Deutsche Tageszeitung - Fachkräfte, Energie, Autos: Deutschland und Marokko planen mehr Zusammenarbeit

Fachkräfte, Energie, Autos: Deutschland und Marokko planen mehr Zusammenarbeit


Fachkräfte, Energie, Autos: Deutschland und Marokko planen mehr Zusammenarbeit
Fachkräfte, Energie, Autos: Deutschland und Marokko planen mehr Zusammenarbeit / Foto: © AFP

Deutschland und Marokko wollen ihre wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit vertiefen. Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) betonte bei einem Besuch in Rabat am Donnerstag die wirtschaftlichen Chancen für deutsche Unternehmen in dem "Schlüsselland" in Afrika und warb für eine verstärkte Anwerbung von Fachkräften. "Da gibt es ein großes Potenzial", sagte er. Sein marokkanischer Kollege Nasser Bourita warb seinerseits für weitere deutsche Investitionen im Land.

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Wadephul sagte bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bourita, es bestehe eine "große Übereinstimmung in vielen Fragen". Es gebe "gemeinsame Sicherheitsinteressen" und gute wirtschaftliche Beziehungen. "Wir sehen Marokko als ein wirtschaftliches Powerhouse an, und das bietet eine gute Grundlage für eine weitere Zusammenarbeit."

"Wir wollen im Automobilbereich, im Energiebereich, im Maschinenbau und in der Landwirtschaft eng zusammenarbeiten", fügte der Minister hinzu. Er verwies dabei unter anderem auf die Erneuerbaren Energien und die Produktion von Wasserstoff.

Zudem müsse die Anwerbung von Arbeitskräften verstärkt werden, sagte Wadephul. Deutschland habe "einen immensen Bedarf" an gut ausgebildeten Fachkräften, etwa im Gesundheits- und Pflegebereich.

Der Bundesaußenminister hielt sich zwei Tage lang in Marokko auf, um den strategischen Dialog mit dem nordafrikanischen Land fortzusetzen. Der Maghreb-Staat ist nach Südafrika der zweitgrößte Handelspartner Deutschlands in Afrika und in der von zahlreichen Konflikten geprägten Region auch ein wichtiger politischer Akteur.

Die bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Marokko zeigten eine "positive Dynamik", sagte seinerseits der marokkanische Außenminister Bourita. Rabat wolle die Beziehungen auf ein "höheres Niveau" führen. Bourita äußerte sich zudem positiv zur deutschen Bewerbung um einen nicht-ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat ab 2027. Deutschland habe "großes Gewicht in regionalen und internationalen Fragen", sagte er.

Deutschland und Marokko hatten 2022 einen Neustart ihrer Beziehungen vereinbart, nachdem es zuvor zu Differenzen gekommen war - insbesondere hinsichtlich des Status der von Marokko beanspruchten Westsahara.

Wadephul betonte in Rabat die deutsche Unterstützung für "eine politische Lösung unter UN-Ägide". Deutschland befürworte die im Oktober verabschiedete UN-Resolution. Es sei klar, dass "eine gerechte und dauerhafte und für alle Seiten annehmbare politische Lösung" nur durch Verhandlungen erreicht werden könne.

Die Westsahara war bis 1975 eine spanische Kolonie. Danach führte Marokko einen 15-jährigen Krieg gegen die Unabhängigkeitsbewegung Polisario-Front. Marokko betrachtet die rohstoffreiche und an der fischreichen Atlantikküste gelegene Region als sein Hoheitsgebiet. Die von Algerien unterstützte Polisario-Front beharrt dagegen auf einem Unabhängigkeitsreferendum.

Wadephul dankte Marokko bei einem Besuch des königlichen Mausoleums in Rabat zudem für den Schutz von durch den Holocaust bedrohten Juden während des Zweiten Weltkriegs. "In großer Hochachtung für die unerschrockene Haltung zum Schutz von Juden und Flüchtlingen aus Europa in der Zeit des Nationalsozialismus", schrieb Wadephul in das Gästebuch. "Wir werden dies nie vergessen."

Mohammed V. - der von 1927 bis 1961 zunächst als Sultan und später als König Marokko regierte - weigerte sich während des Zweiten Weltkriegs, die von der pro-deutschen Vichy-Regierung Frankreichs erlassenen antijüdischen Gesetze anzuwenden. Heute wird die jüdische Gemeinde im Königreich auf etwa 2000 Menschen geschätzt und ist somit die größte in Nordafrika.

Marokko hatte Ende 2020 im Zuge der sogenannten Abraham-Abkommen, die US-Präsident Donald Trump während seiner ersten Amtszeit auf den Weg gebracht hatte, seine Beziehungen zu Israel normalisiert.

(L.Svenson--DTZ)

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