Deutsche Tageszeitung - Streit um Nutzung von KI für US-Militär: Trump verbannt Anthropic aus Bundesbehörden

Streit um Nutzung von KI für US-Militär: Trump verbannt Anthropic aus Bundesbehörden


Streit um Nutzung von KI für US-Militär: Trump verbannt Anthropic aus Bundesbehörden
Streit um Nutzung von KI für US-Militär: Trump verbannt Anthropic aus Bundesbehörden / Foto: © GETTY IMAGES NORTH AMERICA/AFP

Im Streit um die Nutzung Künstlicher Intelligenz (KI) für das US-Militär beendet Präsident Donald Trump die Zusammenarbeit seiner Regierung mit dem KI-Unternehmen Anthropic. Er wies am Freitag alle Bundesbehörden an, mit sofortiger Wirkung auf Anthropic-Anwendungen zu verzichten. Der Konzern um den Chatbot Claude hatte dem Pentagon die uneingeschränkte militärische Nutzung seiner Technologie verweigert. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth warf Anthropic "Arroganz und Verrat" vor. Das Unternehmen kündigte rechtliche Schritte an.

Textgröße ändern:

Anthropic hatte erklärt, es wolle seine KI-Technologie nicht wie von der Trump-Regierung gewünscht für die "Massenüberwachung im Inland" oder in vollautonomen Waffensystemen einsetzen lassen. Trump reagierte mit einem Wutanfall: "Die Vereinigten Staaten von Amerika werden es niemals einem radikal linken, woken Unternehmen erlauben zu diktieren, wie unser großartiges Militär kämpft und Kriege gewinnt!", schrieb der Präsident in Großbuchstaben. Anthropic habe einen "katastrophalen Fehler" gemacht.

US-"Kriegsminister" Hegseth, wie er sich seit September nennt, wies das Pentagon am Freitag an, Anthropic als "Sicherheitsrisiko in der Lieferkette" einzustufen. Ab sofort dürfe "kein Auftragnehmer, Lieferant oder Partner, der mit dem US-Militär Geschäfte tätigt", kommerzielle Verbindungen zu Anthropic unterhalten. "Anthropic hat eine Meisterleistung in Sachen Arroganz und Verrat abgeliefert und damit ein Lehrbuchbeispiel dafür geliefert, wie man keine Geschäfte mit der US-Regierung oder dem Pentagon machen sollte", schrieb Hegseth im Onlinedienst X.

Anthropic kündigte an, sich vor Gericht gegen das von Hegseth verfügte Verbot zu wehren. "Keine Einschüchterung oder Strafe seitens des Kriegsministeriums wird unsere Haltung zu massiver Überwachung im Inland oder vollständig autonomen Waffen ändern."

Anthropic war 2021 von ehemaligen Mitarbeitern des KI-Unternehmens OpenAI gegründet worden. Während OpenAI durch seinen Chatbot ChatGPT der breiten Öffentlichkeit bekannt ist, zielt Anthropic mit seinem Chatbot Claude eher auf Programmierer und Unternehmen ab, denen unter anderem Datensicherheit wichtig ist.

Hunderte Mitarbeiter aus der KI-Branche solidarisierten sich mit Anthropic. In einem offenen Brief forderten Angestellte von OpenAI und Google Deepmind ihre Arbeitgeber auf, den Forderungen des Pentagon zur militärischen Nutzung von KI entgegenzutreten.

OpenAI-Chef Sam Altman teilte seinen Mitarbeitern am Donnerstag mit, dass er mit dem Verteidigungsministerium eine Vereinbarung anstrebe, die ähnliche rote Linien wie die von Anthropic enthalten soll. "Wir sind seit Langem der Meinung, dass KI nicht für Massenüberwachung oder autonome tödliche Waffen eingesetzt werden sollte", schrieb Altman laut US-Medien in einer internen Mitteilung.

(M.Travkina--DTZ)

Empfohlen

EU-Expertengremium stellt Empfehlungen für Social-Media-Verbot vor

In der Debatte um ein EU-weites Social-Media-Verbot für Kinder stellt am Montag ein Expertengremium im Auftrag der EU-Kommission seine Empfehlungen vor. Beobachter erwarten, dass sich die Experten ähnlich äußern könnten wie ein deutsches Gremium, das im Juni seine Ergebnisse vorgelegt hatte. Es hatte zu einem gesetzlichen Mindestalter von 13 Jahren oder zu Beschränkungen für einzelne Dienste je nach Risiko geraten.

Drei Atomreaktoren in Frankreich wegen Hitzewelle heruntergefahren

In Frankreich sind wegen der starken Hitze am Sonntag drei Atomreaktoren vorübergehend heruntergefahren und sieben weitere gedrosselt worden. Aufgrund der Wetterbedingungen und zur Einhaltung der Vorschriften für die Ableitung von Kühlwasser "und damit zum Schutz der Umwelt" seien Reaktoren in Golfech an der Garonne, in Bugey an der Rhône sowie in Chooz an der Meuse abgeschaltet worden, teilte der Kraftwerksbetreiber EDF der Nachrichtenagentur AFP mit.

Energieversorger: Landesweiter Stromausfall in Kuba nach 24 Stunden behoben

Der zweite landesweite Stromausfall in Kuba binnen einer Woche ist nach Angaben des Versorgers beendet. "Um 06.30 Uhr (12.30 Uhr MESZ) heute Morgen wurde das nationale Stromsystem im gesamten Land wieder ans Netz gebracht", teilte das staatliche Elektrizitätsunternehmen (UNE) am Sonntag im Onlinedienst X mit. Mehr als 24 Stunden hatten die Techniker daran gearbeitet, das System wieder hochzufahren.

US-Armee: Schiffsverkehr durch Straße von Hormus fließt weiter

Trotz der Verkündung des Iran, die Straße von Hormus bis auf Weiteres zu schließen, fließt der Schiffsverkehr durch die für den Welthandel wichtige Meerenge nach Angaben der US-Armee weiterhin. "Der Iran kontrolliert die Meerenge nicht. Der Verkehr fließt", erklärte das zuständige US-Regionalkommando Centcom am Sonntag im Onlinedienst X.

Textgröße ändern: