Deutsche Tageszeitung - Millionenschwerer Betrug mit EU-Agrarhilfen in Griechenland: Vier Abgeordnete angeklagt

Millionenschwerer Betrug mit EU-Agrarhilfen in Griechenland: Vier Abgeordnete angeklagt


Millionenschwerer Betrug mit EU-Agrarhilfen in Griechenland: Vier Abgeordnete angeklagt
Millionenschwerer Betrug mit EU-Agrarhilfen in Griechenland: Vier Abgeordnete angeklagt / Foto: © AFP/Archiv

In der Affäre um millionenschweren Betrug mit EU-Agrarsubventionen sind nach Angaben der europäischen Staatsanwaltschaft (Eppo) vier Abgeordnete des griechischen Parlaments angeklagt worden. Unter den insgesamt 22 Angeklagten seien neben den Parlamentariern auch "mehrere hochrangige Beamte und politische Mitarbeiter", teilte die Behörde am Donnerstag mit. Dazu gehörten ein ehemaliger Sekretär der Regierungspartei Nea Dimokratia und mehrere ehemalige Beamte der für die Verteilung der EU-Hilfen zuständigen Behörde, darunter ein ehemaliger Vorsitzender.

Textgröße ändern:

Gegen sieben weitere Abgeordnete wurden die Beschuldigungen aus Mangel an Beweisen fallengelassen, ebenso gegen zwei ehemalige Abgeordnete. Gegen drei ehemalige Parlamentarier wird weiter ermittelt. Im April hatte das Parlament in Athen die Immunität von insgesamt 13 Abgeordneten der konservativen Regierungspartei aufgehoben. Mehrere Minister sind im Zuge der Ermittlungen bereits zurückgetreten. Die Opposition verlangt wegen der Affäre Neuwahlen.

Zu den Vorwürfen gegen die beschuldigten Abgeordneten gehören laut der europäischen Staatsanwaltschaft unter anderem Vertrauensmissbrauch, Anstiftung zur rechtswidrigen Verwaltung von EU-Mitteln und zur Ausstellung falscher Bescheinigungen sowie versuchter Computerbetrug. Bei einer Verurteilung drohen ihnen Haftstrafen von bis zu fünf Jahren und Geldbußen.

Die Beschuldigten sollen ein Netzwerk unterstützt haben, das der Anklage zufolge seit 2018 mindestens 23 Millionen Euro an EU-Hilfen veruntreute. Einige Empfänger der Agrarsubventionen hatten demnach überhaupt keine Verbindung zur Landwirtschaft. Ferner zählen zu den mutmaßlichen Betrugsfällen Agrarhilfen für angebliche Olivenbäume auf einem Militärflughafen, Weideland auf dem Gelände archäologischer Stätten und Bananenplantagen auf dem Berg Olymp.

Laut der Mitteilung der Staatsanwaltschaft deuteten Beweise darauf hin, dass unter anderem widerrechtlich in administrative Vorgänge und Inspektionen eingegriffen wurde, rückwirkend Daten der vorgeschriebenen Kontrollen geändert sowie Ergebnisse von Inspektionen verschwiegen und manipuliert worden seien. Zudem seien falsche Bestätigungen ausgestellt worden.

Die meisten der unrechtmäßigen EU-Hilfsgelder gingen nach Kreta. Der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis geriet dadurch weiter unter Druck, da seine Familie seit mehr als hundert Jahren auf der Insel politisch einflussreich ist.

Erleichtert wurde der Betrug dadurch, dass zum Zeitpunkt der Subventionsanträge in Griechenland viele Eigentumsverhältnisse unklar und die Grundbücher lückenhaft waren.

(P.Tomczyk--DTZ)

Empfohlen

In Frankreich werden Abgaben für Wegwerfmode von Onlinehändlern fällig

Für Billigmode asiatischer Plattformen müssen in Frankreich seit Dienstag Abgaben gezahlt werden: Für eine Billigjacke eines Onlinehändlers wie Shein, Temu oder AliExpress werden bis zu zwölf Euro fällig. Für Unterhosen oder Socken beträgt der von dem Unternehmen geforderte Malus 50 Cent, für ein T-Shirt zwei Euro und für Jeans neun Euro.

Fast-Fashion-Händler Shein legt schwaches Börsendebüt in Hongkong hin

Der Online-Modehändler Shein ist bei seinem lange erwarteten Börsendebüt in Hongkong nur auf verhaltenes Interesse der Anleger gestoßen. Das für sein "Fast Fashion"-Geschäftsmodell bekannte Unternehmen verzeichnete bei seinem Gang aufs Parkett am Dienstag deutliche Kursverluste. Zeitweilig sackte die Aktie um rund zehn Prozent ab.

Verkauf des Berliner Luxushotels Adlon vorerst geplatzt - Neuer Versuch angestrebt

Das Luxushotel Adlon in Berlin wird zunächst nicht verkauft. Bei einer entsprechenden Abstimmung unter den Anlegerinnen und Anlegern des Fonds, dem das Hotel gehört, sei die erforderliche Kapitalmehrheit von 75 Prozent mit einem Ergebnis von 71,04 "knapp verpasst" worden, erklärte die Jagdfeld-Gruppe am Dienstag. Sie managt den Fonds.

Mieterbund: Steigende Wohnkosten belasten Mehrheit der Mieter

Die steigenden Wohnkosten in Deutschland belasten zusehends die Mieterinnen und Mieter: In einer Umfrage des Deutschen Mieterbunds (DMB) sagten 58 Prozent der Befragten, ihre Wohnkosten seien allein in den vergangenen zwölf Monaten gestiegen. Fast jede und jeder zweite habe deshalb bei Freizeit und Urlaub gespart, fast ebenso viele bei Kleidung, Möbeln oder Haushaltsgeräten. Die Wohnkrise greife mittlerweile "tief" in den Alltag ein, erklärte der DMB am Dienstag.

Textgröße ändern: