Deutsche Tageszeitung - Völkermord an Jesiden: Dschihadist in Paris in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt

Völkermord an Jesiden: Dschihadist in Paris in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt


Völkermord an Jesiden: Dschihadist in Paris in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt
Völkermord an Jesiden: Dschihadist in Paris in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt / Foto: © AL-FURQAN MEDIA/AFP/Archiv

Wegen Beteiligung am Völkermord an der Volksgruppe der Jesiden ist in Paris ein französischer Dschihadist in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Ein Schwurgericht befand Sabri Essid am Freitag des Völkermords, der Verbrechen gegen die Menschlichkeit und der Mittäterschaft bei diesen Verbrechen für schuldig. Es wird angenommen, dass Essid, der sich in Syrien der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) angeschlossen hatte, tot ist.

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"Sabri Essid hat am vom Islamischen Staat begangenen Völkermord teilgenommen", sagte der Vorsitzende des Schwurgerichts, Marc Sommerer. Er sei "Teil der kriminellen Kette gewesen, die daraus bestand, sehr viele (jesidische) Opfer zu kaufen, verkaufen, kaufen, verkaufen". Für das Gericht sei es "eindeutig, dass die Gruppe der Jesiden vom IS als religiöse Gruppe ins Visier genommen wurde".

Die Staatsanwaltschaft hatte dem Mann vorgeworfen, zwischen 2014 und 2016 jesidische Frauen und Mädchen versklavt und vergewaltigt und auch anderen IS-Mitgliedern Jesidinnen zugeführt zu haben. Drei jesidische Frauen und mehrere Menschenrechtsgruppen traten als Nebenklägerinnen auf.

Clémence Bectarte, Anwältin der drei Nebenklägerinnen, begrüßte den "Erfolg eines zehnjährigen Rechtsstreits" für ihre Mandantinnen. Diese hätten "den Mut, die Entschlossenheit gehabt, vor der Justiz auszusagen, obwohl sie wussten, dass nur einer ihrer zahlreichen Peiniger am Ende dieses Gerichtsverfahrens verurteilt werden würde".

"Sexuelle Gewalt war ein entscheidender Schritt in der Politik der Vernichtung der Jesiden", sagte die Prozessvertreterin des Innenministeriums, Sophie Havard. Essid sei "kein Vordenker der Vernichtungspolitik" gewesen, habe daran aber "aktiv teilgenommen", betonte sie. Essid sei ein "zutiefst gewalttätiger Mann, entschlossen, die Menschlichkeit seiner Opfer zu brechen", und "ein Mann, der den Völkermord verkörpert".

Es war das erste Verfahren in Frankreich im Zusammenhang mit den IS-Verbrechen gegen die Jesiden. Mehrere weitere werden vorbereitet. In den vergangenen Jahren waren in Europa mehrere IS-Mitglieder wegen des Völkermords an den Jesiden verurteilt worden, erstmals 2021 in Deutschland, im vergangenen Jahr auch in Schweden und Belgien. Ende 2025 wurde eine IS-Rückkehrerin in Koblenz wegen Versklavung einer Jesidin zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt.

Der 1984 in Toulouse geborene Essid hatte sich Anfang der 2000er Jahre radikalisiert. Er stand unter anderem mit den Dschihadisten Fabien und Jean-Michel Clain in Kontakt, die französischsprachige Propaganda für den IS machten und die Anschläge in Paris vom 13. November 2015 für den IS reklamierten.

Essid war bereits 2009 in Frankreich wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu fünf Jahren Haft verurteilt worden, davon eines auf Bewährung. 2014 soll er sich in Syrien dem IS angeschlossen haben. Er ist unter anderem in einem Propagandavideo zu sehen, in dem er seinen zwölf Jahre alten Stiefsohn auffordert, eine palästinensische Geisel durch einen Kopfschuss zu töten.

Essid soll 2018 unter ungeklärten Umständen ums Leben gekommen sein. Havard verwies vor Gericht darauf, dass es bezüglich seines Todes "Schattenzonen" gebe. Während des Prozesses hatte Essids als Zeugin geladene Ehefrau Zweifel an seinem Tod geäußert. Aus diesem Grund erhielt das Gericht bei der Urteilsverkündung den Haftbefehl gegen Essid aufrecht. Die Ehefrau ist seit ihrer Rückkehr nach Frankreich inhaftiert.

Der IS hatte 2014 das Sindschar-Gebirge im Nordirak erobert, wo die Minderheit der Jesiden seit Jahrhunderten lebt. Die Dschihadisten zwangen jesidische Frauen und Mädchen in die Sklaverei, rekrutierten Jungen als Kindersoldaten und töteten tausende Männer.

Der Bundestag erkannte die Gewalttaten gegen die Jesiden im Irak 2023 als Völkermord an. In Deutschland leben rund 250.000 Menschen mit jesidischen Wurzeln, es ist die größte jesidische Diaspora in Europa.

(O.Tatarinov--DTZ)

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