Deutsche Tageszeitung - "Soziale Spaltung verschärft sich": Paritätischer legt neuen Armutsbericht vor

"Soziale Spaltung verschärft sich": Paritätischer legt neuen Armutsbericht vor


"Soziale Spaltung verschärft sich": Paritätischer legt neuen Armutsbericht vor
"Soziale Spaltung verschärft sich": Paritätischer legt neuen Armutsbericht vor / Foto: © AFP/Archiv

Die Zahl der in Armut lebenden Menschen in Deutschland steigt einer neuen Untersuchung zufolge. Rund 13,3 Millionen Menschen seien von Armut betroffen, die Armutsquote steige damit auf 16,1 Prozent, heißt es in dem am Dienstag veröffentlichten Armutsbericht des Paritätische Gesamtverbands. Er spricht von "alarmierenden Befunden", die soziale Spaltung in Deutschland verschärfe sich. Die Armut nehme über die Bevölkerungsgruppen hinweg insgesamt zu; sie verfestige sich besonders bei Älteren, Frauen und Alleinerziehenden.

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Mit einer Armutsquote von 19,5 Prozent ist inzwischen laut Verband fast jeder fünfte Mensch ab 65 Jahren betroffen, bei Frauen über 75 Jahren sind es 21,3 Prozent. Alleinlebende tragen mit 30,3 Prozent ein besonders hohes Armutsrisiko, Alleinerziehende mit 28,9 Prozent.

Die Folgen seien längst im Alltag angekommen - am Küchentisch, beim Einkauf, bei der Frage, ob eine vollwertige Mahlzeit noch bezahlbar ist, erklärte Verbandsgeschäftsführer Joachim Rock. "Dass ältere Menschen nach einem langen Erwerbsleben und Haushalte mit Kindern besonders betroffen sind, zeigt die schon jetzt bestehenden Defizite im Sozialstaat."

Rock richtete einen Appell an die Politik: "Wer in der Krise den Sozialstaat weiter abbaut, der vertieft die Krise. Die Bundesregierung ist aufgefordert, diesen Kurs zu stoppen und endlich eine Politik zu machen, die Armut bekämpft statt verwaltet."

Im vergangenen Jahr hatte der Verband die Gesamt-Armutsquote noch mit 15,5 Prozent der Bevölkerung angegeben, im Jahr zuvor mit 14,4 Prozent.

Hinter den steigenden Armutszahlen stünden konkrete Einschränkungen im Alltag, erklärte der Paritätische. Millionen Menschen könnten sich unerwartete Ausgaben nicht leisten, sparten beim Heizen oder verzichteten auf gesellschaftliche Teilhabe. 4,6 Millionen Menschen lebten inzwischen in erheblicher materieller Entbehrung. Die soziale Spaltung zeige sich zunehmend auch bei den realen Lebensbedingungen.

Auch regional drifte Deutschland sozial weiter auseinander: In Bayern sei etwa jeder Achte von Armut betroffen, in Sachsen-Anhalt bereits mehr als jeder Fünfte und in Bremen sogar mehr als jeder Vierte. Armut sei damit "längst auch eine Frage des Wohnortes".

(I.Beryonev--DTZ)

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