Deutsche Tageszeitung - Studie: Alle Geschlechter erleben Gewalt - Frauen aber schwerer und häufiger

Studie: Alle Geschlechter erleben Gewalt - Frauen aber schwerer und häufiger


Studie: Alle Geschlechter erleben Gewalt - Frauen aber schwerer und häufiger
Studie: Alle Geschlechter erleben Gewalt - Frauen aber schwerer und häufiger / Foto: © AFP/Archiv

Von psychischer und körperlicher Gewalt in Partnerschaften sind in Deutschland Männer und Frauen beinahe gleichermaßen stark betroffen - deutliche Geschlechterunterschiede zeigen sich jedoch bei sexueller Gewalt sowie bei der Schwere und Häufigkeit der Taten. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Dienstag vorgestellte umfassende Dunkelfeldstudie, die gemeinsam vom Familienministerium, Innenministerium und Bundeskriminalamt erarbeitet wurde.

Textgröße ändern:

Den Ergebnissen der Befragung zufolge erlebten 23,8 Prozent der Frauen und 23,3 Prozent der Männer in den zurückliegenden fünf Jahren psychische Gewalt in Paarbeziehungen oder ehemaligen Paarbeziehungen. Über die gesamte Lebenszeit erstreckte sich die Betroffenheit auf 48,7 Prozent der Frauen und 40,0 Prozent der Männer. Hier wurde etwa emotionale, kontrollierende und ökonomische Gewalt erfasst.

Bei der körperlichen Gewalt waren im Fünfjahreszeitraum mit 6,1 Prozent etwas mehr Männer als Frauen (5,2 Prozent) betroffen, bei der Lebenszeit waren es 18,0 Prozent der Frauen und 14,0 Prozent der Männer. Jedoch weisen Frauen bei beiden Gewaltformen "eine deutlich höhere Inzidenz und Schwere der Gewalt auf", heißt es in der Studie. Das heißt, die Anzahl der Gewalthandlungen und die Schwere der Übergriffe sind bei ihnen deutlich höher. Zudem empfinden sie in den Situationen "mehr Angst" als Männer.

Bei der sexuellen Gewalt zeigt sich ein anderes Bild: Hier sind Frauen mit 36,3 Prozent in den zurückliegenden fünf Jahren deutlich häufiger von sexueller Belästigung betroffen als Männer mit 16,3 Prozent. Innerhalb des Lebens hat jeder vierte Mann (23,5 Prozent) und mehr als jede zweite Frau (56,7 Prozent) sexuelle Belästigung ohne Körperkontakt erfahren - innerhalb und außerhalb von Partnerschaften.

Sexuelle Belästigung mit Körperkontakt haben bereits 40,8 Prozent der Frauen und 12,3 Prozent der Männer erlebt. Auch hier wiegen Schwere und Häufigkeit der Gewalt stärker als bei Männern.

"Es wird von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen" - dieser Satz begleitet häufig Angaben zu bestimmten Vorfällen und schränkt somit deren Aussagekraft massiv ein. Aus diesem Grund wurde die Dunkelfeldstudie als Gegenstück zum Hellfeld erstellt, welches sich nur auf Taten stützt, die auch zur Anzeige gebracht werden.

"Wir halten die Taschenlampe ins Dunkel", sagte Familienministerin Karin Prien (CDU) zur aktuellen Studie. Diese zeige auch, dass viele Frauen und Männer partnerschaftliche Gewalt erlebten, ohne dass sie sie jemals zur Anzeige bringen. Die reale Anzeigequote liegt demnach bei "deutlich unter fünf Prozent". Vor allem Frauen und Mädchen empfänden offenbar eine hohe Schwelle, Hilfe bei Polizei und Strafverfolgung zu suchen, sagte Prien.

Die letzte umfassende repräsentative Opferbefragung im Auftrag des Familienministeriums stammt von 2004 und umfasste nur Frauen. Diesmal wurden von Juli 2023 bis Januar 2025 insgesamt 15.479 Menschen zwischen 16 und 85 Jahren befragt und zwar Männer und Frauen. Verantwortlich für die Erhebung war das Institut Verian. Die Studie trägt den Namen "LeSuBiA" - "Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag".

(L.Svenson--DTZ)

Empfohlen

Dieselpreis steigt am Ostersonntag auf neues Allzeithoch im Tagesschnitt

Der Preis für Diesel an den Tankstellen in Deutschland ist am Ostersonntag weiter gestiegen. Im bundesweiten Durchschnitt kostete Diesel 2,440 Euro pro Liter, nach 2,425 Euro am Vortag, wie der ADAC am Montag mitteilte. Der Tagesdurchschnittspreis stieg damit den vierten Tag in Folge auf ein neues Allzeithoch.

Krankenkassenreform: Kassen und Ärzte streiten über Vergütung

Vor dem Hintergrund der Vorschläge für eine Reform des gesetzlichen Krankenkassensystems streiten Kassen und Ärzteverbände über die Vergütung der Mediziner. Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, warnte bei einer Umsetzung der Pläne vor deutlich längeren Wartezeiten auf einen Facharzttermin. Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) warf den Ärzten vor, bei der Terminvergabe Privatpatienten zu bevorteilen - hier müsse angesetzt werden.

Kurz vor Wahl in Ungarn: Sprengstofffund in Serbien bei Pipeline ins Nachbarland

Eine Woche vor der Parlamentswahl in Ungarn hat der Fund von Sprengstoffpaketen in Serbien nahe einer ins Nachbarland führenden Gaspipeline für Unruhe gesorgt. Zwei Rucksäcke, die "große Pakete Sprengstoff mit Zündern" enthielten, seien am Sonntag "wenige hundert Meter von der Gaspipeline entfernt" entdeckt worden, erklärte der serbische Präsident Aleksandar Vucic. Der ungarische Oppositionspolitiker Peter Magyar sprach von einer mutmaßlichen "Aktion unter falscher Flagge" kurz vor der Wahl.

Kassenärzte-Chef Gassen warnt bei Kürzungen vor deutlich längeren Wartezeiten

Kassenärzte-Chef Andreas Gassen hat bei einer Umsetzung der Kürzungsempfehlungen für die niedergelassenen Mediziner vor deutlich längeren Wartezeiten auf einen Facharzttermin gewarnt. "Wenn die Politik den Kürzungsvorschlägen der Kommission eins zu eins folgt, dann müssen sich die Patienten darauf einstellen, schon bald 50 Tage und mehr auf einen Facharzttermin zu warten", sagte Gassen den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND, Montagsausgaben).

Textgröße ändern: