Deutsche Tageszeitung - Stahlindustrie beklagt viertes Krisenjahr in Folge

Stahlindustrie beklagt viertes Krisenjahr in Folge


Stahlindustrie beklagt viertes Krisenjahr in Folge
Stahlindustrie beklagt viertes Krisenjahr in Folge / Foto: © AFP/Archiv

Die Krise in der deutschen Stahlindustrie hat sich im vergangenen Jahr weiter verschärft: 2025 lag die Produktion um rund neun Prozent unter dem "ohnehin sehr niedrigen Vorjahresniveau", wie die Wirtschaftsvereinigung Stahl am Mittwoch in Berlin mitteilte. Einen ähnlich niedrigen Wert gab es demnach seit der deutschen Wiedervereinigung nur während der weltweiten Finanzkrise im Jahr 2009.

Textgröße ändern:

Zugleich sei die Kapazitätsauslastung im vergangenen Jahr auf unter 70 Prozent gefallen, führte der Verband aus. Dies sei "ein kritischer Wert für die energieintensive Stahlindustrie". Die Produktion blieb demnach mit 34,1 Millionen Tonnen zum vierten Mal in Folge deutlich unter der Marke von 40 Millionen Tonnen, die "als Schwelle für eine auskömmliche Kapazitätsauslastung gilt". Seit 2018 sei diese Grenze insgesamt sechsmal unterschritten worden. Die Branche verharre damit "auf Rezessionsniveau".

Für die Stahlindustrie komme derzeit "vieles zusammen: eine historisch schwache Nachfrage, ein ungebremst wachsender Importdruck und international nicht wettbewerbsfähige Energiepreise", erklärte die Hauptgeschäftsführerin des Industrieverbands, Kerstin Maria Rippel. 2026 müsse nun "das Jahr der Standortsicherung werden", forderte sie.

Besonders alarmierend ist der Wirtschaftsvereinigung zufolge die Entwicklung im Stahlaußenhandel. Inzwischen stammt demnach rund jede dritte in der EU eingesetzte Tonne Stahl aus dem Nicht-EU-Ausland. "Globale Überkapazitäten - insbesondere in Asien - sowie die immer aggressivere und unberechenbarere US-Zollpolitik verschärfen die Lage weiter."

Zügig umgesetzt werden müsse deshalb "der gute Vorschlag der EU-Kommission für ein hochwirksames Schutzinstrument", mahnte Rippel. Neben wirksamem Außenhandelsschutz bleibe zudem vor allem die Energiefrage zentral: "Die derzeit nicht wettbewerbsfähigen Strompreise sind eine hohe Belastung und zugleich ein zentraler Hemmschuh für den Umbau der gesamten Stahlindustrie zur Klimaneutralität."

Hoffnungen für die Zukunft setzt die Branche auf Märkte für emissionsarmen Stahl aus der EU. Erforderlich sind dafür aus Sicht der Wirtschaftsvereinigung allerdings gezielte Anreize für die Nachfrage nach diesen Produkten in den stahlverwendenden Branchen. Bei öffentlichen Investitionen auf nationaler Ebene müsse der Einsatz zunehmend emissionsarmer Grundstoffe "verbindlich verankert werden", forderte Rippel. Nötig seien zudem EU-Regeln, um die Nachfrage nach klimafreundlichem Stahl gezielt zu stärken.

(W.Uljanov--DTZ)

Empfohlen

Forscher: Tausende OpenAI-KI-Agenten kapern deutsche Website

Tausende autonome KI-Agenten des US-Technologieunternehmens OpenAI haben einer am Freitag veröffentlichten Untersuchung zufolge eigenmächtig eine deutsche Programmierer-Website gekapert. Auf der frei bearbeitbaren Plattform DSEwiki hinterließen sie demnach rund 18.000 Beiträge, in denen sie Antworten auf Testfragen und Tipps zum Umgehen digitaler Sicherheitsbarrieren austauschten.

US-Arbeitsmarkt im August robuster: Trump droht Notenbank Fed

Der Arbeitsmarkt in den USA hat sich im August robuster erwiesen als erwartet. Die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft stieg im vergangenen Monat um 162.000, wie das US-Arbeitsministerium am Freitag in Washington mitteilte. Präsident Donald Trump nannte die Zahlen "großartig" und erhöhte zugleich den Druck auf die Zentralbank Fed, den Leitzins zu senken.

Ohne Lenkrad und Pedale: US-Verkehrsbehörde nimmt Teslas Robotaxi unter die Lupe

Das selbstfahrende Cybercab von Tesla hat die US-Verkehrsbehörde auf den Plan gerufen. Die Nationale Behörde für Straßen- und Verkehrssicherheit (NHTSA) äußerte zum Start des Robotaxi-Angebots am Freitag Zweifel, dass ein Auto ohne Lenkrad, Pedale und Spiegel die bundesweiten Vorschriften erfüllt. Tesla hatte sein Cybercab wie in den USA üblich selbst zertifiziert.

US-Unternehmen schaffen im August mehr Arbeitsplätze

Unternehmen in den USA haben im August mehr Arbeitsplätze geschaffen als erwartet. Die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft stieg im vergangenen Monat um 162.000, wie das US-Arbeitsministerium am Freitag in Washington mitteilte. Das Weiße Haus kommentierte die Zahlen in Onlinenetzwerken mit einem Foto von Präsident Donald Trump, der die Faust in die Höhe reckt.

Textgröße ändern: