Deutsche Tageszeitung - Erneut Spekulationen über vorzeitigen Abgang von EZB-Chefin Lagarde

Erneut Spekulationen über vorzeitigen Abgang von EZB-Chefin Lagarde


Erneut Spekulationen über vorzeitigen Abgang von EZB-Chefin Lagarde
Erneut Spekulationen über vorzeitigen Abgang von EZB-Chefin Lagarde / Foto: © AFP

Erneut wird über einen vorzeitigen Abgang von EZB-Chefin Christine Lagarde spekuliert. Die "Financial Times" berichtete am Mittwoch, ein vorzeitiger Rückzug Lagardes hätte politische Gründe - die wichtige Personalie solle vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich im April 2027 entschieden werden, so dass bei einem Sieg der Rechtspopulisten eine mögliche Hängepartie bei der Besetzung des wichtigen Postens vermieden werde.

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Die "Financial Times" schrieb, es werde damit gerechnet, dass Lagarde vor Ende ihrer Amtszeit im Oktober 2027 ihren Posten niederlegen werde. Die Zeitung berief sich auf "eine Person, die mit ihrer Denkweise vertraut ist".

Damit würde Lagarde Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron Zeit verschaffen, ihre Nachfolge vor der französischen Präsidentschaftswahl im April 2027 zu regeln, schrieb die Zeitung. Macron darf nach zwei aufeinanderfolgenden Amtszeiten nicht noch einmal antreten - in Umfrage führt aktuell die Rechtspopulistin Marine Le Pen.

Ein Sprecher der Europäischen Zentralbank (EZB) wies den Bericht am Mittwoch zurück: Lagarde sei "voll und ganz auf ihre Aufgabe konzentriert und habe keine Entscheidung bezüglich des Endes ihrer Amtszeit getroffen".

Es ist bereits das zweite Mal binnen weniger Monate, dass über einen vorzeitigen Abgang Lagardes spekuliert wird. Einen Schaden für das Amt sieht Analyst Carsten Brzeski von der ING aber nicht. Auch Andrew Kenningham von Capital Economist sieht keine Auswirkungen auf die Geldpolitik der Zentralbank. Von allen potenziellen Kandidaten seien keine starken Abweichungen von der bisherigen Geldpolitik zu erwarten.

Die EZB ist unabhängig von der Politik. Sie legt die Leitzinsen im Euroraum fest und hat damit viel Einfluss auf Inflation und Wirtschaftswachstum. Der Präsident oder die Präsidentin wird aber von den Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone mit qualifizierter Mehrheit ernannt.

Als eine mögliche Nachfolgerin Lagardes gilt Isabel Schnabel, derzeit Mitglied im EZB-Direktorium. Sie selbst hat bereits gesagt, sie stehe bereit, sollte sie gefragt werden. Als andere Kandidaten werden der frühere spanische Zentralbankchef Pablo Hernández und der niederländische Zentralbankchef Klaas Knot genannt.

ING-Analyst Brzeski wies darauf hin, dass bereits ein Spitzenposten in der EU mit einer Deutschen besetzt ist: Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Ihre Amtszeit endet erst 2029. Es sei "sehr unwahrscheinlich", dass EU-Kommission und EZB gleichzeitig von Deutschen geführt werden - das spreche gegen Schnabel.

Die Französin Lagarde steht seit November 2019 an der Spitze der EZB. Zuvor war sie Chefin des Internationalen Währungsfonds in Washington.

(O.Tatarinov--DTZ)

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