Deutsche Tageszeitung - Krankenstand: Hausärzte fordern strengere Regeln für Online-Krankschreibungen

Krankenstand: Hausärzte fordern strengere Regeln für Online-Krankschreibungen


Krankenstand: Hausärzte fordern strengere Regeln für Online-Krankschreibungen
Krankenstand: Hausärzte fordern strengere Regeln für Online-Krankschreibungen / Foto: © AFP/Archiv

In der Debatte über den Krankenstand haben Hausärzte strengere Regeln für die Möglichkeit einer Online-Krankschreibung gefordert. "Während sich Hausarztpraxen an klare Regeln halten, wird es kommerziellen Anbietern ermöglicht, schnelles Geld mit Pseudo-Attesten zu machen", sagte der Vorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands, Markus Beier, der "Rheinischen Post" vom Donnerstag. Damit müsse Schluss sein. Rückendeckung bekam er aus der Politik.

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Eine Erstkrankschreibung bislang unbekannter Patientinnen und Patienten ist bei Online-Anbietern von Krankschreibungen schon nach einer Videosprechstunde möglich. Bei der telefonischen Krankschreibung als Alternative zum Gang in die Praxis, die zu Pandemie-Zeiten eingeführt worden war, ist hingegen Voraussetzung, dass der Patient oder die Patientin in der Praxis bereits bekannt ist. Eine Verlängerung geht dann nur vor Ort.

Beier kritisierte, dass einige Anbieter "aggressiv mit Online-Krankschreibungen für 20 bis 30 Euro" werben und dafür Gesetzeslücken ausnutzen würden. Bei der telefonischen Krankschreibung sei es nicht möglich, Menschen krank zu schreiben, die in der Praxis nicht bekannt seien. "Dieser Vorbehalt sollte künftig auch für Videosprechstunden gelten", forderte Beier.

"Die Bundesregierung muss kommerziellen Online-Anbietern von Krankschreibungen endlich einen Riegel vorschieben", forderte Beier in der "Rheinischen Post" und kritisierte solche Anbieter als unseriös. Es sei "offensichtlich, dass es den Anbietern nicht um Versorgung, sondern um Geldmacherei geht".

Der frühere Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) stellte sich ebenfalls hinter strengere Regeln, sprach sich grundsätzlich aber für die Möglichkeit der telefonischen und auch der Online-Krankschreibung aus - denn so kämen weniger kranke Menschen in die Praxen.

Gleichwohl sagte er der "Rheinischen Post": "Die Online-Krankschreibung sollte nur den Hausärzten oder behandelnden Fachärzten erlaubt sein." Es sei problematisch, dass kommerzielle Anbieter, die keinen Bezug zum Patienten hätten und nicht praktisch tätig seien, mit Online-Krankschreibungen werben würden. Hier gebe es "in der Tat leider rechtliche Lücken". Online-Krankschreibungen kommerzieller Anbieter machten in Summe zwar "keine bedeutsame Größe" aus, ein Verbot sei aber trotzdem richtig.

Die CDU-Gesundheitspolitikerin Simone Borchardt sagte der Zeitung ebenfalls, auch Krankschreibungen per Videosprechstunde "sollten nur dann möglich sein, wenn der Patient der Ärztin oder dem Arzt bekannt ist, also für Bestandspatienten". So könne Missbrauch begrenzt werden. Der SPD-Gesundheitspolitiker Christos Pantazis ergänzte, die Online-Modelle "untergraben das Vertrauen in die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung und sind mit den Anforderungen an eine gute medizinische Versorgung nicht vereinbar". Schwarze Schafe müssten "konsequent sanktioniert werden".

Unterdessen ergab eine Umfrage der Techniker Krankenkasse (TK), dass fast jeder und jede Dritte (31 Prozent) Schwierigkeiten hat, bei neuen gesundheitlichen Beschwerden eine geeignete Arztpraxis zu finden. In der Forsa-Umfrage unter 1410 Erwachsenen zeigten sich außerdem 64 Prozent offen für eine systematische Ersteinschätzung des medizinischen Anliegens, bevor ein Termin vereinbart wird.

Dabei handelt es sich um eine Forderung der TK. Die Ersteinschätzung sollte aus Sicht der Krankenkasse ärztlich entwickelt werden und an allen Zugangspunkten ins System verfügbar sein - das heißt digital per App, in der Praxis am Tresen, telefonisch oder auch in der Notaufnahme.

(L.Møller--DTZ)

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