Deutsche Tageszeitung - Asylanträge in der EU 2025 um 19 Prozent gesunken - Sorge mit Blick auf den Iran

Asylanträge in der EU 2025 um 19 Prozent gesunken - Sorge mit Blick auf den Iran


Asylanträge in der EU 2025 um 19 Prozent gesunken - Sorge mit Blick auf den Iran
Asylanträge in der EU 2025 um 19 Prozent gesunken - Sorge mit Blick auf den Iran / Foto: © AFP/Archiv

Die Asylanträge in der EU sind im vergangenen Jahr erneut deutlich gesunken. Bis Ende Dezember 2025 gingen rund 822.000 Asylanträge bei den EU-Ländern, der Schweiz und Norwegen ein, wie aus dem am Dienstag veröffentlichten Jahresbericht der EU-Asylagentur (EUAA) hervorgeht. Das ist ein Rückgang um 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Agentur warnte allerdings mit Blick auf den Iran vor möglichen Flüchtlingsbewegungen "beispiellosen Ausmaßes".

Textgröße ändern:

Rund 163.000 der Asylanträge wurden in Deutschland gestellt. Damit ist die Bundesrepublik nach wie vor das Land mit den meisten Asylanträgen. Allerdings sank die Zahl um 31 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

In Frankreich blieb die Zahl der Asylanträge mit 152.000 ungefähr gleich. In Spanien gingen mit 143.000 rund 15 Prozent weniger Anträge ein, in Italien (134.000) und Griechenland (62.000) waren es rund 16 Prozent weniger. Zusammen wurden in diesen fünf Ländern nach Angaben der EUAA 80 Prozent aller Asylanträge gestellt.

Mit dem Rückgang setzt sich der Trend der vergangen drei Jahre fort. Grund dafür sind laut EUAA weniger Asylanträge aus Syrien, Bangladesch und der Türkei. Trotz des allgemeinen Rückgangs stieg die Zahl der Asylanträge aus Afghanistan und Venezuela.

Infolge des Sturzes des langjährigen syrischen Präsidenten Baschar al-Assad im Dezember 2024 sanken die Asylanträge aus dem Land um 72 Prozent auf 42.000. Die meisten Asylanträge wurden 2025 mit 117.000 von Afghanen gestellt, bei 41 Prozent handelte es sich laut EUAA allerdings um Folgeanträge. Die Zahl der Asylanträge aus Venezuela steig im Vergleich zu 2024 um 23 Prozent auf 91.000. Rund 94 Prozent dieser Anträge wurden in Spanien gestellt.

EU-Migrationskommissar Magnus Brunner wertete den Rückgang der Asylanträge als Erfolg der europäischen Migrationspolitik. "Unsere europäische Migrationswende wirkt bereits", erklärte Brunner.

Die EU hat in den vergangenen Jahren ihre gemeinsame Asylpolitik deutlich verschärft. Dazu gehören unter anderem Zurückweisungen von Asylsuchenden an den EU-Außengrenzen, beschleunigte Asylverfahren sowie härtere Strafen gegen Menschen ohne Bleiberecht und Abschiebezentren in Drittländern.

Das "konsequente Engagement" in den Ländern entlang der Migrationsrouten werde "auch bei neuen Fluchtbewegungen helfen, früher und besser reagieren zu können", betonte er.

Solch neue Fluchtbewegungen könnten laut EUAA durch eine anhaltende Krise im Iran ausgelöst werden. "Bei einer Bevölkerung von etwa 90 Millionen Menschen könnte selbst eine teilweise Destabilisierung Flüchtlingsbewegungen von beispiellosem Ausmaß auslösen", heißt es in dem Bericht, der vor Beginn des Iran-Krieges verfasst wurde. Demnach wäre die Vertreibung von nur zehn Prozent der iranischen Bevölkerung mit den größten Flüchtlingsbewegungen der letzten Jahrzehnte vergleichbar.

In dem Bericht ist von einem "höchst spekulativen" Szenario die Rede. Nach einer neuen Einschätzung angesichts der Ausweitung des Iran-Kriegs gefragt erklärte die Agentur, sie sei "nicht in der Lage, sich zu den möglichen Auswirkungen der anhaltenden Feindseligkeiten im Nahen Osten zu äußern". Es wäre "unverantwortlich, hypothetische oder vorausschauende Aussagen zu treffen", hieß es.

Das Thema wird auch beim Treffen der EU-Innenminister am Donnerstag besprochen werden.

(U.Stolizkaya--DTZ)

Empfohlen

Taxi ohne Lenkrad: Tesla stellt "Cybercab" vor

Ein Taxi ohne Lenkrad und Pedale: Der Elektroautohersteller Tesla hat am Donnerstag in Austin im Bundesstaat Texas ein selbstfahrendes "Cybercab" vorgestellt. Mit dem Robotaxi will Tesla den Unternehmen Waymo und Uber Konkurrenz machen, die bereits zahlreiche selbstfahrende Taxis in den USA im Einsatz haben. Tesla-Chef Elon Musk veröffentlichte in seinem Onlinedienst X ein mit Künstlicher Intelligenz (KI) erzeugtes Foto eines riesigen Cybercab, das inmitten einer Staubwolke über die texanische Stadt Austin hinwegrollt.

Bundesdigitalminister Wildberger eröffnet Elektronikmesse IFA mit Rundgang

Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) unternimmt am Freitag (8.45 Uhr) gemeinsam mit dem Berliner Finanzsenator Stefan Evers (CDU) einen Eröffnungsrundgang auf der Elektronikmesse IFA in Berlin. Auch Pressestatements sind vorgesehen. Die Messe ist von Freitag bis Dienstag für Fachpublikum und Verbraucherinnen und Verbraucher geöffnet.

50.000 Stellen betroffen: Aufsichtsrat von Volkswagen stimmt Sanierungsplan zu

Der kriselnde Autobauer Volkswagen will in den kommenden Jahren weitere 50.000 Stellen streichen: Der VW-Aufsichtsrat hat dem Sanierungsplan von Europas größtem Autohersteller zugestimmt. Laut dem am Donnerstagabend nach Konzernangaben einstimmig beschlossenen sogenannten Zukunftsplan 2030 ist eine "konzernweite Anpassung der Beschäftigtenzahl in Höhe von rund 50.000 abzubauenden Stellen" vorgesehen - zusätzlich zu dem bereits vereinbarten Abbau von 50.000 Stellen.

OpenAI beginnt mit Einführung von neuem KI-Modell GPT-6

Das US-Unternehmen OpenAI hat am Donnerstag mit der Einführung seines neuen leistungsstarken Modells für Künstliche Intelligenz (KI), GPT-6, begonnen. Das auch als Astra bezeichnete Modell ist OpenAI zufolge zunächst einer "begrenzten Anzahl von Organisationen" vorbehalten, bevor es "in den kommenden Tagen" für zahlende ChatGPT-Abonnenten und Entwickler zugänglich gemacht wird. Es seien Vorkehrungen integriert, um Sicherheitsrisiken zu minimieren.

Textgröße ändern: