Deutsche Tageszeitung - Forschungsministerin Bär stellt Bafög-Erhöhung zur Disposition - SPD empört

Forschungsministerin Bär stellt Bafög-Erhöhung zur Disposition - SPD empört


Forschungsministerin Bär stellt Bafög-Erhöhung zur Disposition - SPD empört
Forschungsministerin Bär stellt Bafög-Erhöhung zur Disposition - SPD empört / Foto: © AFP

In der schwarz-roten Koalition haben Äußerungen von Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) zur geplanten Bafög-Erhöhung für Irritationen gesorgt. Die Ministerin machte am Wochenende deutlich, dass sie nicht mehr mit einer baldigen Reform der Ausbildungsförderung rechnet. Die SPD im Bundestag zeigte sich darauf empört und pochte auf die in der Koalition vereinbarte Umsetzung zum Herbst. Bärs Ministerium bekräftigte schließlich diesen Zeitplan.

Textgröße ändern:

"Mein Haus hat alle Weichen gestellt für die Bafög-Reform, und wir sind auch im Zeitplan", sagte Bär den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Ich habe aber auch gehört, dass die Reform von den Regierungsfraktionen nicht mehr unterstützt wird."

Bär zeigte aber Verständnis für einen möglichen Stopp der Bafög-Reform. "Wenn Pflegebedürftige sparen sollen und beim Elterngeld Kürzungen vorgenommen werden, dann ist nachvollziehbar, dass man nicht gleichzeitig an anderer Stelle große zusätzliche Leistungen verspricht", sagte sie. "Politik besteht eben darin, Prioritäten zu setzen." Es bringe "auch nichts, Forderungen ins Parlament einzubringen, von denen man weiß, dass sie keine Mehrheit finden".

Dies stieß auf entschiedenen Widerspruch der SPD im Bundestag. Die Sozialdemokraten stünden "geschlossen" zur Umsetzung der Koalitionsvereinbarung zum Bafög, erklärte die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Wiebke Esdar. Bärs Äußerungen seien "schlicht falsch und nicht zutreffend". Esdar warnte auch vor einem Schaden für die Koalition, sollte es zu einer einseitigen Aufkündigung der vereinbarten Reform durch die Union kommen.

Im Koalitionsvertrag hatten sich CDU, CSU und SPD auf eine Bafög-Novelle geeinigt, die zum Wintersemester 2026/2027 eine Erhöhung der Wohnkostenpauschale von 380 auf 440 Euro pro Monat vorsieht. Der Grundbedarf für Studierende soll in zwei Schritten zum Wintersemester 2027/28 und 2028/29 an das Grundsicherungsniveau angepasst werden. Das Forschungsministerium hatte Ende April mitgeteilt, dass sich die Koalition im Zuge der Haushaltsverhandlungen auf die Finanzierung geeinigt habe.

Für Verstimmungen mit der SPD hatte vor gut einer Woche schon Unions-Fraktionschef Jens Spahn (CDU) gesorgt, als er in einem Interview sagte, das Bafög könne wie andere Leistungen absehbar nicht erhöht werden. Bär beschrieb die Situation für Studenten in Deutschland nun als privilegiert., weil es etwa keine Studiengebühren gebe. Es sei auch "kein Drama, wenn Studierende neben dem Studium jobben - viele sammeln dabei sogar wichtige Erfahrungen fürs Leben und den Beruf".

Bärs Ministerium veröffentlichte aber nach dem SPD-Protest am späten Sonntagnachmittag eine kurze Mitteilung im Online-Dienst X. Das Ressort arbeitet demnach daran, "dass die Bafög-Reform Ende Juli im Kabinett verabschiedet wird und zum Wintersemester 2026/27 in Kraft treten kann". Dies würde den vereinbarten Plänen entsprechen. Weitere Erläuterungen gab es auch auf Nachfrage nicht.

In der Opposition stießen Bärs Äußerungen auf scharfe Kritik: Die Linken-Politikerin Nicole Gohlke warf Bär vor, sie verhöhne "die Lebensrealität von hunderttausenden Studierenden, die schon heute nicht mehr wissen, wie sie Miete und Lebensmittel bezahlen sollen. Die stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende Misbah Khan warf der Bundesregierung vor, sie lasse "Studierende mit horrenden Mieten und steigenden Lebenshaltungskosten allein". Der AfD-Bildungspolitiker Christoph Birghan warf Bär "Ideenlosigkeit" vor und sprach von einem "Armutszeugnis".

"Die Bundesforschungsministerin hat offenbar jegliches Interesse an der jungen Generation verloren", erklärte seinerseits der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Studierendenwerks (DSW), Matthias Anbuhl. Bär habe sich "von der Lebenswirklichkeit der Studierenden anscheinend völlig entkoppelt".

Anbuhl warnte auch vor politischen Folgen: "Die Union hat bei den jüngsten Wahlen drastisch an Zustimmung bei jungen Wählerinnen und Wählern verloren", erklärte er. "Sollte die Koalition tatsächlich ihr Bafög-Versprechen brechen, dürfte sich dieser Trend fortsetzen."

(L.Svenson--DTZ)

Empfohlen

Weltnichtrauchertag: Drogenbeauftragter fordert deutliche Erhöhung der Tabaksteuer

Anlässlich des Weltnichtrauchertags an diesem Sonntag hat der Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Hendrik Streeck (CDU), deutlich höhere Preise für Zigaretten und Vapes, also Einweg-E-Zigaretten, gefordert. Der Preis dieser Produkte müsse "spürbar steigen", sagte Streeck der "Rheinischen Post" vom Sonntag.

Softbank kündigt Rekord-Investition von 75 Milliarden Euro in KI-Infrastruktur in Frankreich an

Der japanische Investor Softbank will nach eigenen Angaben die Rekordsumme von 75 Milliarden Euro in den Ausbau der KI-Infrastruktur in Frankreich investieren. "Es wird die größte Investition in Europa in die Infrastruktur im Bereich der Künstlichen Intelligenz sein", sagte Softbank-Chef Masayoshi Son am Samstag der Zeitung "La Tribune Dimanche". 45 Milliarden Euro sollen demnach bis 2031 in den Bau von Rechenzentren in der nördlichen Region Hauts-de-France fließen.

Vermeintliche Drohnensichtung legt Flugbetrieb in München vorübergehend lahm

Eine vermeintliche Drohnensichtung hat den Betrieb am Flughafen München vorübergehend lahmgelegt. Starts und Landungen wurden am Samstagmorgen für rund eine Stunde eingestellt, nachdem zwei Piloten mögliche Drohnen am Flughafen gemeldet hatten. Eine Überprüfung durch die Polizei ergab aber keine Gefährdung. Für Fluggäste bedeutete der Vorfall Verspätungen oder Umleitungen zu anderen Airports.

75 Euro: Union fordert von Adidas vor WM günstigeren Preis für Kindertrikot

Angesichts eines Preises von 75 Euro für ein Kindertrikot der deutschen Nationalmannschaft drängt die Union den Adidas-Konzern zu einer Preissenkung noch vor der Fußball-Weltmeisterschaft. 75 Euro für ein Kindertrikot seien für viele Familien "eine enorme finanzielle Herausforderung", sagte der sportpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Stephan Mayer (CSU), der "Rheinischen Post" (Samstagsausgabe). "Gerade hier würde ich mir wünschen, dass Adidas eine Möglichkeit findet, zumindest diese Trikots deutlich günstiger anzubieten."

Textgröße ändern: