufolge massiv eingebrochen. Von Mitte Juni bis Mitte Juli 2026 seien nur noch 25,8 Prozent aller Fernzüge pünktlich an ihr Ziel gekommen, berichtete die "Bild". Vor Beginn der Sanierung lag der Wert demnach noch bei 49,6 Prozent. Grund für die eingebrochene Pünktlichkeit seien andauernde Restarbeiten, die die Züge unterwegs immer wieder ausbremsten.

Dobrindt will Forschung zur Drohensicherheit in Deutschland ausbauen

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) will nach dem Drohnen-Vorfall am Leipziger Flughafen die Forschung zur Drohnensicherheit in Deutschland ausbauen. "Das Wettrüsten der Drohnentechnologie erfordert eigene Forschungseinheiten, um Schritt halten zu können", sagte Dobrindt der "Bild am Sonntag". Am 18. August solle am Testflughafen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Cochstedt in Sachsen-Anhalt eine neue Forschungseinrichtung für Drohnensicherheit errichtet werden.

DAK-Analyse: ADHS-Neudiagnosen bei Kindern deutlich gestiegen

Die Zahl der ADHS-Neudiagnosen bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland ist deutlich gestiegen. Im Jahr 2024 gab es im Vergleich zum Vorjahr 16 Prozent mehr Diagnosen einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung bei Kindern bis einschließlich 17 Jahren: Dies zeigt eine aktuelle Analyse der DAK-Gesundheit, die der Nachrichtenagentur AFP vorlag. Hochgerechnet wurde damit 2024 bundesweit bei rund 202.000 jungen Menschen erstmals ADHS diagnostiziert.

Textgröße ändern: