Deutsche Tageszeitung - Bundestags-Gutachten sieht hohe Kostenrisiken für Verbraucher durch Grüngasquote

Bundestags-Gutachten sieht hohe Kostenrisiken für Verbraucher durch Grüngasquote


Bundestags-Gutachten sieht hohe Kostenrisiken für Verbraucher durch Grüngasquote
Bundestags-Gutachten sieht hohe Kostenrisiken für Verbraucher durch Grüngasquote / Foto: © AFP/Archiv

Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages sieht hohe Kostenrisiken für Verbraucher durch die Grüngasquote im neuen Heizungsgesetz. Die Verfügbarkeit grüner Gase und Öle sei und bleibe voraussichtlich begrenzt, zugleich sei der Bedarf auch in anderen Bereichen groß, heißt es in einem Gutachten, das die Grünen-Fraktion in Auftrag gegeben hatte und das AFP am Donnerstag vorlag. "Aufgrund der begrenzten Verfügbarkeit und der Nutzungskonkurrenzen sind die Preise hoch."

Textgröße ändern:

"Industrie, Energieerzeugung und Verkehr beanspruchen die gleichen Ressourcen wie der Gebäudesektor", führen die Experten des Bundestages aus. Die Wirtschaftlichkeit grüner Alternativen hänge daher auch stark von internationalen Importen und der Entwicklung der europäischen Energiepreise ab.

Bei Biogasen wie Biomethan verweisen die Experten auf Studien der Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen. Demnach lässt sich die Produktion wegen begrenzter Flächen für den Anbau etwa von Raps nicht beliebig ausweiten, weshalb der Preisdruck steige. "Diese Entwicklung wirkt sich direkt auf private Haushalte aus, denn sie führt zu höheren Heizkosten, wenn Gas als Energieträger bleibt."

Speziell für Bioheizöl aus Altspeiseölen unterstreicht das Gutachten, dass diese Ressourcen "global begrenzt vorhanden und bereits für andere Nutzungen gut erschlossen" seien. Sie auch zum Heizen zu nutzen, werde dadurch erschwert.

Mit Blick auf die Nutzung von Wasserstoff zum Heizen zitiert der Wissenschaftliche Dienst eine Studie der staatlichen Deutschen Energie-Agentur (Dena), wonach kaum Kapazitäten zur Verfügung stehen, "da sie prioritär für die Industrie gebraucht werden". Der Fokus der Wasserstoffwirtschaft liege "bislang klar auf der Industrie und auf energieintensiven Prozessen und nicht auf der dezentralen Wärmeversorgung". Insbesondere die Chemie-, Mineralöl- und Stahlindustrie setzten auf grünen Wasserstoff zur Dekarbonisierung ihrer Prozesse.

Hinzu kommt, dass die Infrastruktur zur Versorgung von Haushalten mit Wasserstoff noch fehlt. Aufbau und Betrieb von Leitungen seien zentrale "infrastrukturelle Voraussetzungen" für die Verwendung von Wasserstoff zum Heizen, die noch "hohe Investitionen" erforderten, heißt es im Gutachten. Letztlich seien alternative Heizsysteme wie Wärmepumpen kosteneffizienter als grüne Gase und Öle.

Die Bundesregierung hat sich vorgenommen, das sogenannte Heizungsgesetz aus der Zeit der Ampel-Regierung weitgehend zurückzudrehen. Der Weiterbetrieb und Neueinbau von Öl- und Gasheizungen soll langfristig möglich bleiben. Als Ausgleich sollen neu eingebaute Gas- und Ölheizungen ab 2029 zu steigenden Anteilen mit Biogas oder Bioöl betrieben werden. Um Heizungen im Bestand klimafreundlicher zu betreiben, sollen die Brennstoffhändler zudem zunehmend biogene Stoffe beimischen.

"Auch der Wissenschaftliche Dienst bestätigt: Kosten und Verfügbarkeiten grüner Gase lassen sich nicht schönrechnen", sagte der Grünen-Abgeordnete Alaa Alhamwi AFP. "Grüne Gase sind teuer und die Preise abhängig von globalen Krisen."

(N.Loginovsky--DTZ)

Empfohlen

Wohnungsnot in Portugal: Protestcamp in Lissabon errichtet

In der portugiesischen Hauptstadt Lissabon ist - wie bereits in der spanischen Hauptstadt Madrid - ein Protestcamp gegen die Wohnungskrise errichtet worden. Nach einer Demonstration versammelten sich am Samstagabend hunderte Protestierer auf dem Rossio-Platz in Herzen von Lissabon und bauten dutzende Zelte auf, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten.

Hunderttausende Teilnehmer und heftige Zusammenstöße bei Protesttag in Frankreich

Hunderttausende Teilnehmer, Gebäude in Flammen, Tränengasschwaden und dutzende Festnahmen: Am landesweiten Protesttag gegen hohe Lebenshaltungskosten und Missstände im Bildungssystem ist es zu heftigen Zusammenstößen mit der Polizei gekommen. Nach Angaben der Organisatoren gingen am Samstag rund 800.000 Menschen im ganzen Land auf die Straße. Von Marseille bis Lille kam es dabei zu Ausschreitungen, mehr als 272 Menschen wurden festgenommen. In Saint-Etienne verlor erneut ein Demonstrant durch eine Polizeigranate seine Hand.

Protesttag in Frankreich: Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Polizei

Bei einer Großdemonstration in Paris im Rahmen eines landesweiten Protesttags gegen hohe Lebenshaltungskosten und Missstände im Bildungssystem ist es am Samstagmittag zu heftigen Zusammenstößen zwischen der Polizei und den Protestierenden gekommen. Am Platz der Republik setzten die Beamten mehrfach Tränengas ein, während die Demonstranten Feuerwerkskörper zündeten, wie eine Reporterin der Nachrichtenagentur AFP beobachtete.

Fast zwei Billionen: US-Neuverschuldung steigt unter Trump auf Fünf-Jahres-Hoch

Die Neuverschuldung der USA ist trotz der von Präsident Donald Trump angekündigten Ausgabenkürzungen auf den höchsten Stand seit 2021 gestiegen. Im Haushaltsjahr 2026, das Ende September endete, betrug das Defizit 1,99 Billionen Dollar und damit zwölf Prozent mehr als im Vorjahr, wie das Finanzministerium am Freitag in Washington mitteilte.

Textgröße ändern: