Deutsche Tageszeitung - "Christliches Abendland" als Kampfbegriff: Bischöfe kritisieren Instrumentalisierung

"Christliches Abendland" als Kampfbegriff: Bischöfe kritisieren Instrumentalisierung


"Christliches Abendland" als Kampfbegriff: Bischöfe kritisieren Instrumentalisierung
"Christliches Abendland" als Kampfbegriff: Bischöfe kritisieren Instrumentalisierung / Foto: © AFP/Archiv

Die Deutsche Bischofskonferenz hat eine Instrumentalisierung christlichen Glaubens für eine Politik der Ausgrenzung kritisiert. Es werde wieder zunehmend von einem "christlichen Abendland" im Sinne eines religiös oder kulturell homogenen "Einheitseuropa" geredet, erklärte das gemeinsame Leitungsgremium der katholischen Bischöfe am Freitag in Bonn. Dies greife "theologisch und historisch zu kurz".

Textgröße ändern:

"Das Christentum hat das heutige Europa wesentlich geprägt, ohne es exklusiv zu definieren", hieß es in einem von der Bischofskonferenz verfassten Text zum Selbstverständnis Europas. Nach eigenen Angaben wendet diese sich damit auch gegen "die Konzeption eines 'christlichen Abendlands' als politischer Kampfbegriff". Europa sei ein "Friedens-, Freiheits- und Demokratieprojekt", heiß es im Papier.

Darin stärken die Bischöfe zugleich dem zuletzt von der US-Regierung wegen Friedensappellen im Kontext des Kriegs zwischen den USA sowie Israels und dem Iran scharf angegangenen Papst Leo XIV den Rücken. Sie würden diesem bei seinem Einsatz für Frieden "folgen", erklärte der Konferenzvorsitzende, der Münsteraner Bischof Heiner Wilmer.

In dem Papier heißt es weiter, der Botschaft des Evangeliums zufolge sei "wahrer Frieden zugleich Geschenk Gottes und ein Auftrag an alle Menschen". Das beinhalte "die Verteidigung von Demokratie und Recht".

In Europa und den USA setzen rechte und rechtspopulistische Kräfte vielfach auf christliche Rhetorik und christliche Symbolik. Sie nutzen diese unter anderem in ihrem Kampf gegen Zuwanderung und von ihnen abgelehnte liberalere Entwicklungen innerhalb der Gesellschaft.

(A.Nikiforov--DTZ)

Empfohlen

Urteil: Gesundheits-Apps sind nicht von Umsatzsteuer befreit

Gesundheits-Apps sind einem Gerichtsurteil zufolge nicht wie reguläre Behandlungen von der Umsatzsteuer befreit. Das entschied das Sächsische Finanzgericht in Leipzig bereits im März, wie eine Gerichtssprecherin am Montag in Leipzig mitteilte.

Mögliche AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt: Migrantenverbände fordern Schutzmaßnahmen

Angesichts einer möglichen AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt haben Migrantenverbände Bund und Länder in einem offenen Brief zum Handeln aufgefordert. Vier Organisationen riefen am Montag Kanzler Friedrich Merz (CDU) und die Regierungschefinnen und -chefs der Länder auf, umgehend eine Bund-Länder-Kommission zum Schutz von Minderheiten einzurichten. Zudem müssten Wohnsitzauflagen für Asylbewerber und Flüchtlinge aufgehoben werden, damit diese Sachsen-Anhalt bei Bedrohungen notfalls verlassen könnten.

Umfrage: Mehr als ein Viertel der Eltern in Deutschland raucht

Mehr als ein Viertel der Eltern in Deutschland raucht einer Umfrage zufolge. Das geht aus einer Befragung der Krankenkasse KKH hervor, die am Montag in Hannover vorgestellt wurde. Demnach rauchen 27 Prozent der Mütter und Väter Zigaretten, Zigarillos oder Pfeifen. 17 Prozent von ihnen tun dies sogar täglich. Befragt wurden 1.005 gesetzlich und privat versicherte Eltern.

Berlin: Haus-Eigentümer warnen vor wohnungspolitischen Plänen von Linken, Grünen und SPD

Der Eigentümerverband Haus & Grund warnt vor dem wohnungspolitischen Kurs von Linken, Grünen und SPD in Berlin. Geplante Vergesellschaftungen, eine neue Mietenaufsicht und eine Schwerpunktabteilung bei der Staatsanwaltschaft stünden für einen grundlegend falschen Umgang mit privatem Eigentum und privaten Vermietern, erklärte der Verband am Montag.

Textgröße ändern: