Deutsche Tageszeitung - Nach Trumps Drohung: EU drängt auf Einhaltung von Zolldeal

Nach Trumps Drohung: EU drängt auf Einhaltung von Zolldeal


Nach Trumps Drohung: EU drängt auf Einhaltung von Zolldeal
Nach Trumps Drohung: EU drängt auf Einhaltung von Zolldeal / Foto: © AFP/Archiv

Die EU pocht nach der Drohung von US-Präsident Donald Trump mit höheren Autozöllen auf die Einhaltung einer Vereinbarung aus dem vergangenen Jahr. "Ein Deal ist ein Deal", sagte EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen am Dienstag während eines Besuchs in der armenischen Hauptstadt Eriwan. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron drohte mit einem Gegenschlag, sollt Trump seine Drohung wahrmachen. EU-Handelskommissar Maros Sefcovic traf derweil den US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer.

Textgröße ändern:

Trump hatte am Freitag eine deutliche Steigerung der Einfuhrzölle auf Autos und Lkw aus der EU angekündigt. Sie sollen ihm zufolge von bislang 15 Prozent auf 25 Prozent steigen. Die Zollerhöhung würde deutsche Autobauer besonders hart treffen.

Die USA würden mit der Erhöhung gegen eine Abmachung aus dem vergangenen August verstoßen, in der Trump zugesagt hatte, den Zollsatz auf 15 Prozent zu begrenzen. Der US-Präsident warf der EU vor, ihren Teil der Vereinbarung nicht einzuhalten. Dabei geht es vor allem um eine Abschaffung europäischer Zölle auf US-Industrieprodukte, die noch zwischen dem Europaparlament und dem Rat der 27 EU-Staaten verhandelt wird.

Der europäische Autobauerverband Acea rief die Beteiligten auf, die Verhandlungen "so schnell wie möglich" abzuschließen. Zuvor hatte der US-Handelsbeauftragte Greer beklagt, die EU-Verfahren gingen "sehr langsam voran". Die Abgeordneten im Europaparlament hatten die Verhandlungen mehrfach ausgesetzt, weil Trump mit neuen Aufschlägen drohte und der Oberste US-Gerichtshof einen Teil der Zölle kippte.

Von der Leyen forderte, "die demokratischen Verfahren" zu respektieren. Die EU befinde sich "in der Schlussphase" der Verhandlungen. Für Mittwoch ist eine weitere Verhandlungsrunde angesetzt, eine Einigung wird aber noch nicht erwartet. Sie erwägen unter anderem, die Zollabschaffung daran zu knüpfen, dass die US-Seite ihre Zusagen voll einhält.

Die EU sei "auf alle Szenarien vorbereitet", sagte von der Leyen weiter. Die Kommission hat eine Liste an Gegenzöllen in der Schublade, welche die EU-Staaten während des Zollstreits im vergangenen Jahr vorbereitet hatten, die aber nie zum Einsatz kam. Eskaliert der Konflikt, ist auch ein Vorgehen gegen US-Dienstleister und -Digitalkonzerne denkbar.

"Wenn das eine oder andere Land mit Zöllen bedroht wird, hat die Europäische Union Instrumente zur Verfügung, die dann auch zum Einsatz kommen müssen", sagte Frankreichs Präsident Macron am Dienstag. Er erklärte, sowohl die EU als auch die USA hätten "in der derzeitigen geopolitischen Lage Besseres zu tun, als mit Destabilisierung zu drohen".

Die EU setzt zunächst jedoch auf Verhandlungen. Handelskommissar Maros Sefcovic traf am Dienstagmittag den US-Handelsbeauftragten Greer in Paris, wo beide an einem Ministertreffen der G7-Staaten teilnahmen.

Bei dem Gespräch zwischen Sefcovic und Greer soll es auch um die hohen Stahlzölle der USA gehen. Diese liegen weiterhin bei 50 Prozent, die EU hat in den Verhandlungen bislang kaum Zugeständnisse erreicht.

(I.Beryonev--DTZ)

Empfohlen

Wohnungsnot in Portugal: Protestcamp in Lissabon errichtet

In der portugiesischen Hauptstadt Lissabon ist - wie bereits in der spanischen Hauptstadt Madrid - ein Protestcamp gegen die Wohnungskrise errichtet worden. Nach einer Demonstration versammelten sich am Samstagabend hunderte Protestierer auf dem Rossio-Platz in Herzen von Lissabon und bauten dutzende Zelte auf, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten.

Hunderttausende Teilnehmer und heftige Zusammenstöße bei Protesttag in Frankreich

Hunderttausende Teilnehmer, Gebäude in Flammen, Tränengasschwaden und dutzende Festnahmen: Am landesweiten Protesttag gegen hohe Lebenshaltungskosten und Missstände im Bildungssystem ist es zu heftigen Zusammenstößen mit der Polizei gekommen. Nach Angaben der Organisatoren gingen am Samstag rund 800.000 Menschen im ganzen Land auf die Straße. Von Marseille bis Lille kam es dabei zu Ausschreitungen, mehr als 272 Menschen wurden festgenommen. In Saint-Etienne verlor erneut ein Demonstrant durch eine Polizeigranate seine Hand.

Protesttag in Frankreich: Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Polizei

Bei einer Großdemonstration in Paris im Rahmen eines landesweiten Protesttags gegen hohe Lebenshaltungskosten und Missstände im Bildungssystem ist es am Samstagmittag zu heftigen Zusammenstößen zwischen der Polizei und den Protestierenden gekommen. Am Platz der Republik setzten die Beamten mehrfach Tränengas ein, während die Demonstranten Feuerwerkskörper zündeten, wie eine Reporterin der Nachrichtenagentur AFP beobachtete.

Fast zwei Billionen: US-Neuverschuldung steigt unter Trump auf Fünf-Jahres-Hoch

Die Neuverschuldung der USA ist trotz der von Präsident Donald Trump angekündigten Ausgabenkürzungen auf den höchsten Stand seit 2021 gestiegen. Im Haushaltsjahr 2026, das Ende September endete, betrug das Defizit 1,99 Billionen Dollar und damit zwölf Prozent mehr als im Vorjahr, wie das Finanzministerium am Freitag in Washington mitteilte.

Textgröße ändern: