Deutsche Tageszeitung - Dritter Kriegstag: Preise für Öl und Gas steigen weiter - Börsen im Minus

Dritter Kriegstag: Preise für Öl und Gas steigen weiter - Börsen im Minus


Dritter Kriegstag: Preise für Öl und Gas steigen weiter - Börsen im Minus
Dritter Kriegstag: Preise für Öl und Gas steigen weiter - Börsen im Minus / Foto: © 2026 Planet Labs PBC/AFP

Am vierten Tag des Iran-Kriegs sind die Preise für Öl und Gas weiter kräftig gestiegen und an den europäischen Börsen setzte sich die Talfahrt der Aktienkurse fort. Der Ölpreis lag am Dienstagmorgen bei über 80 Dollar, der Gaspreis legte um über 30 Prozent zu und lag bei fast 60 Euro pro Megawattstunde. Das war der höchste Stand seit Februar 2023.

Textgröße ändern:

Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent stieg um fast 3,8 Prozent auf 80,66 Dollar, der für ein Barrel der US-Sorte WTI um 3,5 Prozent auf 73,76 Dollar. Analysten halten Preise von über 100 Dollar pro Barrel im Fall eines längeren Konflikts für denkbar. In Deutschland schossen an den Tankstellen bereits die Preise nach oben.

Der Iran kontrolliert die für die Schifffahrt wichtige Straße von Hormus, die den Persischen Golf mit dem Golf von Oman, dem Arabischen Meer und dem Indischen Ozean verbindet. Ein Fünftel der weltweiten Ölproduktion wird täglich über diese Handelsroute transportiert. Ein General der iranischen Revolutionsgarden hatte am Montagabend damit gedroht, "jedes Schiff" zu "verbrennen", das die Straße von Hormus passieren will.

Auch ein Fünftel des weltweiten Handels mit verflüssigtem Erdgas (LNG) wird über Hormus abgewickelt. Der wichtigste LNG-Produzent ist Katar, der Staat setzte die Produktion am Montag nach iranischen Drohnenangriffen vorerst aus. Der als Referenzwert für den Gaspreis betrachtete niederländische TTF-Kontrakt stieg am Dienstagmorgen um mehr als 30 Prozent.

"Schon vor Ausbruch des Konflikts mit dem Iran stand Europa vor einer besonders schwierigen Sommerversorgungssituation", erklärte Analyst Jonathan Schroer von Unicredit. Die europäischen Gasvorräte seien Ende Februar nur zu 30 Prozent gefüllt gewesen - Ende Februar 2024 waren es demnach 62 Prozent. "Obwohl Europa weniger direkt von den LNG-Exporten aus Katar abhängig ist als China und andere asiatische Kunden", werde der Stillstand des Verkehrs in der Straße von Hormus den weltweiten Wettbewerb um die verbleibenden LNG-Lieferungen verschärfen.

Der Anstieg der Öl- und Gaspreise wirke sich "direkt auf die Handelsbilanzen, die Inflationserwartungen und den Druck auf die Währung aus", erklärt Analyst Stephen Innes. An den europäischen Börsen sanken die Kurse - vor allem von Fluggesellschaften, die nach einem kompletten Flugverbot in der Region am Dienstag wieder erste Flüge anbieten konnten.

In Frankfurt am Main gab der Dax in den ersten Handelsminuten um 2,15 Prozent nach. In Mailand sank der Index um 2,38 Prozent, in Paris um 1,83 Prozent, in London um 1,46 Prozent. Bereits am Montag waren die Kurse in Europa um rund zwei Prozent gefallen.

(P.Tomczyk--DTZ)

Empfohlen

EU-Expertengremium stellt Empfehlungen für Social-Media-Verbot vor

In der Debatte um ein EU-weites Social-Media-Verbot für Kinder stellt am Montag ein Expertengremium im Auftrag der EU-Kommission seine Empfehlungen vor. Beobachter erwarten, dass sich die Experten ähnlich äußern könnten wie ein deutsches Gremium, das im Juni seine Ergebnisse vorgelegt hatte. Es hatte zu einem gesetzlichen Mindestalter von 13 Jahren oder zu Beschränkungen für einzelne Dienste je nach Risiko geraten.

Drei Atomreaktoren in Frankreich wegen Hitzewelle heruntergefahren

In Frankreich sind wegen der starken Hitze am Sonntag drei Atomreaktoren vorübergehend heruntergefahren und sieben weitere gedrosselt worden. Aufgrund der Wetterbedingungen und zur Einhaltung der Vorschriften für die Ableitung von Kühlwasser "und damit zum Schutz der Umwelt" seien Reaktoren in Golfech an der Garonne, in Bugey an der Rhône sowie in Chooz an der Meuse abgeschaltet worden, teilte der Kraftwerksbetreiber EDF der Nachrichtenagentur AFP mit.

Energieversorger: Landesweiter Stromausfall in Kuba nach 24 Stunden behoben

Der zweite landesweite Stromausfall in Kuba binnen einer Woche ist nach Angaben des Versorgers beendet. "Um 06.30 Uhr (12.30 Uhr MESZ) heute Morgen wurde das nationale Stromsystem im gesamten Land wieder ans Netz gebracht", teilte das staatliche Elektrizitätsunternehmen (UNE) am Sonntag im Onlinedienst X mit. Mehr als 24 Stunden hatten die Techniker daran gearbeitet, das System wieder hochzufahren.

US-Armee: Schiffsverkehr durch Straße von Hormus fließt weiter

Trotz der Verkündung des Iran, die Straße von Hormus bis auf Weiteres zu schließen, fließt der Schiffsverkehr durch die für den Welthandel wichtige Meerenge nach Angaben der US-Armee weiterhin. "Der Iran kontrolliert die Meerenge nicht. Der Verkehr fließt", erklärte das zuständige US-Regionalkommando Centcom am Sonntag im Onlinedienst X.

Textgröße ändern: