Deutsche Tageszeitung - Bundesrat stimmt Tariftreuegesetz zu

Bundesrat stimmt Tariftreuegesetz zu


Bundesrat stimmt Tariftreuegesetz zu
Bundesrat stimmt Tariftreuegesetz zu / Foto: © AFP/Archiv

Öffentliche Bau- und Dienstleistungsaufträge des Bundes sollen nur noch an Unternehmen mit fairen Arbeitsbedingungen vergeben werden. Darauf zielt das sogenannte Tariftreuegesetz ab, das der Bundesrat am Freitag abschließend billigte. Damit kann das zuvor bereits vom Bundestag verabschiedete Gesetz in Kraft treten.

Textgröße ändern:

Das Tariftreuegesetz ist ein Kernanliegen der SPD in der Koalition mit der Union. Es soll Nachteile für Unternehmen beseitigen, die tarifliche - und damit oft höhere - Löhne bezahlen. Der Bund soll öffentliche Aufträge künftig nur noch Firmen erteilen, die Tarifverträge einhalten oder ihren Beschäftigten ähnlich gute Bedingungen bieten.

"Mit diesem Gesetz stärken wir vielen Betrieben den Rücken, die sich an die Regeln halten und fair bezahlen", sagte Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) in der Länderkammer. "Wer nach Tarif bezahlt, darf eben nicht im Nachteil sein." Bas lobte das Gesetz als "kraftvolles Zeichen für gute Arbeit, faire Löhne in unserem Land, für fairen Wettbewerb und klare Spielregeln bei der öffentlichen Auftragsvergabe".

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) wies im Bundesrat darauf hin, dass Kommunen, Länder und Bund "starke Auftraggeber" seien - "jetzt erst recht, mit dem großen Sondervermögen", fügte sie hinzu. "Wenn wir öffentliche Aufträge vergeben, haben wir die Verantwortung, dafür zu sorgen, dass dieses Steuergeld dorthin geht in Unternehmen, die gute und faire Löhne zahlen."

Das Gesetz gilt auf Bundesebene für Bau- und Dienstleistungen ab einem Auftragswert von 50.000 Euro. Lieferverträge sowie alle Aufträge der Bundeswehr sind von der Tarifbindungs-Vorgabe allerdings grundsätzlich ausgenommen. Darunter fallen Lieferungen etwa von Fahrzeugen, Ausrüstungen und Material. Aufträge in diesem Bereich fallen nicht unter das Gesetz. Nach Angaben der Union, die das Gesetz kritisch sieht, reduziert sich der Anwendungsbereich des Gesetzes dadurch um ein Drittel.

Das Tariftreuegesetz verfolgt das Ziel, den Wettbewerb um öffentliche Aufträge und Konzessionen auf eine faire Grundlage zu stellen. So soll bei der Vergabe öffentlicher Aufträge der Verdrängungswettbewerb über die Lohn- und Personalkosten eingeschränkt werden.

Die Arbeitgeber sehen das neue Gesetz sehr kritisch. Sie bemängeln komplizierte Vorschriften und warnen vor bürokratischen Lasten. Die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände hatte die Vorlage als "vermurkstes Gesetz" bezeichnet.

(A.Nikiforov--DTZ)

Empfohlen

"Wunderschöner Anblick": Artemis-Crew hat Hälfte der Strecke zum Mond zurückgelegt

Die Astronauten der Artemis-2-Mission haben mehr als die halbe Strecke zum Mond zurückgelegt und einen fantastischen Blick auf den Erdtrabanten wie auch die Erde. "Wir können den Mond gerade aus der Luke sehen, es ist ein wunderschöner Anblick", sagte die US-Astronautin Christina Koch am Samstagmorgen (MESZ) während einer Live-Übertragung der Nasa. Die US-Raumfahrtbehörde veröffentlichte derweil faszinierende Aufnahmen von der Erde, die von der Orion-Raumkapsel aus aufgenommen wurden.

Deutschland und weitere Länder fordern EU zu Prüfung von Übergewinnsteuer auf

Deutschland und vier andere europäische Staaten haben die EU aufgefordert, Maßnahmen für eine Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne zu prüfen. Eine solche sei bereits 2022 als Notfallreaktion auf hohe Energiepreise genutzt worden, heißt es in einem Brief an EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra, welcher der Nachrichtenagentur AFP am Samstag vorlag. "Angesichts der derzeitigen Marktverzerrungen und finanzpolitischen Zwänge" sollte die Europäische Kommission nun "zügig" ein ähnliches EU-weites Instrument ausarbeiten.

ADAC: Neue Preisregel für Tankstellen hat Preisniveau nicht reduziert

Der ADAC hat nach knapp drei Tagen ein vorläufiges negatives Fazit zu der von der Bundesregierung eingeführten Preisregel für Tankstellen gezogen. "Aus Sicht des ADAC hat die Umstellung auf das sogenannte Österreich-Modell das hohe Preisniveau nicht reduziert", erklärte der Club am Freitag. "Stattessen hat es die Entwicklung nach oben eher befördert."

DIHK: Jeder sechste Industriebetrieb verdient durch Verteidigungsindustrie

Jeder sechste Industriebetrieb in Deutschland ist nach Angaben der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) bereits in die Wertschöpfungskette der Verteidigungsindustrie eingebunden. Besonders hoch sei der Anteil mit 36 Prozent im Fahrzeugbau, zitierte die "Wirtschaftswoche" am Freitag aus einer Sonderauswertung der aktuellen DIHK-Konjunkturumfrage. Demnach sehen fast ein Drittel der befragten Industrieunternehmen Chancen für das eigene Geschäftsmodell in der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie.

Textgröße ändern: