Deutsche Tageszeitung - Trotz geringer Inflation und trotz des starken Euro: EZB lässt Leitzinsen unverändert

Trotz geringer Inflation und trotz des starken Euro: EZB lässt Leitzinsen unverändert


Trotz geringer Inflation und trotz des starken Euro: EZB lässt Leitzinsen unverändert
Trotz geringer Inflation und trotz des starken Euro: EZB lässt Leitzinsen unverändert / Foto: © AFP

Trotz einer rückläufigen Inflation und trotz des starken Euro lässt die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen erneut unverändert. Der EZB-Rat gehe weiter davon aus, dass sich die Inflation auf mittlere Sicht beim Zielwert von zwei Prozent stabilisiere, erläuterte EZB-Präsidentin Christine Lagarde am Donnerstag die Entscheidung. Parallel dazu zeige sich die Wirtschaft in der Eurozone "in einem schwierigen globalen Umfeld nach wie vor robust".

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Angesichts dieser Ausgangslage belässt die Zentralbank den auch für Sparerinnen und Sparer wichtigen Einlagenzins bei unverändert 2,0 Prozent. Ebenso bleiben die beiden anderen Leitzinssätze auf dem bisherigen Niveau: Der Hauptrefinanzierungssatz, zu dem sich Geschäftsbanken Geld von der EZB leihen können, liegt weiter bei 2,15 Prozent und der Leitzinssatz zur kurzfristigen Beschaffung von Geld, der Spitzenrefinanzierungssatz, bei 2,40 Prozent.

Bereits bei ihren vier vorangegangenen Zinsentscheidungen im Juli, September, Oktober und Dezember hatte die EZB die Zinssätze nicht weiter abgesenkt, die zur Eindämmung der Inflation zuvor erst deutlich angehoben und dann ab Juni 2024 wieder schrittweise abgesenkt worden waren. Hintergrund dafür ist, dass sich die Inflation im Euroraum im vergangenen Jahr nahe des Zwei-Prozent-Ziels der Zentralbank einpendelte. Im Januar sank die Teuerungsrate nach vorläufigen Angaben des EU-Statistikamts Eurostat auf 1,7 Prozent.

Eine Inflation deutlich unterhalb des Zwei-Prozent-Ziels könnte sich allerdings auch auf die Konjunktur auswirken. Zuletzt hatte zudem der im Vergleich zum Dollar derzeit starke Euro Fragen über den künftigen geldpolitschen Kurs der EZB aufgeworfen. Denn ein starker Euro könnte die Inflation potenziell weiter dämpfen, da Importe billiger werden - und zugleich die wirtschaftliche Entwicklung exportorientierter Volkswirtschaften wie Deutschland eintrüben.

Auch Lagarde sagte am Donnerstag in Frankfurt am Main, dass ein stärkerer Euro die Inflation deutlicher als derzeit erwartet senken könne. Die jüngsten Kursgewinne des Euro gegenüber dem Dollar stünden jedoch weitgehend im Einklang mit dem allgemeinen Durchschnitt des Wechselkurses, fügte sie hinzu. Zudem verwies sie darauf, dass es auch Risiken für eine Inflationsentwicklung oberhalb der derzeitigen Erwartungen gebe - etwa durch Störungen internationaler Lieferketten oder auch Risiken durch den Klimawandel, was sich beispielsweise auf Lebensmittelpreise auswirken könnte.

Grundsätzlich will die Zentralbank deshalb auch künftig "von Sitzung zu Sitzung" entscheiden, wie Lagarde betonte. Dabei werde die Zentralbank weiter einem datenbasierten Ansatz folgen. Eine Vorfestlegung auf einen bestimmten Zinspfad gibt es demnach ausdrücklich nicht.

Der Außenwirtschaftschef der Deutschen Industrie- und Handfelskammer (DIHK), Volker Treier, bezeichnete es als "grundsätzlich richtig", dass sich die EZB weiterhin an der stabilen Preisentwicklung im Euroraum orientiere. Er wies allerdings auch darauf hin, dass der Dollar in einem Jahr unter US-Präsident Donald Trump "deutlich an Wert verloren und der Euro um 15 Prozent aufgewertet" habe. "Deutsche und europäische Exporte in die USA und in weitere Länder, deren Währung an den Dollar gekoppelt ist, werden teurer", erklärte er. Die EZB müsse den Wechselkurs im Blick behalten.

Ebenfalls unverändert beließ am Donnerstag auch die britische Zentralbank ihren Leitzins: Er bleibt bei 3,75 Prozent, wie die Bank of England mitteilte. Grund dafür ist, dass die Zentralbank die Inflation, die zuletzt 3,4 Prozent bei 3,4 Prozent lag, Richtung zwei Prozent bewegen will.

(M.Dylatov--DTZ)

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