Deutsche Tageszeitung - TÜV-Verband: Zahl der Führerscheinprüfungen auf Rekord gestiegen

TÜV-Verband: Zahl der Führerscheinprüfungen auf Rekord gestiegen


TÜV-Verband: Zahl der Führerscheinprüfungen auf Rekord gestiegen

Die Kosten für den Führerschein sind in den letzten Jahren überdurchschnittlich stark gestiegen - trotzdem hat die Zahl der Fahrprüfungen in Deutschland 2025 ein neues Allzeithoch erreicht. Über alle Klassen hinweg wurden im vergangenen Jahr laut Datenerhebung des TÜV-Verbands mehr Theorie- und mehr Praxisprüfungen abgelegt. "Der Führerschein boomt wie eh und je", erklärte TÜV-Experte Richard Goebelt am Mittwoch.

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Die Zahl der Theorieprüfungen stieg um 1,6 Prozent auf 2,04 Millionen, die Zahl der Praxisprüfungen um 4,9 Prozent auf rund 1,89 Millionen, wie der TÜV mitteilte. Mit Abstand am häufigsten wird der Autoführerschein gemacht. Die Mehrheit der Fahrschülerinnen und -schüler bestand die Prüfung für den Autoführerschein im vergangenen Jahr im ersten Anlauf: In der Theorie waren es 63 Prozent, in der Praxisprüfung 65 Prozent.

"Zur Wahrheit gehört aber auch: Die Gruppe der Wiederholenden tut sich schwer und scheitert häufig sogar mehrfach", erklärte Goebelt. Bei Wiederholungsprüfungen liegt die Bestehensquote laut TÜV in der Theorie bei 44 Prozent und in der Praxis bei 58 Prozent.

Die Kosten für den Führerschein waren laut Statistischem Bundesamt von 2021 bis 2024 überdurchschnittlich stark gestiegen - jeweils stärker als die Verbraucherpreise insgesamt. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder hatte die Kosten im Oktober vergangenen Jahres mit im Schnitt rund 3400 Euro beziffert - in manchen Regionen auch deutlich mehr, bis zu 4000 oder sogar 4500 Euro. Er kündigte eine Reform an, um den Führerschein günstiger zu machen. Fahrschulen hatten nach der Ankündigung einen massiven Einbruch der Anmeldezahlen zum Führerschein beklagt.

TÜV-Experte Goebelt sagte, im letzten Quartal 2025 sei noch kein Rückgang der Anmeldezahlen für die theoretische und praktische Fahrerlaubnisprüfung festzustellen. Er rechne aber damit, dass sich die Zahlen - "und wir gehen ja davon aus, dass die Zahlen von der Fahrlehrerschaft richtig sind" - zeitversetzt in den Anmeldezahlen für das erste Quartal 2026 niederschlagen.

Die seit Jahren immer neuen Rekordzahlen bei den Prüfungen seien "geprägt durch die Wiederholungsprüfungen", sagte Goebelt weiter. Hier liege auch "echtes Einsparpotenzial" für die Fahrschülerinnen und Fahrschüler: "Wenn man hier die Zahl reduzieren kann, dann sind signifikante Einsparungen von 500 bis 1000 Euro pro Erwerb des Führerscheins aus unserer Sicht machbar".

Verkehrsminister Schnieder will am Mittwoch seine "weiterentwickelten Eckpunkte" seiner Führerscheinreform vorstellen. Im Oktober hatte er unter anderem vorgeschlagen, den Fragenkatalog bei der Theorieprüfung deutlich zu verringern, verpflichtende Sonderfahrten wie Nacht- und Autobahnfahrten zu reduzieren und theoretischen Unterricht wahlweise auch komplett online anzubieten.

Der TÜV-Verband schlug hier "verbindliche, einheitliche digitale Lernstandskontrollen" vor, mit der vor der Prüfung die "Prüfungsreife" festgestellt werden solle. In unabhängigen Studien sei nachgewiesen worden, dass Lernstandskontrollen dazu führten, "beim ersten Versuch bereits eine erfolgreiche Prüfung abzulegen", sagte Goebelt.

Kritisch sieht der TÜV-Verband hingegen Vorschläge, die auf eine pauschale Absenkung von Anforderungen bei der Fahranfängervorbereitung hinauslaufen - etwa bei der Fahrzeit, Prüfungsdauer und im Fragenkatalog. "Eine Fahrerlaubnisprüfung 'light', wie teilweise auch vom Bundesverkehrsministerium vorgeschlagen in seinen Eckpunkten, darf es aus unserer Sicht nicht geben", sagte Goebelt. Das würde im Ergebnis "die Verkehrssicherheit beeinträchtigen und dann auch in Folge mit deutlich höheren Kosten für das Individuum, aber auch insgesamt für die Gesellschaft in Verbindung stehen".

(L.Møller--DTZ)

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