Deutsche Tageszeitung - Deutsche Bahn macht erneuten Milliardenverlust - Palla sieht aber "Trendwende"

Deutsche Bahn macht erneuten Milliardenverlust - Palla sieht aber "Trendwende"


Deutsche Bahn macht erneuten Milliardenverlust - Palla sieht aber "Trendwende"

Die Deutsche Bahn hat im vergangenen Jahr unter dem Strich erneut einen Milliardenverlust gemacht. Nach Steuern blieb ein Minus von 2,3 Milliarden Euro, wie aus dem am Freitag veröffentlichten Bilanzbericht hervorgeht. Stark negativ wirkte sich unter anderem eine Abschreibung von 1,4 Milliarden Euro im Fernverkehr aus, die sich aus verschlechterten Umsatzerwartungen angesichts der maroden Infrastruktur ergibt. Bahn-Chefin Evelyn Palla sieht den Konzern dennoch auf dem Weg der Besserung.

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Der Konzernumsatz stieg den Angaben nach um drei Prozent auf 27 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis verbesserte sich um 630 Millionen auf ein Plus von 297 Millionen Euro. Bahn-Chefin Evelyn Palla sprach angesichts dieser Zahlen von einem "wichtigen Schritt nach vorne". Es zeichne sich eine "Trendwende" ab. "Besser ist aber noch nicht gut genug."

Die Abschreibung im Fernverkehr sei Ausdruck eines "neuen Realismus", sagte Palla. "Baustellen und Einschränkungen werden uns noch über Jahre begleiten und insbesondere den Fernverkehr mit seinen langen Laufwegen spürbar belasten." Es werde mindestens zehn Jahre dauern, die Schiene wieder in einen guten Zustand zu bringen. "Diese Realität müssen wir klar benennen und auch in unseren Zahlen abbilden."

Im Bilanzbericht ist von einem "Einstieg in die Sanierung" für den Fernverkehr die Rede. Das operative Ergebnis des Sparte verbesserte sich demnach von minus 96 Millionen Euro im Vorjahr auf ein Plus von 45 Millionen Euro. "Umsatz und Verkehrsleistung sind auf ein neues Rekordniveau gestiegen, bleiben jedoch aufgrund der infrastrukturellen Rahmenbedingungen hinter den Erwartungen zurück."

Die Pünktlichkeit im Fernverkehr fiel noch schlechter aus als 2024. 60,1 Prozent der Fernverkehrszüge waren pünktlich, nach 62,5 im Vorjahr. "Auch im Super-Baujahr 2026 wird die Pünktlichkeit unter Druck bleiben", prophezeite die Bahn bereits.

Zugleich wuchs die Zahl der Reisenden weiter an - im Vorjahresvergleich um 3,4 Prozent auf 1,93 Milliarden, vor allem im Regional- und Nahverkehr. Auch die Verkehrsleistung stieg um 2,7 Prozent auf rund 87 Milliarden Personenkilometer.

Der Fahrgastverband Pro Bahn sieht die Bahn unter Palla auf dem richtigen Weg. Der Vorsitzende Detlef Neuß sagte der "Rheinischen Post", sie habe "damit aufgehört, die Fahrgäste zu belügen und ihnen zu erzählen, alles wird innerhalb kurzer Zeit gut". Um ihre Ziele zu erreichen, brauche Palla aber die Unterstützung der Politik. "Da werden wir noch sehen, ob das funktioniert."

"Die Passagierzahlen belegen es eindeutig: Deutschland braucht die Bahn und Deutschland will die Bahn", erklärte Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU). Für die Überwindung der bestehenden Probleme sieht er den Konzern in der Verantwortung. Die DB müsse noch "eine Vielzahl an Herausforderungen meistern", erklärte er. Der Bund habe "finanziell mit weitreichenden und langfristigen Finanzierungszusagen für die Ertüchtigung der Bahninfrastruktur" die Voraussetzung dafür geschaffen.

Der Bahnexperte der Grünen, Matthias Gastel, widerspricht. "Jetzt kommt es darauf an, dass der Bund die Deutsche Bahn besser steuert und die Deutsche Bahn den Betrieb spürbar stabilisiert", erklärte er. "Das Verschleppen bei der Sanierung und dem Ausbau des Schienennetzes durch diese Bundesregierung wird zunehmend zum Problem auch für die wirtschaftliche Lage der Bahn."

Mit dem vollzogenen Verkauf der ehemaligen Bahn-Tochter Schenker wirkte sich ein weiterer Sondereffekt stark auf die Bilanz aus. Die Erlöse aus dem Verkauf bescherten der Deutschen Bahn demnach einen Jahresüberschuss von 5,3 Milliarden Euro. Die Mittel seien aber vorrangig für den Schuldenabbau eingesetzt worden.

(N.Loginovsky--DTZ)

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