Deutsche Tageszeitung - Grönland-Streit: Trump verkündet Einigung - Washington verzichtet auf Strafzölle

Grönland-Streit: Trump verkündet Einigung - Washington verzichtet auf Strafzölle


Grönland-Streit: Trump verkündet Einigung - Washington verzichtet auf Strafzölle
Grönland-Streit: Trump verkündet Einigung - Washington verzichtet auf Strafzölle / Foto: © AFP

Nach wiederholten Drohungen im Streit um Grönland hat US-Präsident Donald Trump einen Rückzieher gemacht: Am Mittwoch gab er eine vorläufige Einigung mit der Nato über die Arktis bekannt. Er verzichte deshalb auf die für den 1. Februar angekündigten Strafzölle gegen Deutschland und sieben weitere europäische Länder, erklärte der US-Präsident in seinem Onlinedienst Truth Social. Nato-Generalsekretär Mark Rutte erklärte, Trump und er hätten Wege besprochen, wie die Nato die gesamte Arktis absichern könne. Dänemark und andere Staaten zeigten sich erleichtert, die US-Börse reagierte mit Kursgewinnen.

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Die Klärung brachte ein Gespräch Trumps mit Rutte am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos. Der US-Präsident schrieb danach in seinem Onlinedienst Truth Social, er habe mit Rutte einen "Rahmen für ein zukünftiges Abkommen" zu Grönland und der gesamten Arktis vereinbart. "Diese Lösung wird, wenn sie zustande kommt, großartig sein für die Vereinigten Staaten von Amerika und alle Nato-Nationen", betonte Trump. Auf dieser Grundlage werde er die "Zölle, die am 1. Februar in Kraft treten sollten, nicht verhängen", schrieb der US-Präsident weiter.

Die Frage der Souveränität Grönlands kam bei seinem Gespräch mit Trump "nicht mehr auf", wie Rutte dem US-Sender Fox News sagte. Der US-Präsident konzentriere sich vielmehr auf den Schutz der "riesigen arktischen Region", sagte der Nato-Generalsekretär. Dort fänden Veränderungen statt, etwa verstärkte Aktivitäten Russlands und Chinas.

Rutte lobte das Gespräch. "Ich denke es war ein sehr gutes Treffen", sagte er der Nachrichtenagentur AFP am Rande des Weltwirtschaftsforum in Davos. Es gebe jedoch "noch viel zu tun", mahnte der Nato-Generalsekretär.

Unklar blieb vorerst, was die Vereinbarung zu Grönland genau umfasst. Trump sagte bei einem kurzen Auftritt vor Journalisten in Davos, sie bringe den USA "alles, was wir wollten". Sie werde "unbegrenzt" Wirkung haben und umfasse Bereiche wie militärische Sicherheit sowie Rohstoffe.

Nach Angaben einer Nato-Sprecherin stehen die eigentlichen Gespräche allerdings noch aus. Demnach wollen die USA, Dänemark und Grönland nun darüber verhandeln, wie sich verhindern lässt, dass Russland und China auf der Arktisinsel "Fuß fassen". Trump hatte in dem Konflikt argumentiert: "Wenn wir Grönland nicht nehmen, werden es Russland oder China tun, und das werde ich nicht zulassen."

Trump zufolge soll es zudem weitere Gespräche über den geplanten US-Raketenschirm Golden Dome geben, soweit dieser Grönland betrifft. Damit habe er federführend Vizepräsident JD Vance, Außenminister Marco Rubio und seinen Sonderbeauftragten Steve Witkoff betraut, schrieb er auf Truth Social.

Trump hatte wiederholt vollständige Kontrolle über Grönland gefordert und dies in seiner Rede in Davos erneut mit der "nationalen und internationalen Sicherheit" begründet. In seiner Ansprache stellte Trump jedoch erstmals klar, dass er die Arktisinsel nicht mit militärischen Mitteln einnehmen will. Stattdessen wolle er über einen "Kauf" Grönlands sprechen, sagte Trump.

Die Grundsatzvereinbarung mit Rutte sieht jedoch "kein Geld" vor, wie der US-Präsident in Davos klarstellte. Dänemark hatte einer Abtretung des autonomen Gebiets an die USA entschieden widersprochen. Rutte hat als Nato-Generalsekretär ohnehin keine Möglichkeit, über territoriale Fragen der Mitgliedsländer zu verhandeln.

Dänemark und weitere EU-Länder reagierten erleichtert. Der dänische Außenminister Lars Lökke Rasmussen lobte die "positiven Botschaften" des US-Präsidenten. Der niederländische Regierungschef Dick Schoof nannte es im Onlinedienst X "positiv, dass wir nun auf dem Weg zu einer Deeskalation" seien und zusätzliche Zölle vom Tisch seien. Ähnlich äußerte sich Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, die Trump nahe steht.

In Grönland war die Reaktion indes verhaltener. "Die Nato hat in keinem Fall das Recht, ohne uns, Grönland, über irgendetwas zu verhandeln", erklärte eine von zwei grönländischen Abgeordneten im dänischen Parlament, Aaja Chenmitz, in Onlinediensten. "Nichts über uns ohne uns", fügte sie hinzu.

Die Händler an der New Yorker Wall Street reagierten erleichtert auf den entschärften Streit, die US-Börse macht deutliche Kursverluste vom Dienstag wieder mehr als wett. Der Dow Jones legte zeitweise um 1,21 Prozent zu, auch der Nasdaq und der S&P 500 drehten ins Plus. Trump hatte bereits bei früheren Zollstreitigkeiten mit den Europäern einen Rückzieher gemacht, nachdem es an der US-Börse deutliche Abschläge gegeben hatte.

(P.Tomczyk--DTZ)

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